Tarifverhandlungen im Osten gescheitert
IG Metall räumt Niederlage ein

Die IG Metall hat nach den gescheiterten Verhandlungen über die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland eine Niederlage eingeräumt und will nun die Streiks beenden. Wie IG- Metall-Chef Klaus Zwickel am Samstag in Berlin mitteilte, sollen die seit vier Wochen anhaltenden Streiks am kommenden Montag beendet werden. Eine entsprechende Empfehlung werde er der Gewerkschaftspitze unterbreiten.

HB/dpa BERLIN. Zwickel und der Verhandlungsführer der Gewerkschaft Hasso Düvel sprachen von einer Niederlage. Es gebe jetzt keine Steigerungsmöglichkeit mehr, weshalb der Streik beendet werde. Das Ziel des Arbeitskampfes sei nicht erreicht worden. Dafür übernehme er die Verantwortung, sagte Düvel, ohne nähere Angaben zu machen. „Die bittere Wahrheit ist, der Streik ist gescheitert“, sagte Zwickel.

Die IG Metall wolle entsprechende Schlussfolgerungen ziehen und strebe nun auf betrieblicher Ebene Vereinbarungen über die schrittweise Einführung der 35-Stunden-Woche in der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie an. Dies werde ein beschwerlicher Weg, den die Gewerkschaft so aber nicht gewollt habe. Bisher gibt es mit neun Betrieben Haustarifverträge über die 35-Stunden-Woche. Diese sehen zumeist vor, die Arbeitszeit wie in der ostdeutschen Stahlindustrie bis 2009 um drei Stunden auf 35 Wochenstunden zu reduzieren.

Die Verhandlungen waren am Samstagmorgen trotz mehrfacher Lösungsversuche der Spitzen beider Tarifparteien gescheitert. Zwickel machte dafür die „uneinsichtige und unnachgiebige“ Haltung der Arbeitgeber verantwortlich, die von der IG-Metall-Spitze und der Führung des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall in mehreren Spitzenrunden entwickelten Lösungswege hätten „schlagartig zu interessanten und modernen tariflichen Rahmenbedingungen geführt“. Der Flächentarifvertrag, der nun noch mehr beschädigt sei, wäre differenziert worden.

Die Arbeitgeber seien jedoch mit jeder Gesprächsrunde hinter ihre vorangegangenen Positionen zurückgegangen. Von den Lösungsansätzen der Spitzenrunden sei am Ende nichts mehr übrig geblieben. Zwickel dankte ausdrücklich Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser. „Ich danke Herrn Kannegiesser für die konstruktiven Versuche, das Problem gemeinsam zu lösen“, sagte Zwickel.

Nach der Streikniederlage müssen nach den Worten Zwickels auch innerhalb der Gewerkschaft entsprechende Schlussfolgerungen für künftige Auseinandersetzungen gezogen werden. Dies betreffe die Einschätzung der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen. „Wir werden nicht zur Tagesordnung übergehen“, sagte Zwickel.

Die IG Metall will nun ausloten, in welchem Unternehmen eine Chance für Haustarifverträge möglich ist. Erst nach dieser Neubewertung könne über Einzelmaßnahmen in Betrieben gesprochen werden. IG-Metall-Vize Jürgen Peters erklärte, ob weitere Einzellösungen gelingen, hänge von der jeweiligen Betriebssituation ab. „Das Thema kollektive Arbeitszeitverkürzung wird aber irgendwann wieder auf die Tagesordnung kommen.“

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