Tarifverhandlungen
Arbeitgeber mauern bei Lohnerhöhungen

Deutschland ist 2010 so stark gewachsen wie seit 1990 nicht mehr - doch die Arbeitgeberverbände wollen die Löhne nur leicht erhöhen. Besonders hart trifft es Leiharbeiter.
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BerlinTrotz der im Boomjahr 2010 nur leicht gestiegenen Löhne verweigern die Arbeitgeber einen kräftigen Nachschlag. "Wir müssen auf dem Teppich bleiben", sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt am Freitag in Berlin. "Die Forderungen der Gewerkschaften für die anstehenden Tarifverhandlungen kommen aus dem Wolkenkuckucksheim und sind vollkommen illusionär."

Die Gewerkschaften verlangen nach Angaben des ihnen nahestehenden WSI-Instituts bei den kommenden Lohnrunden zwischen fünf und sieben Prozent mehr. Ungeachtet des stärksten Wirtschaftswachstums seit der Wiedervereinigung waren die tariflichen Monatsverdienste 2010 im Schnitt nur um 1,6 Prozent gestiegen. In Krisenjahr 2009 war das Plus mit 2,8 Prozent deutlich größer ausgefallen.

Viele Lohnerhöhungen wurden mitten in der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit ausgehandelt, bei der die Beschäftigungssicherung im Vordergrund stand und für die moderate Tarifabschlüsse in Kauf genommen wurden. Der größte Teil der Lohnerhöhung wurde dem Statistischen Bundesamt zufolge von der Inflation aufgezehrt.

Die Arbeitgeber verteidigen ihren Aufruf zu Lohnzurückhaltung: "Wir sind nach wie vor mitten in einem Aufholprozess", sagte Hundt. Die Tariflöhne sollten sich am Produktivitätswachstum orientieren und die unterschiedliche Ausgangslage in den Branchen und Unternehmen berücksichtigen. Die Bundesregierung und die meisten Institute sagen ein Wachstum von deutlich mehr als zwei Prozent voraus - nach 3,6 Prozent 2010.

Die Gewerkschaften verlangen auch eine Kompensation für die Zurückhaltung im vergangenen Jahrzehnt: Von 2000 bis 2010 stiegen die Bruttoverdienste im Schnitt um 21,8 Prozent und damit so wenig wie in keinem anderen EU-Land. Im EU-Schnitt gab es einen Zuwachs von 35,5 Prozent. Mit Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Unions-Fraktionschef Volker Kauder haben sich auch führende Politiker für kräftige Lohnerhöhungen ausgesprochen.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat sich zudem gegen ein Gesetz zur Lohn-Gleichstellung von Zeitarbeitern mit den Stammbelegschaften und für tarifliche Vereinbarungen ausgesprochen. Es gebe bereits Tarifverträge, die sich an den Grundsatz von "gleichem Lohn für gleiche Arbeit" anlehnten.

"Wer die geltende equal-pay-Regelung gesetzlich ausweiten will, indem er tarifliche Abweichungsmöglichkeiten einschränkt und bestehende Tarifverträge außer Kraft setzt, gefährdet den wichtigen Jobmotor Zeitarbeit", sagte Hundt am Freitag in Berlin. Die boomende Zeitarbeit zählt derzeit etwa eine Million Beschäftigte.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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