Tarifstreit
Chemie-Tarifparteien einigen sich auf 2,8 Prozent mehr Geld

550.000 Beschäftigte in der Chemieindustrie bekommen mehr Geld: Gewerkschaft und Arbeitgeber haben sich im Tarifstreit auf ein Plus von 2,8 Prozent bei einer Laufzeit von 17 Monaten geeinigt.
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BerlinLange sah es so aus, als ob Arbeitgeber und Gewerkschaft auf den ersten Streik in der Chemischen Industrie seit 1971 zusteuerten. Am Ende haben sie sich dann aber doch auf ihre bisher vorbildliche Tarifpartnerschaft besonnen und am Freitag nach neun regionalen und drei zentralen Verhandlungsrunden einen Abschluss erzielt.

Demnach steigen die Entgelte der rund 550.000 Beschäftigten in 1.900 Betrieben der chemischen und pharmazeutischen Industrie nach einem Leermonat um 2,8 Prozent. Unternehmen, die in besonderen wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken und etwa dieses Jahr Verluste schreiben, können die Tariferhöhung um zwei weitere Monate nach hinten schieben. Der Abschluss hat eine Gesamtlaufzeit von 17 Monaten. Außerdem wird der Demografiefonds, aus dem Altersteilzeitmodelle bezahlt werden können, aufgestockt. Die Ausbildungsvergütungen werden um 40 Euro pro Monat angehoben.

„Der Abschluss behält die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen genauso im Blick wie die Interessen der Arbeitnehmer, die ein spürbares Reallohnplus erhalten“, sagte die Präsidentin des Arbeitgeberverbandes BAVC, Margret Suckale.  Der Verhandlungsführer der Gewerkschaft IG BCE, Peter Hausmann, sprach von einem „tragfähigen Kompromiss. Wir haben eine außergewöhnliche Tarifrunde hinter uns, die gewiss nicht in jedem Jahr zur Wiederholung geeignet ist“, betonte der Gewerkschafter.

Die Verhandlungen waren für die Branche ungewöhnlich konfrontativ verlaufen. Die Arbeitgeber hatten zunächst nur ein Entgeltplus von 1,6 Prozent für 15 Monate und 200 Euro zusätzlich pro Beschäftigten für den Demografiefonds angeboten und auf die schwierige Lage der Branche verwiesen. So ist die Produktivität seit 2010 um vier Prozent gesunken, das Produktionswachstum liegt seit 2011 im Schnitt nur bei rund einem Prozent pro Jahr.

Die IG BCE hatte das Angebot als „Provokation“ bezeichnet und auf das Rekordjahr und die üppige Dividende bei Bayer oder gestiegenen Umsatz und Gewinn bei Continental verwiesen. Zu Warnstreiks und anderen Aktionen konnte die Gewerkschaft in den vergangenen Wochen mehr als 100.000 Beschäftigte mobilisieren.

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