Tarifverhandlungen: Länder und Gewerkschaften vertagen sich wegen der Lehrer

Tarifverhandlungen
Länder und Gewerkschaften vertagen sich wegen der Lehrer

Die Länder-Tarifverhandlungen sind in der Nacht zum Samstag unterbrochen worden. Am Freitagabend hatte es noch Hoffnung auf eine baldige Einigung gegeben. Doch besonders die Bezahlung der Lehrer blieb strittig.
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PotsdamDie Tarifverhandlungen für die rund 800.000 Angestellten der Länder sind am Freitag gegen Mitternacht ohne abschließendes Ergebnis unterbrochen worden. Die Tarifkommissionen der Gewerkschaften wie der Arbeitgeber wollen am Samstagvormittag zunächst zu getrennten Sitzungen zusammenkommen, um das weitere Vorgehen zu beraten.

Von einem Scheitern wollte keiner sprechen. „Es wurde unterbrochen, nicht abgebrochen“, hieß es von den Arbeitgebern. Von Gewerkschaftsseite wurde betont, die Gespräche mit den Arbeitgebern würden fortgesetzt.

Dem Vernehmen nach wollten Verdi-Chef Frank Bsirske und der Verhandlungsführer der Länder, der Finanzminister von Sachsen-Anhalt, Jens Bullerjahn (SPD), noch in der Nacht zu einem Vier-Augen-Gespräch zusammenkommen, um die Chancen für einen Kompromiss auszuloten.

Nach anfänglicher Annäherung waren die Verhandlungen am Freitagabend ins Stocken geraten. Strittig ist nach wie vor der Einstieg in eine bundeseinheitliche Regelung zur Gehaltseinstufung der rund 200.000 angestellten Lehrer. Gewerkschaften und Arbeitgeber hatten bereits bei ihrer jüngsten Tarifrunde 2011 darüber gestritten. Anschließende Verhandlungen waren ohne Ergebnis geblieben. Bei den angestellten Lehrern gibt es von Bundesland zu Bundesland große Gehaltsunterschiede.

Außerdem warnen einige Länder vor einer zu deutlichen Gehaltserhöhung. Die Gewerkschaften wollen ein Gehaltsplus von 6,5 Prozent erreichen. Bullerjahn hatte zuletzt bereits angedeutet, er könne sich ein Stufenmodell mit einer längeren Laufzeit von etwa zwei Jahren vorstellen.

Da ein Tarifabschluss in der Regel auf Beamte und Pensionäre übertragen wird, betrifft die Tarifrunde etwa drei Millionen Beschäftigte und Ruheständler. Die Gespräche finden vor dem Hintergrund steigender Steuereinnahmen, aber dennoch klammer Kassen in den Ländern statt. Jeder Prozentpunkt Tariferhöhung kostet die Länder etwa eine Milliarde Euro.

Die Verhandlungen waren am Donnerstag in die dritte Runde gegangen. Um Druck auf die Arbeitgeber auszuüben, hatten die Gewerkschafter in den vergangenen Wochen überall in Deutschland zu Warnstreiks aufgerufen. Daran nahmen über drei Wochen insgesamt mehr als 150 000 Landesbeschäftigte teil - ein Großteil davon angestellte Lehrer.

Ohne Einigung in dieser entscheidenden dritten Tarifrunde am Wochenende in Potsdam würden unmittelbar Urabstimmungen und unbefristete Streiks drohen. Zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern - der Tarifgemeinschaft deutscher Länder - gibt es kein Schlichtungsabkommen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wie wär's mal, wenn sie in den Zeitungsarchiven nachschauen!
    Letztes jahr ÖD 6,5% , Stahl Industrie 3% ... Bevor Sie hier sich empören, bitte mal Informieren, statt der ver.di Propaganda hinzugeben!

  • Zu Berlinathen

    Einen größeren Schwachsinn habe ich selten gelesen/gehört.
    Seit Jahren liegen die Tarifabschlüsse im öffentlichen Dienst gegenüber der freien Wirtschaft deutlich zurück.
    Mit welchem Recht?
    Die Beschäftigten können wohl kaum für die Haushaltsprobleme herhalten.
    Freb

  • Das ist doch einfach nur ein schlechtes Theaterstück was uns jährlich vom Staat und Ver.di hier geboten wirt. Alles was dort angeblich verhandelt wird ist doch von vornherein schon längst beschlossen! Wir werden bestimmt nicht vom Souverän regiert, nein wir werden vom Beamtenapparat regiert! Wenn man jedes Jahr die Gehälter im ÖD um 6,5% erhöht, in der Freien Wirtschaft aber nur um 2,5% dann ist doch der tag des Bankrottes schon nicht weit! Nun ja Politiker und insbesondere Die Tugendlehrer an unseren Schulen können nun mal keine Prozentrechnung!

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