Tarifverhandlungen
Klinikärzte sind bescheidener geworden

Der Knackpunkt bei den am Wochenende unterbrochenen Verhandlungen über die Tarife der Ärzte an Universitätskliniken ist die eigentliche Tariferhöhung. Der Medizinerverband Marburger Bund hat seine Forderung nun drastisch reduziert. Andere Punkte sind jedoch noch völlig offen.

HB BERLIN. Wie das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen erfuhr, hat sich der Ärztebund von seiner Anfangsforderung nach 15 Prozent nun auf zwei Sprünge in der Größenordnung von vier und drei Prozent herunterhandeln lassen. Völlig offen sei noch die Laufzeit. Als ausgemachte Sache galt zuletzt immerhin, dass die Länder frühere Kürzungen, etwa beim Weihnachtsgeld, wieder rückgängig machen. Weitgehend einig sei man auch über eine flächendeckende strukturelle Erfassung - und damit auch Bezahlung - der Arbeitszeit der Ärzte. Solange jedoch die Tariferhöhung nicht klar sei, sei nicht auszuschließen, dass auch dies wieder aufgerollt würde, sagte ein Teilnehmer dem Handelsblatt.

Die Ausfälle durch die Streiks und die absehbaren Kosten eines Abschlusses verschärfen die ohnehin schwierige Lage der Kliniken. „Die wirtschaftliche Substanz wird erschüttert“, sagte der Vorsitzende des Verbandes der Universitätsklinika, Rüdiger Strehl, dem Handelsblatt. So bezifferte etwa der Chef des Bonner Universitätsklinikums, Michael Lenze, die Verluste seiner Klinik auf acht bis zehn Millionen Euro.

Hart traf es auch die Düsseldorfer Uniklinik. „12 Wochen Ausstand von 300 bis 600 Pflegekräften und der siebenwöchige Ärztestreik bedeuteten für uns 40 bis 50 Prozent weniger Operationen und 30 Prozent weniger Patienten. Das steckt man nicht so einfach weg, zumal wir auch vorher nicht auf Rosen gebettet waren.“ sagte Sprecherin Susanne Dopheide dem Handelsblatt. Die finanziellen Engpässe seien zunächst mit Kassenkrediten überbrückt worden. Der ärztliche Leiter des Klinikums kündigte den Abbau von 200 Stellen bis Jahresende an.

Auch der Sprecher des Klinikums Essen schloss gegenüber dem Handelsblatt Stellenabbau und die Ausgliederung von Dienstleistungen von der Pflege bis zum Krankentransport nicht aus.

Für die Direktoren der Kliniken sei der Arbeitskampf schon bisher eine fast traumatische Erfahrung gewesen, berichtete Dopheide. „Sie müssen genau so wie die Patienten die Folgen des Streiks erdulden, ohne Einfluss auf die Verhandlungen zu haben.“ Der Marburger Bund und die Tarifgemeinschaft der Länder hätten die Kliniken in eine Art „Geiselhaft“ genommen.

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