Tarifkonflikt im Einzelhandel verschärft sich
Arbeitgeber stellen Verdi bei Öffnungsklausel auf die Probe

Die Arbeitgeber wollen in der laufenden Tarifrunde des Einzelhandels eine Richtungsentscheidung für tarifliche Öffnungklauseln erzwingen. „An unseren Forderungen führt kein Weg vorbei“, sagte der tarifpolitische Koordinator des Handelsverbandes BAG, Friedrich Wilhelm Schlich, dem Handelsblatt.

BERLIN. Solange die Gewerkschaft Verdi mehr Betriebsnähe im Flächentarif verweigere, hätten weitere Verhandlungen keinen Sinn. Damit steuert die Tarifrunde drei Monate nach dem Start auf eine erheblich verschärfte Auseinandersetzung zu.

Die Gewerkschaft Verdi lehnt tarifliche wie gesetzliche Öffnungsklauseln weiter kategorisch ab. „Ich hoffe nicht, dass wir den Forderungskatalog der Arbeitgeber erst wegstreiken müssen, bevor wir über Lohn und Gehalt verhandeln und einen Abschluss erzielen können“, sagte Verdi-Vize Margret Mönig-Raane dem Handelsblatt. Der Flächentarif diene dazu, für gleiche Wettbewerbsbedingungen in einer Branche zu sorgen. Daher sei es „unsinnig, diese Funktion durch Öffnungsklauseln zu relativieren“.

Während Verdi in diesem Jahr für die 2,8 Millionen Beschäftigten der Branche Lohnzuwächse von knapp vier Prozent durchsetzen will, sehen die Arbeitgeber „keinen Spielraum“ für höhere Personalkosten auf der Ebene des Flächentarifs. Mit der Festlegung auf Öffnungsklauseln schloss Schlich zugleich einen Abschluss nach dem Vorbild der Druckindustrie aus. Dort stellten die Arbeitgeber Ende Juni ihre Forderung zurück und nahmen einen Kompromiss ohne Öffnungsklausel hin, nachdem Verdi im Gegenzug Kürzungen bei Zuschlägen für Überstunden und Samstagsarbeit akzeptiert hatte. Rainer Marschaus, tarifpolitischer Koordinator beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) bekräftigte: „Die Arbeitgeberseite ist in ihrer Strategie absolut geschlossen.“

Der Einzelhandel ist der größte Tarifbereich nach der Metall- und Elektroindustrie. Seit April sind in den 15 Landesbezirken insgesamt fast 40 Verhandlungsrunden geführt worden. Die Gespräche in Nordrhein-Westfalen wurden am Freitag auf August vertagt, in Hessen gibt es nach vier regionalen Runden vorerst gar keinen neuen Termin. In Rheinland-Pfalz droht Verdi mit einem „heißen Juli“ und rüstet schon für Streiks.

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