Tarifzuschläge
Kostenexplosion bei der Zeitarbeit

Die IG Metall setzt neue Tarifzuschläge durch - und verteuert damit die Löhne für Leiharbeiter erheblich. Für die Betriebe steigen die Kosten bei gleicher Beschäftigung um mehrere Milliarden Euro pro Jahr.
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BerlinDrei Tage nach dem Rekord-Tarifabschluss für die gut 3,6 Millionen Stammbeschäftigten der Metall- und Elektroindustrie kommt ein weiterer starker Kostenschub auf die etwa 6.000 betroffenen Unternehmen zu. Sie werden künftig auch noch deutlich höhere Rechnungen für ihre derzeit rund 240.000 Zeitarbeiter bezahlen müssen.

Denn die IG Metall vereinbarte gestern mit den Arbeitgebern der Zeitarbeitsbranche ein neues System von Lohnzuschlägen für alle Zeitarbeiter, die in Metall- und Elektrobetrieben eingesetzt werden.

Nach Berechnungen des Handelsblatts steigen damit die Kosten der Zeitarbeit für die Metall- und Elektroindustrie um bis zu 1,5 Milliarden Euro pro Jahr, falls die Betriebe nicht Beschäftigung zurückfahren. Die beschlossene Lohnerhöhung von 4,3 Prozent für die Stammbeschäftigten belastet die Unternehmen bereits mit mehr als sechs Milliarden Euro im Jahr.

Beides zusammen steigen die Lohnkosten damit rechnerisch wie bei einer normalen Tariferhöhung von deutlich mehr als fünf Prozent.

Der neue Tarifvertrag sieht vor, dass Zeitarbeitsfirmen ihren Arbeitnehmern ab November einen Branchenzuschlag zahlen müssen, sobald sie diese in einen Metallbetrieb schicken, also etwa zu einem Maschinenbauer oder Autozulieferer. Die neuen Zuschläge stocken den ansonsten für die ganze Zeitarbeitsbranche einheitlichen Tariflohn auf. Sie machen je nach Einsatzdauer im Betrieb bis zu 50 Prozent dieses Grundlohns aus.

Nach sechs Wochen werden 15 Prozent fällig, danach steigt der Zuschlag in vier weiteren Stufen, bis nach neun Monaten 50 Prozent erreicht sind. In der Lohngruppe für ungelernte Hilfskräfte steigt der Zeitarbeiterlohn damit von der Ausgangsbasis bei 8,19 Euro auf bis zu 12,29 Euro je Stunde. In der obersten Gruppe für Zeitarbeiter mit akademischer Bildung hebt der Zuschlag den Lohn von 18,75 auf bis zu 28,13 Euro an.

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  • Ich denke nicht, dass die aktuell "genutzten" Leiharbeiter nur deshalb beschäftigt werden, weil sie so billig sind. Somit werden sie sicher auch nicht einfach abgebaut, wenn sie nun angemessen bezahlt werden müssen - die Arbeitsleistung wird ja offensichtlich benötigt, egal ob vom Leiharbeiter oder vom regulären MA. Ich habe jedenfalls keine große Lust die Aufstockung mit meinen Steuern zu finanzieren um den armen Konzernen die Gewinne/Dividende zu sichern. Vielleicht wird dann aber noch mehr zu (in der Form) illegalen Werkverträgen gegriffen...

  • Sozialismus ist den Banken das Geld in den Rachen schmeißen und dann Zinsen niedrig halten damit sie sich weiter dumm und dämlich verdienen!

  • Wenn den Firmen das zu teuer ist, dann sollen sie die Leiharbeiter fest einstellen. Das gilt besonders für die Läden die das rotgrüne Hartz 1 so ausgenutzt haben, daß dort Leiharbeiter mehr als 10 jahre in der gleichen Abteilung mit der gleichen Tätigkeit betraut wurden. Natürlich für sehr viel weniger Geld als wenn man diese fest angestellt hätte. Der Spaß ist ja nun vorbei.

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