Tarifverhandlungen: Wirtschaftsweise fordert höhere Löhne

Tarifverhandlungen
Wirtschaftsweise fordert höhere Löhne

Unmittelbar vor Beginn der ersten Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie hat sich der Wirtschaftsweise Peter Bofinger für eine spürbare Anhebung der Löhne ausgesprochen. Die Tarifrunde für die rund 3,5 Millionen Metaller beginnt an diesem Mittwoch. Im öffentlichen Dienst gehen die Streiks indes weiter.

HB BERLIN. Die Produktivitätsentwicklung sei mit der in den meisten anderen europäischen Ländern vergleichbar, sagte Bofinger der "Berliner Zeitung". "Deshalb sollten bei uns auch die Löhne so stark ansteigen wie dort, und zwar um 2,5 bis 3 Prozent." Eine Lohnsteigerung in dieser Größenordnung hätte den Vorteil, dass die Kaufkraft der Bevölkerung wieder zunehmen würde und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen erhalten bliebe.

Bofinger sagte, die deutsche Volkswirtschaft habe sich in den vergangenen Jahren deutliche Wettbewerbsvorteile erarbeitet, weil die Lohnentwicklung hinter der konkurrierender Länder zurück geblieben sei. "Wenn wir jetzt ein Jahr lang eine genau so starke Lohnerhöhung haben wie die anderen, dann bleibt unsere gute Wettbewerbsfähigkeit erhalten."

Die Tarifrunde für die rund 3,5 Millionen Metaller tritt heute mit ersten Verhandlungen im Tarifgebiet Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland in die heiße Phase. Die IG Metall fordert Lohnzuwächse von 5 Prozent. Die Arbeitgebervereinigung Gesamtmetall hat bereits angedeutet, dass sie allenfalls über Lohnerhöhungen von 1,2 Prozent verhandeln will.

Der Streik im öffentlichen Dienst ist indes in den baden-württembergischen Kommunen fortgesetzt worden. Laut Gewerkschaft Verdi blieben erneut die Müllfahrzeuge in Stuttgart, Mannheim, Ulm, Karlsruhe, Freiburg in ihren Depots. Es waren auch vereinzelt Kliniken und wieder zahlreiche Verwaltungen von dem Arbeitskampf betroffen. Mit ihm wehrt sich Verdi gegen die von den Arbeitgebern geforderte Verlängerung der Arbeitszeit von 38,5 auf 40 Stunden in der Woche. Es ist der größte Ausstand im öffentlichen Dienst seit 14 Jahren. Die Proteste hatten am Montag begonnen.

Der Streik im öffentlichen Dienst gefährdet nach Ansicht des niedersächsischen Wirtschaftsministers Walter Hirche einen Wirtschaftsaufschwung in Deutschland. Zudem schade die Gewerkschaft ver.di mit dem Arbeitskampf den Zukunftsperspektiven von Jugendlichen, sagte der FDP-Politiker der „Neuen Presse“ in Hannover. „Wenn wir heute die Belastungen der öffentlichen Haushalte immer weiter wachsen lassen, dann wird der Aufschwung behindert und damit auch die Zukunftschancen der Jugendlichen. Insofern streikt Verdi auch gegen die junge Generation“, sagte Hirche demnach.

Der Präsident des Deutschen Städtetags, Christian Ude, rief ebenfalls zur Mäßigung auf. „Der Arbeitskampf darf nicht auf dem Rücken der Bürger ausgetragen werden“, sagte der Münchner Oberbürgermeister dem Berliner „Tagesspiegel“. Der SPD-Politiker plädierte für einen „tragbaren Kompromiss“, den er in „regional unterschiedlichen Lösungen“ sieht.

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