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25.06.2008 
Arbeitsmarkt

Tariflöhne steigen so kräftig wie seit Jahren nicht mehr

Die Tariflöhne steigen 2008 so kräftig wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Sie werden durchschnittlich um 3,3 Prozent zulegen, prognostizierte das Tarifarchiv des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) am Mittwoch. Den Bürgern bleibt indes nur wenig davon übrig.

HB DÜSSELDORF. „Das ist der höchste Anstieg in diesem Jahrzehnt“, sagte der Leiter des Tarifarchivs, Reinhard Bispinck. Nach Abzug der Inflation bleibe den Beschäftigten erstmals seit drei Jahren wieder ein realer Einkommenszuwachs. Er falle bei einer erwarteten Teuerungsrate von rund drei Prozent aber sehr mager aus, sagte Bispinck.

Das WSI legte bei seinen Berechnungen die im ersten Halbjahr abgeschlossenen Tarifverträge zugrunde, die den Beschäftigten durchschnittlich 4,6 Prozent mehr Lohn und Gehalt brachten. Auch länger laufende Verträge aus dem Vorjahr wurden berücksichtigt.

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hält den deutlichen Anstieg für vertretbar. „Die Abschlüsse sind vor allem in den boomenden Exportbranchen hoch, die sich das auch erlauben können“, sagte IW-Tarifexperte Hagen Lesch.

Allerdings könne von Lohnzurückhaltung nun nicht mehr die Rede sein, die seit Mitte der neunziger Jahre 880 000 Arbeitsplätze gesichert habe. In wirtschaftlich schwächeren Zeiten könnten sich hohe Lohnkosten als Beschäftigungsbremse erweisen. „Die Lohnerhöhungen von heute beeinflussen die Einstellungen von morgen“, sagte Lesch.

Die Lohnzuwächse fielen in der boomenden Chemie- und Stahlbranche mit jeweils rund fünf Prozent überdurchschnittlich aus. Auch die Beschäftigten von Bund und Kommunen erhalten rund fünf Prozent mehr. Im Steinkohlebergbau oder bei Hotels und Gaststätten gab es dagegen nur ein leichtes Plus. Im Einzelhandel wurde nach über einjährigen Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften noch kein Abschluss erreicht.

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