Tatort-Kritik auf Twitter
„Pickelhaube statt Birkenstock“

Sie sind Fans des sonntäglichen Tatort - sehen aber immer wieder auch Fehlverhalten der Polizei. Deshalb weisen einige Grünenpolitiker bei Twitter auf Bürgerrechtsverletzungen hin. Das stößt nicht nur auf Verständnis.
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DüsseldorfDer Tatort ist eine Institution im deutschen Fernsehen und wird jede Woche auch bei Twitter heiß diskutiert. Wer ist der Mörder? Was taugt die Geschichte? Wer schauspielert gut oder schlecht? Seit Sonntag hat sich eine neue Diskussion dazugesellt: Grüne Politiker sammeln unter dem Account @TatortWatch „BürgerInnenrechtsverletzungen“, die Kommissare oder Polizisten in dem Krimistreifen verüben. „Darf der Tatort das?“, fragen sie. Und ja, das meinen sie ernst.

Die Idee dazu hatte Sebastian Brux, Bürochef des Grünen-Parlamentariers Volker Beck. Knapp fünf grüne Juristen aus Deutschland und Österreich sollen künftig den Tatort kritisch begleiten.

„Es gibt keinen Tatort ohne Bürgerrechtsverletzung“, sagt Brux zu Handelsblatt Online. Etwa wenn Ermittler ohne Rechtsgrundlage in Wohnungen marschierten, dürfe man das kritisieren, meint Brux. Selbstverständlich sei der Tatort bloß ein verdichteter Film und man wolle auch keine Änderungen vom Tatort verlangen, aber „wenn die Autoren demnächst einen Anwalt bei der Vernehmung ins Drehbuch schreiben, freuen wir uns“, sagt Brux.

Sonntag twitterte die Berliner Juristin Paula Riester für Tatortwatch - und ärgerte sich etwa über etwas forsches Vorgehen des Sondereinsatzkommandos:

Der Twitter-Aktion der Grünen stößt bei Vertretern der anderen Parteien auf Unverständnis. Christian Soeder, Vorstandsmitglied der SPD Rhein-Neckar, beklagt sich über „grünes Nannytum“. Der Generalsekretär der CDU, Hermann Gröhe sieht ein „grünes Bevormundungsprojekt“.

Und der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Tauber twitterte gar:

Sebastian Brux findet das „albern“. Tauber habe kein Interesse an einer kritischen Diskussion über das Bürgerrecht: „Denn er gehört einer Partei an, die stets an der Einschränkung von Grundrechten arbeitet.“

Die Diskussion auf Twitter mache das sonst sperrige Thema Bürgerrechte lebensnah, sagt Brux. Wenn sonst über die Lippen der Leipziger Kommissarin oder den Ausschnitt der Frankfurter Ermittlerin getwittert werde, dürfe eine politische Diskussion auch mal erlaubt sein.

Bei aller Kritik an dem Projekt scheint es aber auch zu gefallen. Mehr als 1200 Follower hat der Account @TatortWatch bereits gesammelt - mit einer Sendung. Und das Fazit des grünen Fernsehabends fällt auch sanft aus:

Andere Tatort-Kommissare gehen da deutlich ruppiger vor - und müssen mit Kritik rechnen. Wie lange das Projekt noch dauert, kann Brux nicht sagen. „Falls wir nach ein paar Monaten unsere Beziehungen riskieren, weil wir unseren einzigen freien Tag in der Woche opfern, beenden wir das vielleicht.“ Doch bis es soweit kommt, wollen sie den Tatort weiter kritisch begleiten. Dabei werden die Grünen vermutlich selbst kritisch begleitet.

huGO-BildID: 30544442 Jonas Jansen Handelsblatt Online 4 / 2013 Quelle: Handelsblatt Online
Jonas Jansen
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

Kommentare zu " Tatort-Kritik auf Twitter: „Pickelhaube statt Birkenstock“"

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  • @ Kassandra:
    Amen!

    "Mein zweiter diese Woche, nachdem die Grünen-Politikerin Marianne Burkert-Eulitz sich darüber erboste, dass die Schlüsselqualifikation für Schönheitswettbewerbe tatsächlich Schönheit ist (!) und dadurch weniger schöne Frauen bei Miss-Wahlen benachteiligt sind. "
    --------------------
    Und wer reinigt jetzt meinen Monitor von dem Kaffeepruster!? :-)

    Für Interessierte: http://www.bz-berlin.de/aktuell/berlin/gruene-wollen-miss-wahl-auch-fuer-weniger-schoene-article1678304.html
    Zitat:
    "Burkert-Eulitz wurde aktiv, rief bei dem Berliner Miss-Wahl-Teamleiter Andreas Heinacker (37) an, verlangte eine Stellungnahme dazu. Doch er beruft sich auf die Regeln..."
    --------------
    Wie meinen? Ich wäre als Teamleiter nicht so konziliant geblieben, sondern hätte der Dame unmißverständlich gesagt, sie solle bei Dingen, die sie nicht begreift, die Klappe halten, und sie hätte nichts zu verlangen.
    Ein weiteres Beispiel, was mir an den GrünInnen immer und immer wieder übelst aufstößt: Von nichts eine Ahnung, aber den Mund sperrangelweit aufreißen und sich überall einmischen.
    Aber keine Bange, diese Dame lädt bestimmt niemand zu einem Model-Casting ein...

  • Zurück zum Thema:
    es ist bedauerlich, dass andere schneller waren und schon sämtliche Kinderbücher auf politisch korrekt getrimmt haben, so dass diese Weide abgegrast ist. Ein neues Betätigungsfeld muss her, um sich wenigstens einmal im Leben die Illusion zu gönnen frau/man sei ein/e VIP.
    Hehre Ziele sind nicht ohne selbstlose Opfer zu erreichen, und so bleibt den armen GrünenInnen nichts anderes übrig, als sich mit Todesverachtung den
    „tatort“ anzusehen, um in dieser Krimireihe unwiderlegbare Beweise begangener Bürgerrechtsverletzungen zu sammeln und diesen Skandal öffentlich zu machen.
    Ja, ich sehe sie vor mir, wie sie sonntagabends vor dem Fernseher, auf einem orthopädisch korrekten Stuhl sitzend, still vor sich hin leiden, ab und zu einen Schluck Bionade-Holunder zu sich nehmen und schaudernd ihr Deckchen aus gewalkter Biowolle (von Ziegen aus garantiert ökologischer Haltung der Hamas) enger um ihre vegan ernährten Körper ziehen.
    Habt Dank! Was wären wir armen Bürger nur ohne eine Gurkentruppe ideologisch abgedrifteter Hanseln, die über Verbrechen verabscheuungswürdiger Schergen der exekutiven Staatsmacht (im grün-roten Jargon „Scheißbullen“ genannt) schonungslos aufklären. Denn wir sind ja allesamt zu dämlich, um den Unterschied zwischen Fiktion und Realität zu erkennen. Das ist allein euch, den selbsternannten neuen Jakobinern der Moral und Meinungshoheit, vorbehalten. Klopft euch gegenseitig auf die Schulter und hätschelt euer Ego, denn sonst tut es niemand.

  • Das kann doch nur Satire sein?! Nein, das absurde Ergebnis grüner Überlegungen. Danke für einen herzhaften Lachanfall. Mein zweiter diese Woche, nachdem die Grünen-Politikerin Marianne Burkert-Eulitz sich darüber erboste, dass die Schlüsselqualifikation für Schönheitswettbewerbe tatsächlich Schönheit ist (!) und dadurch weniger schöne Frauen bei Miss-Wahlen benachteiligt sind.
    Wer ein Foto von Frau Burkert-Eulitz sieht, dem drängt sich die Vermutung geradezu auf, die Dame hat selbst 40-jährig noch nicht die Verbitterung überwunden, die aus ihrer Benachteiligung bei der natürlichen Vergabe von Schönheit resultiert und sie kaschiert ihre Stutenbissigkeit mit Forderung nach „sozialer Gerechtigkeit“. Im Klartext der Versuch nach sinnwidriger, lachhafter Gleichmacherei. Verwunderlich nur, dass sie bei Wissens- und Intelligenzwettbewerben keine Quote „for Dummies“ einführen will.

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