Tarifverhandlungen
Die Zwei geht, die Drei nicht

Auch wenn die Rhetorik schrill bleibt und ohne einen Streik scheinbar kein Abschluss in der Metall- und Elektroindustrie zu erzielen ist: Langsam schält sich heraus, bei welcher Prozentzahl der Lohnzuwachs durch einen neuen Tarifabschluss liegen dürfte.

HB BERLIN. Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, schloss in der „Berliner Zeitung“ nachdrücklich aus, dass die Unternehmen einen Abschluss mit einem Plus von drei Prozent oder mehr akzeptieren würden. „Dafür gibt es keine Zustimmung in den Unternehmen.“ Vor wenigen Tagen hatte der nordrhein-westfälische Arbeitgeber-Verhandlungsführer erklärt: „Es wird sicherlich darauf hinauslaufen, dass am Ende ein Ergebnis oberhalb der Zahl zwei steht“. Kannesgiesser warnte die IG Metall eindringlich davor, „den Bogen zu überspannen“. Wenn es nicht gelingen sollte, ein System aus fixer und variabler, betrieblich bedingter Lohnerhöhung in einem angemessenen Rahmen zu schaffen, bekomme das System der Lohnfindung „weitere Risse“.

Kannegiesser appellierte zudem an die IG Metall, auf einen Streik zu verzichten. „Streiks fügen im Endeffekt allen Beteiligten mehr Schaden zu im Vergleich zum vermeintlichen Gewinn“, sagte er. Ein Arbeitskampf müsste das letzte Mittel bleiben und wäre “völlig überzogen“, wenn es beispielsweise um einen halben Prozentpunkt mehr oder weniger Lohn gehe. Kannegiesser forderte die IG Metall auf, Alternativen zum Streik zu finden. „Wir haben schon vor Jahren vorgeschlagen, den Arbeitskampf durch ein System von Schlichtungen zu ersetzen, wobei der Arbeitskampf als Mittel erhalten bleiben soll“, sagte er.

Gewerkschaftsboss setzt Ultimatum

Der Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Peters, drohte für den Fall mit Streik, dass im Tarifkonflikt in der Metallindustrie bis Dienstag keine Lösung gefunden wird. „Wenn bis dahin kein Lösungsweg sichtbar ist, sind wir gezwungen zu sagen, wir erklären das Scheitern der Verhandlungen. Dann geht es um die Frage, wo wir mit einem Arbeitskampf am besten ein Ergebnis erzielen können“, sagte Peters „Welt“.

Der Gewerkschaftschef signalisierte aber zugleich Verhandlungsbereitschaft: „Wenn sich die Arbeitgeber ernsthaft um eine Lösung bemühen, wird man die Uhr auch anhalten können.“ Ein Streik sei das allerletzte Mittel. Das Angebot der Arbeitgeber, die Lohntabellen nur in Höhe des Produktivitätsfortschritts zu erhöhen, lehnte Peters jedoch ab: „Unsere Forderung lautet 5 Prozent mehr Entgelt in der Lohntabelle. Wir haben keine Forderung, die sich in irgendeiner Form in verschiedene Komponenten aufteilt.“ Peters zeigte sich aber offen dafür, über pauschale Einmalzahlungen zu verhandeln, um konjunkturelle Schwankungen auszugleichen. Sie könnten „Element eines Kompromisses“ sein.

Am Mittwoch hatte die IG Metall in Bayern die Tarifgespräche für gescheitert erklärt. In Nordrhein-Westfalen, wo möglicherweise ein für die Branche richtungsweisender Abschluss erzielt werden könnte, soll am Freitag ein letzter Einigungsversuch unternommen werden. In NRW war die Gewerkschaft bereits von der Fünf-Prozent-Forderung abgerückt, ohne ein neues Ziel zu nennen. Die Unternehmer hatten in der von bundesweiten Warnstreiks begleiteten Tarifrunde bislang zwei Erhöhungen um jeweils 1,2 Prozent bei einer Laufzeit von 24 Monaten angeboten. Zusätzlich haben sie Einmalzahlungen von 0,6 Prozent in diesem und 0,4 Prozent im nächsten Jahr in Aussicht gestellt, die aber an die Leistungsfähigkeit der Firmen gekoppelt sein sollen.

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