Tarifverhandlungen
Politik gibt Gewerkschaften Rückendeckung

Die Gewerkschaften fordern angesichts der Wirtschaftsentwicklung ein deutliches Lohnplus - und bekommen dabei Rückendeckung auch von konservativen Politikern. Arbeitgeber warnen vor Übermut.
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BerlinDie Gewerkschaften bekommen im Ringen um Lohnerhöhungen Rückendeckung aus der Bundesregegierung und den Ländern. "Es ist in Ordnung, wenn bei uns die Löhne aktuell stärker steigen als in allen anderen EU-Ländern", sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Wochenende. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht betonte: "Fest steht, wir brauchen gute Löhne für gute Arbeit." Es sei unbestritten, dass die Voraussetzungen für mehr in der Lohntüte gegeben seien, sagte die CDU-Politikerin dem MDR. In Deutschland kämpft derzeit die IG Metall mit Warnstreiks für Lohnerhöhungen von 6,5 Prozent. Verdi fordert für die Bankbeschäftigten ebenso sechs Prozent wie die Chemiegewerkschaft IG BCE für ihre Branche.

Schäuble ergänzte im Magazin "Focus" mit Blick auf Vorwürfe aus EU-Staaten, Lohnsteigerungen trügen auch zum Abbau von Ungleichgewichten innerhalb Europas bei. Deutschland war wiederholt kritisiert worden, es habe seine starke Wettbewerbsposition durch übertriebene Zurückhaltung bei den Löhnen erreicht. Dies habe wiederum dazu geführt, dass die Kaufkraft gering sei und daher auch weniger von ihnen nach Deutschland exportiert werden könne. Der CDU-Politiker warnte allerdings auch vor Übertreibungen bei den Lohnsteigerungen: "Das rechte Maß müssen wir wahren."

IG Metall: Unsere Streikkasse ist gut gefüllt

Die IG Metall drohte den Arbeitgebern nach den Warnstreiks der vergangenen Woche mit einem harten und langen Arbeitskampf. Wenn bis Pfingsten bei den Arbeitgebern keine Einsicht einkehre, führe kein Weg am Streik vorbei. "So eine Tarifrunde ist nun mal kein Wunschkonzert", sagte Gewerkschaftschef Berthold Huber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Streikkasse für einen Arbeitskampf auf breiter Front sei gefüllt. "Die Metall- und Elektroindustrie ist eine Hochleistungsökonomie. Das muss sich in den Löhnen niederschlagen." Die Arbeitgeber haben bislang drei Prozent für 14 Monate vorgeschlagen. Huber nannte dies einen Witz.

Der Chef des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, hielt dagegen: "Gerade in dieser Tarifrunde - der ersten, in der wir gerade wieder den Kopf über Wasser haben - sind Warnstreiks unangebracht und nicht zu rechtfertigen." Man erwarte von der Gewerkschaft Signale, wie man den Tarifkonflikt lösen könne. "Sie kann sich jetzt nicht wie ein römischer Kaiser gebärden, der nur den Daumen hebt oder senkt, während wir uns in der Arena abquälen."

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • So was nennt sich jetzt von Seiten der Regierung "Tarifautonomie". Die CDU als Wirtschaftspartei geht jetzt so weit, die deutsche Wettbewerbsfähigkeit zu untergraben, um das "politische Projekt" Euro voranzubringen.
    Wer heute noch die CDU wählt, dem ist nicht zu helfen. Wer die SPD wählt, oder sogar grün, lebt im Wolkenkuckucksheim. Die FDP spielt keine Rolle mehr.
    Ich wähle die Piraten! Um dieses ganze ekelhafte Politkartell endlich aufzuweichen.

  • Die Vorstände sollten bei Ihren Enkommenssteigerungen auch daran denken das nicht allein Ihre Entscheidungen den Erfolg des Unternehmens ausmachen - denken wir doch mal an die "Farm der Tiere" - und auch die Leistungsträger an dem Erfolg teihaben lassen! Dies alles kann auch ohne Gewerkschaft funktionieren und man könnte sich und den Arbeitnehmern viel Geld und Ärger sparen. So wie das jetzt läuft sieht es eher danach aus als würden Gewerkschaft und Arbeitgeberverband gemeinsame Sache machen und den Dummen Arbeitnehmern das Geld aus der Tasche ziehen. Warum zahlen diese denn Ihren Beitrag (1%) vom Brutto in Netto (bei einem Einkommen von 3000€ Brutto zahlt man 30€ Netto) jedoch die Tariferhöhungen sind jedesmal so ausgehandelt das über Einmalzahlungen die Prozentzahl des Ergebnisses schöngerechnet werden?

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