Tarifrunde
IG Metall schraubt Lohnforderung hoch

Trotz neuer weltwirtschaftlicher Krisensignale nehmen die Erwartungen der Metaller an die bevorstehende Tarifrunde eher noch zu: Gleich mehrere Bezirke der IG Metall haben sich seit Wochenbeginn für eine Lohnforderung von acht Prozent stark gemacht.

BERLIN. Nach den Tarifkommissionen für die ostdeutsche Metall- und Elektroindustrie sprachen sich am Dienstag auch die Tarifgremien in Niedersachsen, Hessen und im Bezirk Küste dafür aus, mit einer „Acht“ in die Anfang Oktober beginnenden Verhandlungen für die insgesamt 3,6 Millionen Metall-Beschäftigten zu gehen.

Der IG-Metall-Vorstand hatte Anfang vergangener Woche zum förmlichen Auftakt der gewerkschaftsinternen Forderungsdebatte einen Korridor von „sieben bis acht Prozent“ vorgegeben. Nun steigt der Druck, dass sich die IG Metall mit ihrer tatsächlichen Forderung am oberen Rand dieses Korridors positioniert. Den endgültigen Beschluss fasst die Gewerkschaft Anfang nächster Woche.

In den großen IG-Metall-Bezirken Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen war noch Anfang September ebenfalls von „sieben bis acht Prozent“ die Rede gewesen. Nach einer Sitzung der Tarifkommission in Hessen hatte Bezirksleiter Armin Schild den damaligen Diskussionsstand mit der Formel „sieben plus X“ sogar noch eine Nuance moderater zusammengefasst. Vor diesem Hintergrund hatte es im Arbeitgeberlager Erwartungen gegeben, das die IG Metall ihre endgültige Forderung noch etwas nach unten schleusen könnte. Dies ist nun nicht mehr in Sicht. Auch schon mit sieben Prozent würde sie jedoch bereits die höchste Forderung seit 1992 stellen.

Im Bezirk Küste, dessen Schwerpunkt die Werftindustrie ist, argumentierte die dortige IG-Metall-Chefin Jutta Blankau unter anderem mit dem Preisschub, der im Frühjahr von hohen Ölpreisen ausgelöst worden war: „Die Metall- und Elektroindustrie brummt. Die Lebenshaltungskosten der Beschäftigten explodieren. Acht Prozent mehr Geld ist die richtige Forderung“, sagte sie. „Es geht um mehr Geld und um mehr Gerechtigkeit“, argumentierte Niedersachens Bezirksleiter Hartmut Meine.

Die Arbeitgeber hatten zuvor bereits vor einer „Gefühls-Tarifrunde“ ohne Bezug zur wirtschaftlichen Realität gewarnt. Ökonomisch begründbar sei selbst nach der traditionellen Lohnformel de IG Metall nur eine Forderung von maximal vier Prozent – basierend auf mittelfristigem Inflationstrend und gesamtwirtschaftlichem Produktivitätsfortschritt. Zudem hätten die Metaller schon in den Vorjahren stark überdurchschnittliche Tarifsteigerungen gehabt, betont Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser und verweist auf den sich immer deutlicher abzeichnenden Abschwung. „Man kann nicht einfach mit dem Kopf durch die Wand gehen“, warnte er die IG Metall.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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