Tarifverhandlungen
Ärzte fordern zehn Prozent mehr Gehalt

In der Tarifrunde für 55 000 Ärzte an kommunalen Krankenhäusern fordert die Gewerkschaft Marburger Bund Gehaltssteigerungen um rund zehn Prozent. So soll verhindert werden, dass noch mehr deutsche Ärzte ins Ausland abwandern.

HB BERLIN. Die Kleine Tarifkommission der Gewerkschaft verlangte am Dienstag in Berlin ferner die umgehende Angleichung der Ost- an die Westgehälter. Die Einkommen der Krankenhausärzte in den neuen Ländern liegen derzeit bei 97 Prozent des West-Niveaus.

Der MB-Vorsitzende Rudolf Henke nannte die Forderung „maßvoll und zurückhaltend“, gerade mit Blick auf die Abwanderung deutscher Ärzte ins Ausland. Angesichts sprudelnder Steuereinnahmen sei sie für die öffentlichen Arbeitgeber auch verkraftbar. Die Forderung ist nach 13 verschiedenen Gruppen aufgeschlüsselt und beläuft sich im Durchschnitt auf 10,19 Prozent. Henke sagte, nur über deutliche höhere Gehälter könne dem Ärztemangel in den Kliniken entgegengewirkt und die Attraktivität des Arztberufes gesteigert werden.

Nach Gewerkschaftsangaben werden zum Jahresende in Deutschland mehr als 14 000 Medizinerstellen unbesetzt sein. Inzwischen seien knapp 16 000 Ärzte ins Ausland abgewandert, weil dort die Verdienste um bis zu 70 Prozent über dem deutschen Niveau lägen. Jede nicht besetzte Arztstelle schlage sich in den Krankenhäusern in hohen Einnahmeverlusten nieder.

Von den Arbeitgebern erwarte er „Verständnis“ für die Forderung, sagte Henke. Er setze auf eine Einigung am Verhandlungstisch. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) hatte zuvor erklärt, es gebe keinerlei Spielraum für lineare Erhöhungen. Damit zeichnet sich ein neuer Tarifkonflikt an den rund 700 Stadt- und Kreiskrankenhäusern in Deutschland ab.

Der MB-Chef zeigte sich konfliktbereit: „Dass wir kämpfen können, haben wir gezeigt“, sagte Henke unter Anspielung auf die Ärztestreiks im Jahr 2006. Damals hatte der MB nach wochenlangen Streiks einen eigenen Tarifvertrag für Mediziner an kommunalen Kliniken durchgesetzt und war damit aus dem Tarifverbund im Öffentlichen Dienst ausgeschert. An diesem Mittwoch wollen die Gewerkschaft Verdi und die Tarifunion des Beamtenbundes ihre Forderungen zur Tarifrunde 2008 für die Beschäftigten bei Bund und Kommunen bekanntgeben.

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