Tarifstreit

Schäuble begrüßt deutliches Lohnplus

Wolfgang Schäuble hat den Gewerkschaften im Tarifstreit den Rücken gestärkt. „Wir haben viele Jahre der Reformen hinter uns“, so der Finanzminister. IG-Metall-Chef Huber setzte den Unternehmern derweil ein Ultimatum.
Update: 05.05.2012 - 10:34 Uhr 11 Kommentare
Finanzminister Schäuble: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“ Quelle: dapd

Finanzminister Schäuble: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“

(Foto: dapd)

MünchenMitten in den aktuellen Tarifverhandlungen für Millionen Industrie-Beschäftigte hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) den Gewerkschaften den Rücken gestärkt. „Es ist in Ordnung, wenn bei uns die Löhne aktuell stärker steigen als in allen anderen EU-Ländern“, sagte Schäuble in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Deutschland habe seine Hausaufgaben gemacht und könne sich höhere Tarifabschlüsse besser leisten als andere Staaten. „Wir haben viele Jahre der Reformen hinter uns.“

Außerdem komme man mit höheren Lohnabschlüssen in Deutschland den Forderungen anderer Länder entgegen. "Diese Lohnsteigerungen tragen auch zum Abbau von Ungleichgewichten innerhalb Europas bei“, sagte Schäuble. „Aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht übertreiben. Das rechte Maß müssen wir wahren.“

Aktuell laufen wichtige Tarifrunden in der Metall- und Elektroindustrie sowie in der Chemieindustrie. Die IG Metall fordert für die bundesweit rund 3,6 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie 6,5 Prozent mehr Geld. In der vergangenen Woche hatten sich nach Gewerkschaftsangaben mehr als 270 000 Beschäftigte an Warnstreiks beteiligt. In den nächsten Tagen sollen die Proteste weitergehen.

Der Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, droht den Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie noch im Mai mit einem harten Arbeitskampf. "Wenn bis Pfingsten auf der anderen Seite keine Einsicht einkehrt, dann führt kein Weg an einem Streik vorbei, auf breiter Front", sagte Huber laut Vorabbericht im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Gewerkschaft habe dafür finanziell vorgesorgt, sagte er.

Das Angebot der Arbeitgeber - drei Prozent mehr Lohn für 14 Monate - nannte Huber einen "Witz". "Die Arbeitnehmer dürfen nicht abgehängt werden von Produktivität und Gewinn", forderte er.

In der Chemieindustrie werden die Tarifverhandlungen für bundesweit rund 550 000 Beschäftigte am Montag auf Bundesebene in Hannover fortgesetzt. Die Gewerkschaft IG BCE bundesweit 6,0 Prozent mehr Geld.

  • dapd
  • dpa
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11 Kommentare zu "Tarifstreit: Schäuble begrüßt deutliches Lohnplus"

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    Aber seine Bundesbeamten /Pensionäre sollen am Hungertuch nagen !Die Arbeitnehmer in der Wirtschaft erhalten endlich gerechte Lohnerhöhungen .

    Die Merkel-Regierung verordnet seinen jetzigen /ehemaligen Staatsdienern eine Hungerkur . Sie sollen wieder einmal Abschläge von ihren Bezügen hinnehmen u. das schon jahrelang.

    Immer wieder müssen Beamte u. Pensionäre für neue Pensionsfonds zahlen , aber diese Einlagen werden von den jeweiligen Regierungen missbraucht um Haushaltslöcher
    zu stopfen .

    Zur Zeit schröpft der Eurofanatiker Schäuble wieder seine
    Staatsdiener für Bankster u. Bankrottstaaten .
    Das eigene Volk ist zweitrangig .

    Da muss man sich schon fragen in welchem Staat leben wir eigentlich .

    Hier wird der Pensionsfond für Bankster u. Bankrotteure
    von Schäuble missbraucht .

    Seinen Beamten /Pensionären Wasser predigen u. selbst Wein
    trinken .
    Das beste Beispiel ist der Merkelwulff u. Dgl.
    Bei den Politikern spielt Geld keine Rolle .Das Volk hat es doch ,man muss sich nur bedienen .

    Politiker müsste man sein . Da gibt es keine Abschläge
    vom Gehalt oder Diäten ,diese Herrschaften sitzen doch an der Quelle des Selbstbedienungsladens .

    Die Wähler der Arbeitnehmer, Beamten ,Rentner,Pensionäre
    werden 2013 ihr Kreuzchen eben nicht mehr bei "C"oder "S"
    machen .

    So einfach ist Demokratie u. Gerechtigkeit !

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  • Vorsicht, wenn dieser paranoide Alkoholiker ein lob ausspricht, hat dieser seine Hintergedanken.
    Natürlich freut er sich, sprudeln doch die höheren Lohnsteuermilliarden in seine Kasse.Damit kann er schon wieder ein Picks vor dem Untergang retten!

  • Schäuble: "Außerdem komme man mit höheren Lohnabschlüssen in Deutschland den Forderungen anderer Länder entgegen. Diese Lohnsteigerungen tragen auch zum Abbau von Ungleichgewichten innerhalb Europas bei“

    Das ist vermutlich in der Geschichte der Bundesrepublik ohne Beispiel!

    Um den Sch….-EURO zu retten wirft Schäuble jetzt die letzen Reserven in die Schlacht. Es dürfte in der Tat historisch ohne Beispiel sein, dass der Finanzminister eines Landes quasi dazu aufruft, die eigene, mühsam erarbeitete, Wettbewerbsfähigkeit selbst zu schwächen. Dies ist ungefähr so, als ob Usain Bolt sich in den Fuss schießt, damit die anderen nicht zu weit zurückfallen. Scheinbar hat die Politik NICHTS mehr in Sachen EURO-Rettung im Griff, die haben völlig die Übersicht verloren. Das ist einTrauerspiel ohne gleichen. Ich finde einfach keine Worte mehr für diese unsäglichen und inkompetenten Gestalten in dem Tollhaus, welches unter Bundesregierung firmiert. Die Asiaten werden sich freuen, wenn Deutschland sich selbst aus dem Wettbewerb nimmt – unsere Industrie und deren Arbeitnehmer werden diesen Advokaten nebst seiner Debilitäts-Corona in die Hölle wünschen.

  • Schäuble ist der naivste Finanzminister aller Zeiten. Jetzt glaubt er doch tatsächlich, dass eine ordentliche Lohnerhöhung und eine dadurch erhöhte Inflation in Deutschland den Abstand zu den Pleiteländern verringert. Was uns noch fehlt ist ein ordentlicher Stückkostenanstieg, damit die Zinsen in Deutschland wieder an die 5% herangeführt werden. Was Schäuble da bei seinen Krediten spart ist sagenhaft, er spart sich nämlich die Tiefstzinsen. Dass die Exporte nach Amerika und Asien ordentlich sinken ist auch ein Vorteil weil genauso die Exporte in die EU sinken. Das ist richtig klasse, weil der Beschäftigungsabbau droht und wir in einer Rezession landen. Dadurch will Schäuble die Arbeitsagenturen bessser auslasten, bei denen es so still geworden war. Und zusammen mit der Debatte über Mindestlöhne, wissen die Unternehmen jetzt wenigstens, dass sie nichts mehr investieren brauchen. Nicht nur wegen der verfahrenen weltwirtschaftlichen Lage. Wir machen `mal wieder auf Binnenkonjunktur abwürgen. Schäuble roll on und sage der Bevölkerung, dass die Kosten der Arbeitslosigkeit der Mittelschicht um die Ohren fliegt. Es gibt eine ganz einfache Regel: 1% Lohnerhöhung über dem Produktivitätsfortschritt kostet ein Prozent Beschäftigung. Zusammen mit der Debatte über den Mindestlohn schmieden Schäuble und Von der Leyen den Beschäftigungsabbau. Man muss sich eben entscheiden: Entweder legt man moderate Mindestlöhne fest und lässt die Lohnerhöhungen knapp ausfallenm, oder man verzichtet auf den Mindestlohn und gibt es den Beschäftigten. Zweimal verteilen kann man nicht. Schäuble weiß gar nicht, dass ein erwirtschafteter Lohneuro nur einmal ausgegeben werden kann. Seine Milchmädchenrechnung zur Angleichung an die Pleiteländer würgt das Wachstum ab. Nächstes Jahr haben wir Nullwachstum Wetten dass ??

  • Logisch will Schäuble ein Lohnplus, er braucht Geld für den Rettungsschirm

  • Diese Art von Wahlkampf für Unionsparteien verbitten wir uns. Das Verschleudern von anderer Leute Geld sehen wir jeden Tag in der Politik und der öffentliche Dienst hat auch in diesem Bereich von der Union (Herrn Friedrich) protitliert. Der öffentliche Dienst kennt keine Konkurrenz, die öffentlich Politik schon.

  • “Mit jedem Prozent Lohnzuwachs macht der Staat einen enormen Reibach.” So einfach ist es nicht. Der Schuss geht nach hinten los, wenn die Beschaeftigung sinkt. Dann gibt es naemlich Verluste in fast allen Steuerkategorien.

    Viel wichtiger scheint mir aber die Beobachtung, dass immer mehr CDU Politiker zeigen, dass sie unsere marktwirtschftliche Ordnung nie verstanden haben. Loehne werden von Tarifpartnern ausgehandelt und der Staat muss sich neutral verhalten. Parteien – insbesondere linke Parteien – tun sich naturgemaess mit der Tarifneutralitet schwer. Fuer einen Bundesminister ist diese Aussage eigentlich eine unverzeihliche Entgleisung. Aber nur eine unter vielen. Merkels Kanzlerschaft ist die schlechteteste in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Aufraeumarbeiten werden Jahrzehnte dauern!

  • Ordentliche Gehaltserhöhungen bei den Normalverdienern würden dazu führen, dass die Deutschen ihre Produkte wieder vermehrt selber kaufen. Die Früchte unserer Arbeit blieben uns erhalten.

    Wird dagegen die Staatsverschuldung des Euro-Auslandes weiter subventioniert bzw. umverteilt - nur damit deren Bürger mehr bei uns einkaufen, als sie sich eigentlich leisten können - verwandelt sich unsere Altersvorsorge bald in einen Haufen wertloser Papierschnitzel aus inflationierten Euronoten und Schuldscheinen bankrotter PIIGS.

  • Klar ist Schäuble für Lohnplus. Steigert die Steuereinnahmen und treibt die Inflation.
    Unterm Strich, macht der Arbeitnehmer immer minus!

  • Mit jedem Prozent Lohnzuwachs macht der Staat einen enormen Reibach.

    So schön kann Demokratie sein mit einem Steuersystem das immer nur die kleinen Leute zur Kasse bittet, die viel arbeiten müssen um sich über Wasser zu halten !

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