Tarifstreit im öffentlichen Dienst
Was Sie zum Streik wissen müssen

Kitas, Nahverkehr, Flughäfen: Landesweit legen Mitarbeiter die Arbeit nieder, denn die Gewerkschaft Verdi macht Druck vor der nächsten Tarifrunde. Wie Sie betroffen sind und wie die Streiks die Unternehmen belasten.
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Düsseldorf/Frankfurt am Main / Berlin Noch zwei Tage, dann will Verdi in die nächste Tarifrunde einsteigen. Vorab erhöht die Gewerkschaft den Druck auf Bund und Kommunen – mit Streiks in zahlreichen Bundesländern. Für morgen sind Streiks auch an sechs Flughäfen geplant, Lufthansa kündigt vorab an, fast 900 Flüge zu streichen. Fragen und Antworten zum Streik:

Worum geht's?

Die Tarifverhandlungen für die rund 2,14 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen werden am Donnerstag in Potsdam fortgesetzt. Verdi fordert unter anderem sechs Prozent mehr Lohn und eine Anhebung der Ausbildungsvergütung um 100 Euro pro Monat. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll nach Vorstellung der Gewerkschaft zwölf Monate betragen.

Verdi hatte die Streiks bereits am Freitag angekündigt. „Wir kündigen die Streiks absichtlich so frühzeitig an, damit sich Fluggäste darauf einstellen und rechtzeitig umplanen können“, erklärte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. „Das Angebot der Arbeitgeber in der zweiten Verhandlungsrunde haben die Beschäftigten als absoluten Affront empfunden. Auf das Jahr bezogen handelt es sich lediglich um eine Erhöhung von 0,6 Prozent und 1,2 Prozent für 2016 und 2017. Darum haben wir die Beschäftigten jetzt zu einer Verstärkung der Streikmaßnahmen aufgerufen.“

Trifft mich der Streik?

Gestreikt wird am heutigen Dienstag im Öffentlichen Dienst in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein, Berlin, Bayern, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Der Schwerpunkt der Warnstreiks liegt im bevölkerungsreichsten Land Nordrhein-Westfalen. Dort rief Verdi am Dienstag Beschäftigte in insgesamt 51 Kommunen zu ganztägigen Arbeitsniederlegungen auf. Betroffen waren alle Bereiche des öffentlichen Diensts, das heißt vielerorts blieben etwa Busse und Straßenbahnen in den Depots. Auch Mitarbeiter von Müllabfuhr, Jobcentern, Stadtverwaltungen, Krankenhäusern und Kindertagesstätten sollten in den Ausstand treten.

Für Mittwoch kündigte Verdi in Nordrhein-Westfalen weitere Warnstreiks in 58 Städten und Gemeinden an, darunter in Köln und Dortmund.

Schwerpunkt des Streiks liegt am Mittwoch aber bei den Flughäfen. Die Beschäftigten an den Flughäfen Frankfurt/Main, München, Düsseldorf, Köln/Bonn, Dortmund und teilweise Hannover-Langenhagen sollen ab Schichtbeginn in den Streik treten.

Betroffen sind in Frankfurt (Streik ab Schichtbeginn bis 15 Uhr) die Bodenverkehrsdienste, Check-In, Werkstätten und Luftsicherheitskontrolleure sowie ab 8 Uhr die Flughafenfeuerwehr. Wie die Lufthansa mitteilte, ist der größte Teil der internationalen Flüge von und nach Frankfurt nicht vom Streik betroffen. Am wichtigsten Drehkreuz des Landes müssten allerdings die meisten innerdeutschen Verbindungen und zahlreiche Europaflüge annulliert werden. Nach dem Ende des Streiks in Frankfurt sollen ab 15.00 Uhr die Lufthansa-Flüge wieder normal verkehren.

Der Warnstreik am Flughafen München wird ganztags andauern. Alle Arbeitnehmer sind zum Streik aufgerufen, damit können alle Bereiche am Flughafen betroffen sein. Die Lufthansa teilte mit, dass alle Interkontinentalflüge von und nach München gestrichen seien. Aber auch innerdeutsche und europäische Strecken seien betroffen, sodass es am Mittwoch nur rund 90 Flüge von und nach München geben werde.

In Köln/Bonn streiken die Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste (Vorfeld, Fracht, Gepäck und Verwaltung) ab 00:00 Uhr für 24 Stunden, hier ist auch die Flughafenfeuerwehr im Streik.

In Düsseldorf befinden sich ab 3 Uhr nachts bis 14 Uhr unter anderem die Werkstätten, die Verwaltung, Warenkontrolleure, der Terminalservice und die Busdienste im Streik, in Dortmund die Bodenverkehrsdienste ab Schichtbeginn. Hannover-Langenhagen wird ab 4:30 Uhr bis 15 Uhr in den Bodenverkehrsdiensten, Verwaltung und Technik bestreikt.

Insgesamt hat allein die Lufthansa wegen des Verdi-Warnstreiks für Mittwoch 895 Flüge gestrichen. Man könne nur rund 40 Prozent des regulären Flugprogramms fliegen, teilte die Airline am Dienstag in Frankfurt mit. Insgesamt seien rund 87.000 Passagiere betroffen.

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  • Dem organisierten deutschen öffentlichen Dienst geht es doch vergleichsweise gut, von der Globalisierung relativ unbeleckt (kann man halt nur schwer ins Billig-Ausland outsourcen). Die wenigen armen Schweine in prekären Verhältnissen bei Subunternehmern,sind eh nicht gewrkschaftlich organisiert und profitieren kaum davon. Wenn man bedenkt, dass die meisten aus nicht markwirtschaftlich zustandegekommenen Zwangsabgaben entlohnt werden, ist dieser Streik schon eine Unverschämtheit

  • Wer seit Jahren Wind säht, wird den Sturm ernten! Macht nur weiter so mit euren Verbrechen an den Menschen, dann werdet ihr einen Krieg entfachen, den ihr nicht gewinnen könnt!

  • Die richtige Antwort auf die politgischen und wirtschaftlichen Entwicklungen und verbrecherischen Handlungsweisen auf den Kapitalmärkten der vergangenen 20 Jahre wäre ein bundesweiter Generalstreik, am Ende sitzen die Arbeitnehmer am längeren Hebel! Ohne uns seid ihr nichts, ohne uns dreht sich in diesem Land kein Rad mehr.

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