Tausende protestieren in Hamburg gegen G8-Gipfel
Aufgeheizte Stimmung bei G8-Protest

Wasserwerfer, vermummte Demonstranten und Rauchbomben: Wenige Tage vor Beginn des G-8-Gipfels in Heiligendamm sind Globalisierungsgegner und Polizei in Hamburg erstmals massiv aufeinander getroffen.

HB HAMBURG. Mit Sprechchören und Transparenten demonstrierten tausende teilweise gewaltbereite Globalisierungskritiker am Montag gegen das Spitzentreffen der Staats- und Regierungschefs und die bis Dienstag in Hamburg stattfindenden Gespräche der europäischen und asiatischen Außenminister (ASEM). Nachdem die Demonstration am Nachmittag vorzeitig abgebrochen worden war, eskalierte die Situation.

Am Abend setzte die Polizei im Schanzenviertel Wasserwerfer und Schlagstöcke ein. Vor dem Linken-Treffpunkt „Rote Flora“ errichteten zahlreiche Demonstranten teilweise Straßenbarrikaden. Mehrere Personen wurden festgenommen. Die Polizei richtete sich auf eine schwere Nacht ein.

Bereits zuvor war die Stimmung angespannt - schließlich galt die Demonstration als Generalprobe für den G-8-Gipfel in der kommenden Woche in Heiligendamm. In Hamburg herrschte Alarmstufe eins. Rauchbomben und Farbbeutel flogen, vereinzelt wurden Demonstranten festgenommen. Hamburger Bürger waren besorgt. Die Polizei zählte 4 000 Teilnehmern, die Veranstalter sprachen von 6 000.

Während die Außenpolitiker im Rathaus der Stadt zu Beratungen über Klimaschutz und internationale Krisen zusammenkamen, gerieten auf den Straßen der Hansestadt G-8-Gegner und Polizei immer wieder aneinander. Die Beamten folgten ganz der Anweisung von Polizeipräsident Werner Jantosch und ließen zunächst keine der erwarteten massiven Ausschreitungen zu. In Zweierreihen begleiteten sie die zwischenzeitlich teilweise vermummten Demonstranten durch Hamburg.

An Zufahrtswegen und Seitenstraßen standen gepanzerte Fahrzeuge und Wasserwerfer. Redner riefen wiederholt über Lautsprecher zum Protest und Widerstand gegen Kapitalismus, G-8 und ASEM auf. Wegen Angriffen auf Polizisten wurden zunächst zwei Personen festgenommen. Auch wurden Rauchbomben, Knallkörper und Farbeier geworfen. Zudem hatten sich einige Teilnehmer des Protestzuges, die dem linken Spektrum zugerechnet werden, mit Tüchern und Kapuzen vermummt. Die Stimmung war aufgeheizt.

Der Protestzug bewegte sich zunächst nur langsam durch die Stadt. Immer wieder stoppten die Demonstranten, weil Polizei und Versammlungsleitung sich nicht über die Route einigen konnten.

Tausende Hamburger beobachteten den Zug aus ihren Wohnungsfenstern und von Brücken. „Das bereitet mit Sorge“, sagte ein 50-Jähriger beim Anblick des in der Hansestadt zusammengezogenen massiven Polizeiaufgebots aus mehreren Bundesländern. „Wenn man das sieht, muss man Angst bekommen. Ich bin nicht sicher, ob die Polizei die richtige Strategie anwendet, wenn sie auf Protest so reagiert.“ Andere Zuschauer hatten Verständnis: „Es kann ja nicht jeder machen was er will. Friedlicher Protest gerne, aber keine Gewalt“, sagte eine Frau, die ihr Kind mitgebracht hatte: „Das ist beklemmend.“

Der 17-jährige Arne, der an der Demonstration teilnahm, sagte mit Blick auf das ASEM-Treffen und den G-8-Gipfel: „Es geht mir darum, dass es ein Treffen ist, was nicht dazu dient, die Welt zu verbessern. Es geht nur um die Ausbeutung der asiatischen Länder.“ Die EU solle nur ein wirtschaftlicher Gegenpol zu den USA werden. Viele seiner Begleiter stimmten ihm zu.

Bundesverfassungsgericht legte Demo-Route fest

Im Streit über die Demonstrationsroute hatten die Organisatoren am Sonntagabend eine Niederlage erlitten. Das Bundesverfassungsgericht verfügte, dass der Protestzug nicht direkt am ASEM-Tagungsort im Hamburger Rathaus vorbeiführen durfte, sondern mindestens 500 Meter Abstand halten muss. Der Sprecher der Organisatoren, Andreas Blechschmidt, kritisierte, dass diese Entfernung weder Sicht- noch Hörweite sei: „Das finden wir absolut versammlungsfeindlich.“ Zudem bemängelte er die starken Sicherheitsvorkehrungen.

Bereits am Sonntagabend hatten rund 100 Menschen im Hamburger Stadtteil Altona protestiert. Die Polizei löste die nicht angemeldete Demonstration auf. Nachdem einige Teilnehmer Straßen blockiert und Bauteile auf die Fahrbahn gezogen hatten, wurden 53 Personen in Gewahrsam genommen und drei vorübergehend festgenommen.

Auf Einladung von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier wollten die Außenminister der EU und von 16 asiatischen Ländern am Montagabend in Hamburg zusammenkommen. Die Treffen finden alle zwei Jahre abwechselnd in Europa und Asien statt. Der ASEM-Gipfel gilt als größte außenpolitische Tagung während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft.

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