Tarifstreit
Ärztestreik erreicht neuen Höhepunkt

Die Ärzte-Streiks an deutschen Universitätskliniken steuern heute auf einen neuen Höhepunkt zu. In gleich 26 Städten legten die Mediziner ihre Arbeit nieder. Zuvor reichte der Marburger Bund noch Klage gegen die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände ein. Die VKA reagierte mit massiven Vorwürfen.

HB BERLIN/KÖLN. An einer Kundgebung und einem Demonstrationszug in der Kölner Innenstadt beteiligten sich nach Polizeiangaben am Dienstag rund 6000 Ärzte. Zugleich legten nach Angaben der Gewerkschaft Marburger Bund in 26 Städten rund 12.000 Ärzte die Arbeit nieder. Dies war die größte Zahl seit Beginn des unbefristeten Ausstandes am 16. März.

Betroffen von dem Arbeitskampf waren 18 Universitätskliniken und acht psychiatrische Landeskrankenhäuser. Bundesärztekammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe sagte bei der Kundgebung in Köln, die gesamte Ärzteschaft stehe hinter den Streiks. Erwartungen, dass es auch in den 700 Krankenhäusern in kommunaler Trägerschaft bald zu Streiks kommen könnte, bewahrheiteten sich nicht.

Der Marburger Bund und der Verband der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) hätten ihre Verhandlungen auf den 8. Mai vertagt, teilte ein VKA-Sprecher am Abend mit. Die Mediziner zogen in weißen Arztkitteln und mit Trillerpfeifen bei sonnigem Wetter durch die Kölner Altstadt.

„Das ist kein Ärzte-Streik, das ist ein Sklaven-Aufstand“ und „Kommen Sie zu mir, ich bin seit 30 Stunden im Dienst“ war auf Transparenten zu lesen. Hoppe rief unter dem Applaus der Demonstranten, ärztliches Ethos und die hohe Leistungsbereitschaft der Ärzte dürften nicht weiter zu Gunsten der desolaten öffentlichen Kassen schamlos ausgebeutet werden.

„Knebelverträge, unbezahlte Überstunden und Dauereinsätze von 24 Stunden und mehr“ müssten ein Ende haben. Die Solidarität und die Kampfbereitschaft der Ärzte wie auch deren Mobilität dürften nicht unterschätzt werden. Tausende junger und engagierter Ärzte seien bereits ins Ausland geflüchtet. Arbeitgeber und Politik müssten ein Interesse haben, dass nicht noch mehr arztfreie Zonen entstünden.

Der Chef des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery, sagte, das bisherige Angebot der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) bedeute Einkommenseinbußen von vier Prozent und sei eine Mogelpackung. „Das werden wir nie unterschreiben.“ Den Arbeitgebern gehe es um Machtpolitik. Die Ärzte fordern einen arztspezifischen Tarifvertrag, bessere Arbeitszeiten und ein um 30 Prozent höheres Grundgehalt. Hoppe nannte die Vergütungsforderung „völlig gerechtfertigt“, da es sich um einen Ausgleich für Kürzungen in den vergangenen Jahren sowie für millionenfach geleistete Überstunden handele.

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