Tarifstreit
Bayern sucht Kompromiss mit den Ärzten

In den seit Monaten währenden Tarifstreit über die Entlohnung der Ärzte an Uni- und Landeskliniken ist am Freitag in regionalen Gesprächen in Bayern offenbar Bewegung gekommen. Kommen sie zum Erfolg, könnte sich das positiv auf die bundesweiten Verhandlungen auswirken.

HB MÜNCHEN. Der Chef der Ärzte-Gewerkschaft Marburger Bund, Frank Ulrich Montgomery, sagte am Abend, bei den Verhandlungen unter Führung des bayerischen Finanzministers Kurt Faltlhauser gebe es „sehr konstruktive Gesprächsansätze“. Falls in Bayern eine Lösung erzielt werde, könnte diese bei bundesweiten Verhandlungen mit der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) integriert werden. „Es ist ein sehr positiver und konstruktiver Versuch Faltlhausers, das auf Grund gelaufene Schiff TdL wieder flott zu machen“, sagte Montgomery auf Anfrage per Telefon. In München verhandelten Faltlhauser und Vertreter der Ärzte seit Spätnachmittag über eine Lösung für Bayern.

Der Marburger-Bund-Chef betonte aber, dass auch bei einer Lösung in Bayern zusätzlich eine bundesweite Lösung des Tarifkonflikts unter Führung der TdL unverzichtbar ist. „Im Moment ist es ausgesprochen schwierig, ohne einen Rahmentarifvertrag mit der TdL eine isolierte Lösung in Bayern umzusetzen.“

Die Uniklinik-Ärzte haben eine weitere Verschärfung der Streiks beschlossen. Statt wie ursprünglich vorgesehen in der kommenden Woche eine Streikpause einzulegen, werde an den vier Unikliniken Baden- Württembergs sowie an den zwei Häusern in München weiter gestreikt, teilte der Sprecher der Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB), Athanasios Drougias, mit.

Der MB will mit der Verschärfung der Streiks gegen den Beschluss der Länderfinanzminister vom Donnerstag protestieren, mit der Ärztegewerkschaft keine eigenen Tarifverhandlungen weiterzuführen. MB-Chef Frank Ulrich Montgomery sagte: „Heute ist ein klares Signal geschlossener Streik- und Kampfbereitschaft aller Ärzte der Universitätskliniken und Landeskrankenhäuser an die Ministerpräsidenten gesendet worden.“ Auf der Grundlage des Länder- Abschlusses mit Verdi werde es keinen Ärztetarifvertrag geben. Die Ärztestreiks würden „bis zum Zustandekommen eines Ärztetarifvertrags mit dem Marburger Bund“ verschärft.

In dem seit Monaten währenden Tarifkonflikt, bei auch derzeit wieder tausende Ärzte in Landeskliniken ihre Arbeit ruhen lassen, hatte der bayerische Finanzminister angesichts der festgefahrenen Gespräche zwischen TdL und Marburger Bund einen neuen Vorstoß unternommen. Diesen hatte er aber mit der Finanzministerkonferenz abgestimmt. Eine Annäherung beider Seiten könnte nun noch rechtzeitig vor der in einer Woche beginnenden Fußball-WM in Deutschland kommen. Der Weltfußballverband Fifa hatte sich wegen der anhaltenden Streiks der Klinikärzte bereits besorgt um die medizinische Versorgung während des Sportereignisses in Deutschland gezeigt.

Der Marburger Bund hatte ursprünglich 30 Prozent mehr Geld für die die rund 22 000 Ärzte an Uni- und Landeskliniken gefordert, worin auch die verlangte Vergütung für die übliche Mehrarbeit enthalten ist.

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