Tarifstreit
Verdi droht mit neuen Kita-Streiks

Vier Wochen haben Kita-Beschäftigte bundesweit für mehr Geld gestreikt. Der Schlichterspruch stößt auf massive Ablehnung. Verdi-Chef Bsirske fordert von den Arbeitgebern "substanzielle Verbesserungen".
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FuldaIm Kita-Tarifkonflikt stellt die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi neue Streiks in Aussicht: Nachdem die Verdi-Mitglieder einen Schlichterspruch mit großer Mehrheit abgelehnt hatten, erklärte Verdi-Chef Frank Bsirske am Samstag in Fulda: "Das ist ein klarer Handlungsauftrag, den Streik fortzusetzen." Wenn die Arbeitgeber bei den Tarifverhandlungen am kommenden Donnerstag nicht zu "substanziellen Verbesserungen" bereit seien, werde wieder gestreikt - auch mit "unkonventionellen Streikformen".

Eine Schlichtungskommission hatte Ende Juni einen Vorschlag im Tarifstreit des kommunalen Sozial- und Erziehungsdienstes vorgelegt, der unterschiedliche Lohnsteigerungen für verschiedene Beschäftigungsgruppen vorsieht. In den Reihen der Gewerkschaften Verdi sowie Erziehung und Wissenschaft (GEW) wurde der Vorschlag sehr kritisch gesehen, deshalb wurden Mitgliederbefragungen eingeleitet.

Das am Samstag veröffentlichte Ergebnis war eindeutig: 69,13 Prozent der Verdi-Mitglieder lehnten den Schlichterspruch ab. Auch die GEW-Mitglieder sprachen sich zu 68,8 Prozent dagegen aus. "In der Einigungsempfehlung spiegelt sich die Aufwertung des gesamten Sozial- und Erziehungsdienst-Berufsfeldes nicht so wider, wie sie das nach vier Wochen Streik erwartet haben", erklärte Andreas Gehrke, für Tarifpolitik verantwortliches GEW-Vorstandsmitglied.

"Das ist ein klares Signal an die eigene Gewerkschaft, aber auch an die Arbeitgeber, die gut beraten sind, dieses Signal der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst ernst zu nehmen", sagte Bsirske nach den Beratungen einer Verdi-Streikdelegiertenkonferenz in Fulda. Die Beschäftigten erwarteten eine echte Aufwertung ihrer Tätigkeiten. "Dies ist mit dem Schlichterspruch aus Sicht der Verdi-Mitglieder nicht eingelöst worden", fügte Bsirske hinzu.

Über das weitere Vorgehen wollen nun die GEW-Tarifkommission am Montag und die Verdi-Bundestarifkommission am Dienstag entscheiden. Bsirske gab die Marschroute aber bereits vor - und stellte den Arbeitgebern im Hinblick auf die für Donnerstag geplanten Tarifverhandlungen ein Ultimatum: Wenn die Arbeitgeber dann nicht zu "substanziellen Verbesserungen" bereit seien, dann werde der Streik fortgesetzt, drohte der Verdi-Chef. "Wann und wie, werden wir jetzt miteinander bereden. Dabei werden wir auch zu unkonventionellen Streikformen greifen."

Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) kritisierte die Ablehnung des Schlichterspruchs durch die Gewerkschaften. "Sowohl die Arbeitgeber- als auch die Gewerkschaftsvertreter in der Schlichtungskommission haben der Einigungsempfehlung der beiden Schlichter zugestimmt", sagte VKA-Präsident Thomas Böhle. Die Arbeitgeber hätten kein Verständnis dafür, wenn dieser "austarierte Kompromiss" nun abgelehnt werde.

"Weitere Veränderungen gegenüber dem Schlichterspruch kann es nicht geben", fügte er hinzu. "Auch für weitere Streiks gibt es keinerlei Verständnis, Eltern und Kinder haben bereits in den vergangenen Monaten massiv unter dem Arbeitskampf gelitten."

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) kritisierte die Haltung der Gewerkschaften ebenfalls. Der Schlichterspruch gehe bei vielen Städten und Gemeinden bereits an die "Schmerzgrenze", erklärte der DStGB. "Bei allem Verständnis für die wichtigen Aufgaben und Funktionen, die in den Kitas geleistet werden, muss auch eine Überforderung der Kommunen vermieden werden."

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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