Tarifstreit
Nordrhein-Westfalen plant separate Ärzte-Verhandlungen

Neue Entwicklung im Ärzte-Tarifstreit: Einem Zeitungsbericht zufolge plant nach Bayern und Baden-Württemberg nun auch Nordrhein-Westfalen separate Gespräche mit dem Ärzteverband Marburger Bund (MB). Zuvor hatte die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) abgelehnt, die Verhandlungen mit der Gewerkschaft wieder aufzunehmen.

HB DORTMUND. „Ein Termin mit dem Marburger Bund, den Vertretern der Universitätskliniken sowie des Wissenschaftsministeriums ist bei uns in Vorbereitung“, bestätigte eine Sprecherin von NRW-Finanzminister Helmut Linssen (CDU) den „Ruhr Nachrichten“.

In Bayern hatten sich am vergangenen Freitag Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) und der MB-Landesverband auf eine separate Regelung verständigt. Danach soll der zwischen der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) und der Gewerkschaft ver.di für den öffentlichen Dienst ausgehandelte Tarifvertrag deutlich aufgestockt werden.

In Baden-Württemberg wurde zwar keine entsprechende Vereinbarung getroffen. Doch sagte Finanzminister Gerhard Stratthaus (CDU) am Dienstag Vertretern der Ärztegewerkschaft und der Hochschulkliniken bei einem Treffen in Stuttgart zu, bei dem TdL-Vorsitzenden Hartmut Möllring (CDU) für die Wiederaufnahem von Gesprächen zu werben. Er will sich ebenso wie Faltlhauser für einen ärztespezifischen Tarifvertrag einsetzen. Möllring lehnt dies bisher mit der Begründung ab, der mit ver.di vereinbarte Tarifvertrag gelte auch für die Ärzte.

Der Marburger Bund hat mit einer härteren Gangart und mit Streiks auch während der am Freitag beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft gedroht, falls die TdL keine neuen Verhandlungen anbieten sollte. Die rund 22 000 Ärzte an den Unikliniken und Landeskrankenhäusern fordern 30 Prozent mehr Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen. Sie wollen dies in einem eigenen Tarifvertrag durchsetzen.

Während in Bayern die Streiks ausgesetzt wurden, wollen die Ärzte an den Unikliniken in Freiburg und Tübingen heute (Mittwoch) über eine Verschärfung des seit 16. März dauernden Arbeitskampfes sowie Patientenverlegungen entscheiden. In Heidelberg werden die Patienten bereits seit mehreren Tagen auf andere Krankenhäuser verteilt. Am Universitätsklinikum im niedersächsischen Göttingen wollen Ärzte nach einem Beschluss vom Dienstag von kommendem Montag an unbefristet streiken. Die Medizinische Hochschule Hannover will heute (Mittwoch) darüber entscheiden.

Marburger-Bund-Sprecher Athanasios Drougias warnte unterdessen davor, dass die Streiks der Klinikärzte auch auf kommunale Krankenhäuser übergreifen könnten. „Wenn die Tarifverhandlungen für Ärzte an kommunalen Krankenhäusern scheitern, dann laufen wir auch dort auf massive Streiks zu“, sagte er der „Berliner Zeitung“. Die nächsten Verhandlungen seien für Freitag geplant. Bei den Verhandlungen geht es um höhere Einkommen und bessere Arbeitsbedingungen für rund 70 000 Ärzte an 700 kommunalen Krankenhäusern.

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