Tarifstreit
Das Ende der Bescheidenheit

Der Metallindustrie droht ein harter Arbeitskampf: Mittwoch weitet die IG Metall die Warnstreiks aus. Sie fordert doppelt soviel wie die Arbeitgeber zahlen wollen. Ein Konflikt mit Konsequenzen für die ganze Wirtschaft.
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Vor zwei Jahren lobte Kanzlerin Angela Merkel die Tarifparteien in höchsten Tönen: „In der Wirtschaftskrise haben die Gewerkschaften mit den Arbeitgebern in herausragender Weise zusammengearbeitet.“ Dieses Lob galt vor allem IG-Metall-Chef Berthold Huber und Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser. Beide hatten wenige Monate zuvor, als niemand den Aufschwung voraussah, in seltener Einigkeit einen historischen Tarifpakt besiegelt: Jobsicherung vor Lohnerhöhungen.

Doch mit der „herausragenden Zusammenarbeit“ ist es nun vorbei. „Ich glaube, wir werden einen der härtesten Arbeitskämpfe bekommen, die wir je hatten“, warnt Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück. Unmittelbar nach dem Ende der Friedenspflicht begannen massive Warnstreiks, etwa bei MAN in Augsburg, Daimler in Rastatt oder Continental in Hannover. Damit will die IG Metall 6,5 Prozent mehr Lohn für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie durchsetzen. Ab Mittwoch soll es auch bei BMW, Porsche und Audi losgehen.

Für Hannes Hesse, den Hauptgeschäftsführer des Maschinenbauverbands VDMA, sind die Forderungen der Gewerkschaft eine Provokation: „Ich hoffe sehr, dass die IG Metall bald zur Besinnung kommt und den Schaden begrenzt“, sagte er dem Handelsblatt. Denn die Arbeitgeber, die bisher drei Prozent mehr Lohn und Gehalt angeboten haben, fürchten zusätzliche Lasten, wenn die Gewerkschaft zwei ihrer Kernanliegen durchsetzt: die unbefristete Übernahme von Auszubildenden und die Einschränkung der Zeitarbeit.

Kommentare zu " Tarifstreit: Das Ende der Bescheidenheit"

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  • @ Arbeitgeber:

    Ich sehe im Gegensatz zu Ihnen in der von Ihnen kritisierten Aussage die Forderung, dass reichere Unternehmen überproportionale Löhne zu zahlen haben, damit die Lohnschere nicht zu groß wird, was die Gewerkschaft durch propagandistische Einheitstarife verhindert. So sehe ich diesen Text!

  • Die streiken für den Finanzminister, der zockt vom Allmoosen gleich mal mehr als 50% ab, da wird er sich u. seine Schwarzgeldspezis in der Schweiz die Hände reiben.

  • Was für ein lächerlicher Vergleich "die Lohnquote ist zu hoch". Was bitte soll diese Aussage? Die Lohnquote einer Friseuse liegt wahrscheinlich über 50%, ist diese auch überbezahlt? Wenn das die Argumente unserer Manager und Banker (bekanntermaßen unterbezahlt) sind dann wundert einen der Zustand des Landes nicht wirklich und mir wird Angst und Bange vor der Zukunft.

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