Teichmüller zurückhaltend
Peters geht auf Reformflügel zu

In der Führungskrise der IG Metall will der umstrittene Kandidat für den Vorsitz, Jürgen Peters, nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen auf den Reformflügel der Gewerkschaft zugehen.

Reuters HANNOVER. Peters wolle nach dem Verzicht des baden-württembergischen Bezirksleiters Berthold Huber auf den Stellvertreter-Posten einen neuen Kandidaten aus dessen Lager gewinnen, hieß es am Donnerstag in den Kreisen. Dem 59-Jährigen sei klar, dass die tiefen Gräben zwischen den beiden verfeindeten Lagern in der Gewerkschaft nur mit einem neuen gemeinsamen Tandem überbrückt werden könnten. Falls sich schnell ein Partner für Peters fände, könne der IG-Metall-Vorstand möglicherweise auch kurzfristig zusammenkommen und damit deutlich vor dem regulären nächsten Sitzungstermin am 1. September über einen Personalvorschlag entscheiden, hieß es in den Kreisen weiter. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mahnte die IG Metall, ihren Führungsstreit möglichst schnell beizulegen.

Im Lager der Peters-Gegner wird allerdings weiter bezweifelt, dass eine Kooperation mit dem umstrittenen bisherigen stellvertretenden Gewerkschaftsvorsitzenden möglich sei. In den vergangenen Tagen war Peters aus dem Huber-Lager zum Verzicht auf eine Kandidatur auf dem Gewerkschaftstag im Oktober aufgefordert worden. Ihm wird die Niederlage im Arbeitskampf für die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland angelastet. Rückendeckung erhielt Peters bei einem Besuch des Volkswagen-Werkes im sächsischen Mosel. Nach Teilnehmerangaben wurde er auf einer Betriebsversammlung aufgefordert, weiter für den Vorsitz zu kandidieren. Peters sagte nach der Versammlung, er habe die Gründe für das Scheitern des Streiks dargelegt und sei auf Verständnis und Solidarität gestoßen. Mehrere VW-Arbeiter sagten, Peters Rede sei mit Beifall aufgenommen worden. Der Betriebsrat von VW in Sachsen habe sich hinter Peters gestellt. Nach dem gescheiterten Streik vor knapp zwei Wochen ist dies der erste Besuch des maßgeblich für den Streik verantwortlichen Gewerkschaftsfunktionärs bei einem der bestreikten Betriebe.

Der zum Reformflügel zählende Leiter des Bezirks Küste, Frank Teichmüller, zeigte sich sehr zurückhaltend zu einer möglichen Kandidatur. Er wolle nochmals klarstellen, dass er nur „im Notfall“ bereit sei, für ein Spitzenamt anzutreten, wenn es nicht gelingen sollte, jüngere und besser geeignete Kandidaten zu finden. Eine Kandidatur im Team mit Peters schloss er im Interview mit dem WDR allerdings erneut aus. Die DGB-Führung sprach nach eigenen Angaben mit der Spitze der zweigrößten deutschen Gewerkschaft über ein schnelles Ende der Krise. „Wir hoffen, dass eine Lösung so schnell wie möglich gefunden wird“, sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer im Deutschlandfunk. Dies sei aber Sache der IG Metall.

Am Dienstagabend war der Vorstand der IG Metall in einer 13-stündigen Sitzung mit dem Versuch gescheitert, die durch den Streit zwischen Peters und dem scheidenden Gewerkschaftschef Klaus Zwickel ausgelöste Führungskrise zu lösen. Nach Angaben Zwickels soll der Vorstand am 1. September einen neuen Personalvorschlag vorlegen. Vertreter von Politik und Wirtschaft zeigten sich zunehmend besorgt über den Machtkampf in der zweitgrößten deutschen Gewerkschaft.

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