Tarifverhandlungen
Arbeitgeber fordern moderate Löhne und mehr „Netto“

Der BDA-Präsident Dieter Hundt kritisiert „abstruse Lohnforderungen“ und sozialpolitische Irrwege - Deutschland stünde "am Scheideweg". Der Gewerkschaftsbund pocht derweil weiter auf hohe Tarifabschlüsse und fordert höhere Steuern für Reiche.

BERLIN. Angesichts wachsender Konjunkturrisiken hat Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt davor gewarnt, den laufenden Beschäftigungsaufschwung durch überhöhte Tarifabschlüsse zu gefährden. „Streiks, Streikdrohungen und abstruse Lohnforderungen helfen in dieser Situation niemandem“, warnte er. Schließlich zahle sich die moderate Lohnpolitik der vergangenen Jahre jetzt gerade aus. „Was wir brauchen, sind Verlässlichkeit und Vertrauen, damit Investoren weitere Arbeitsplätze schaffen.“

Neben den Tarifparteien sieht Hundt dabei aber auch die Regierung gefordert. Statt mit Mindestlöhnen und teuren Beschäftigungsprogrammen auf „Irrwege“ einzuschwenken, müsse sie erfolgreiche Reformansätze fortführen, mahnte er. Dazu zähle auch, die Abgaben- und Steuerlast nach Möglichkeit zu senken, um das „Netto“ der Arbeitnehmer zu erhöhen. Insofern stehe Deutschland „am Scheideweg.“

Eine völlig andere Marschroute verfolgt indes der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Vor allem sollten die Beschäftigten „durch kräftige Lohnsteigerungen mehr Geld in die Taschen bekommen und die hohen Einkommen stärker besteuert werden“, forderte Vorstandsmitglied Claus Matecki. Die öffentlichen Haushalte benötigten wegen der Konjunkturrisiken mehr Spielräume für Bildungs-, Infrastruktur- und Sozialausgaben.

Die Kontroverse über die Lohn- und Ausgabenpolitik spielt vor dem Hintergrund einer Zuspitzung der Tarifrunde 2008. In der Stahlindustrie hat die IG Metall ihre Lohnforderung von acht Prozent soeben mit einer neuen Warnstreikwelle untermauert. Nachdem es bereits kürzlich zu Arbeitsniederlegungen bei der Salzgitter AG gekommen war, traten gestern 200 Beschäftigte des Edelstahlherstellers Thyssen-Krupp Nirosta befristet in den Ausstand. Für heute kündigte die IG Metall eine deutliche Ausweitung ihrer Aktionen an. Die nächste Verhandlungsrunde für die 85 000 Beschäftigten ist für nächsten Dienstag angesetzt.

Die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) will heute ihre Tarifforderung für die 550 000 Beschäftigten der chemischen Industrie endgültig festzurren. IG-BCE-Chef Hubertus Schmoldt hat es bereits abgelehnt, die im Dezember erstmals skizzierte Zielmarke von bis zu sieben Prozent mehr Lohn wegen der jüngsten Finanzmarkt-Turbulenzen abzuschwächen. Die Verhandlungen in der Branche starten Ende Februar.

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