Teilnahme an Schröder/Putin-Party

CDU-Mann Mißfelder fällt bei Unionsspitze in Ungnade

Die Geburtstagsfeier von Schröder mit Putin bringt die Union in eine pikante Situation. Grund ist die Teilnahme des CDU-Außenexperten Philipp Mißfelder an der Feier. Der Vorgang könnte seine Polit-Karriere jäh beenden.
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Philipp Mißfelder (CDU): Teilnahme an Schröder/Putin-Party „eines außenpolitischen Sprechers unwürdig“. Quelle: dpa

Philipp Mißfelder (CDU): Teilnahme an Schröder/Putin-Party „eines außenpolitischen Sprechers unwürdig“.

(Foto: dpa)

BerlinDer außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Philipp Mißfelder (CDU), hat mit seiner Teilnahme an der Geburtstagsfeier von Altkanzler Gerhard Schröder in St. Petersburg massive Verärgerung in der Unions-Fraktionsspitze ausgelöst. Ein solches Verhalten sei angesichts der Tatsache, dass Bundeswehrsoldaten in der Ostukraine von prorussischen Milizen gefangen gehalten werden, „eines außenpolitischen Sprechers unwürdig“, heißt es nach Informationen des Handelsblatts in CDU-Kreisen. In der Fraktionsführung sei man der Ansicht, dass Mißfelder in seinem Amt wohl „nicht mehr zu halten“ sei.

„Das würde mich nicht wundern, wenn er das Amt aufgeben müsste“, verlautete es auch in Mißfelders CDU-Landesverband in Nordrhein-Westfalen. „Das ist unglaublich unsensibel“, hieß es in der Unionsfraktion des Bundestags.

Schröders Feier mit dem Kremlchef
Former German chancellor Gerhard Schroeder birthday reception in
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Herzen unter Freunden: Zu Ehren des Altkanzlers kam Putin am Montag in St. Petersburg vorbei, um Schröders Geburtstag nachzufeiern. Der SPD-Politiker war am 7. April 70 Jahre alt geworden.

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Putins Wagenkolonne sei am Abend am Jussupow-Palais in der früheren Zarenhauptstadt vorgefahren, berichteten lokale Medien in St. Petersburg.

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Warten auf Wladimir: Mit dabei war auch Matthias Warnig (3. v.l.), Managing Director der North Stream AG. Das Konsortium, das vom russischen Energieriesen Gazprom dominiert wird, soll den Empfang ausgerichtet haben.

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North Stream betreibt die gleichnamige Ostsee-Pipeline. Schröder ist Vorsitzender des Aktionärsausschusses. Legendär geworden ist Schröders Zustimmung zu dem Satz: Putin sei ein lupenreiner Demokrat.

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Auch Gazprom-Chef Alexej Miller (Mitte) war unter den Gästen. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) wollte ebenfalls an dem Empfang teilnehmen.

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Gemeinsamer Einmarsch in den Palast: Aus der FDP kam bereits scharfe Kritik an Schröders Verhalten. „Vor dem Hintergrund des eindeutig völkerrechtswidrigen Verhaltens Russlands in der Ukraine lässt sich eine Geburtstagssause mit dem russischen Präsidenten durch Nullkommanichts rechtfertigen“, sagte Michael Theurer, Mitglied des Europäischen Parlaments und Vorsitzender der baden-württembergischen FDP, zu Handelsblatt Online.

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„Zur Ehrenrettung Schröders und des deutschen Ansehens bei unseren europäischen Nachbarn bleibt zu hoffen“, sagte Theurer weiter, „dass der Altkanzler den russischen Präsidenten davon überzeugt, dass die russischen Panzer den Rückwärtsgang einlegen“.

Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) soll massiv verärgert, berichten CDU-Kreise. Im CDU-Präsidium sei man „total geschockt“ über den Vorgang, hieß es. Mißfelder war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Nach Angaben der Tageszeitung „Die Welt“ bestätigte Mißfelder Meldungen über seine Teilnahme an der Geburtstagsfeier, der auch der russische Präsident Wladimir Putin beiwohnte. Der CDU-Politiker wolle sich jedoch nicht näher zu dem Vorgang äußern und sprach gegenüber der Zeitung von einer „privaten Reise“.

Schröder musste wegen seiner Feier mit Putin harte Kritik einstecken. „Unsere Jungs leiden bei Wasser und Brot im Verlies, Schröder feiert mit Schampus und Kaviar im Festsaal“, sagte etwa CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer der „Bild“-Zeitung. Für Befremden sorgte vor allem eine auf einem Foto festgehaltene innige Umarmung von Schröder und Putin.

Der Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder (CDU), sagte, dies sei inmitten der Ukraine-Krise nicht hilfreich. Die Chefin der CSU-Landesgruppe, Gerda Hasselfeldt, äußerte sich ähnlich. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckhardt kritisierte, Schröder habe damit die Bemühungen der Bundesregierung zur Eindämmung der Krise torpediert.

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  • Ich lach mich kaputt, der Atlantiker unter der Brücke Mißfelder bei Putin, will wohl auch Gasprinzessin werden. Den Amis geht wohl das Geld zur Raubtierfütterung der unteren Chargen aus und die Ärmsten müssen auch woanders schnorren gehen.
    Bei Muttern Merkel hat das Jungelchen jetzt auf Befehl aus Washington aber ganz schlechte Karten, das wird dieser treulose Gierlappen noch bereuen.
    Na ja, wer Oma und Opa noch nicht mal eine neue Hüfte gönnt, der hat selbst bei dementen Konservativen keine Freunde mehr.

    Im Übrigen sind Frau v.d.L und Frau Merkel äußerst unsensibel und schicken deutsche Soldaten zum Spionieren für Kiew in die Ostukraine. Bitte beide sofort zurücktreten, der Bundestag hat keine Zustimmung zur Entsendung in die Ukraine erteilt oder Deutschland als Kriegspartei aufseiten der Putschisten erklärt. Und dann belügen sie auch noch alle in Deutschland und behaupten das wären OSZE Beobachter. Was soll das?! Diese Kriegstreiberweiber und ehrlosen Obama-Groupies gehören in den Knast aber subito!!!

  • Wie schon von vielen angemerkt, die OSZE hat hier mindestens ungeschickt wenn nicht sogar grob fahrlässig o. bewusst provokativ gehandelt, als sie Vertreter aus Ländern der Anti-Russland Koalition entsandte. Warum hat man nicht Vertreter aus unbeteiligten Ländern, wie zB Brasilien etc entsandt???

  • "Da beteiligen sich deutsche Politiker an einem blutigen Putsch und stürzen einen demokratisch gewählten Präsidenten, machen sich mit faschistischen Nationalsozialisten gemein, die mit Gewalt gegen das ukrainische Volk vorgehen, und diese Leute sprechen von freien Wahlen? "
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    Das ist mir auch übel aufgestoßen, zumal man derzeit die Schuld nur zu gerne ausschließlich Russland zuweisen will und kräftig diesbezüglich in die Kerbe haut (das könnte man auch Kriegsgeschrei nennen). Die Krim ist via Volksentscheid zu Russland übergetreten. Aber daß unsere Politiker mit Volksentscheidungen so ihre Probleme haben, wissen wir spätestens seit der Schweizer Abstimmung zur Migration.
    Auf jeden Fall ist es kurzsichtig und kontraproduktiv, dermaßen auf die Russen einzudreschen (Russland-Bashing ist ja seit Monaten "in") und mit Sanktionen zu wüten, die letztlich auch detusche Firmen massiv schädigen. Streit mit Nachbarn auf dem gleichen Kontinent? Das kann es wohl nicht sein, zumal gerade Deutschland und Russland wirtschaftlich eine sehr interessante, schlagkräftige Kombination darstellen: Deutsches Know How und russische Rohstoffe zusammenwerfen und sich dann gemeinsam weiterentwickeln? Das ergäbe einen äußerst potenten Wirtschaftsblock und ungeahnte Möglichkeiten, zumal die Russen als sehr verläßliche Vertragspartner gelten (im Gegensatz zum Club Med).

  • @tolbiac
    Die können sie hier lesen: http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58848
    : http://www.nachrichtenspiegel.de/2014/04/29/krieg-gegen-russland-und-krieg-gegen-den-mittelstand/

  • Es ist einfach nur noch zum schlecht werden, wie diese verkomme Politkaste sich wieder in die Brust wirft. Der Empfang ist von Nord Stream AG für Schröder gegeben worden und Putin war auch Gast bei diesem Event. Sowie einige andere Persönlichkeiten. Wie hier wieder in propagandistischer Manier über Russland und Putin hergezogen wird, grenzt schon an Idiotie. Man muss diese Dummschwätzer mal auf ihren Geisteszustand untersuchen lassen. Wehr permanent, wieder besseren Wissens solches Zeug von sich gibt, muss untersucht werden. Die sprechen immer noch von den OSZE-Mitarbeitern, obwohl sich die OSZE-Führung klar davon distanziert hat. Und auch das „Wiener Dokument“ nicht herangezogen werden kann. Wenn das nicht von einer Realitätsverdrehenden Geistesgestörtheit zeugt, was dann?
    Da wird polemisiert, „die Feiern während unsere Leute bei Wasser und Brot inhaftiert sind“. Sorry, was hatten diese Leute dort mit Zündern und Spengmaterialien zu suchen. Wehr hat sie beauftragt, mit welchem Beschluss, mit welcher Aufgabe?
    Merkel sprach heute Morgen in einer Ansprache davon „das man dem ukrainischen Volk die Möglichkeit geben muss seine Regierung selbst und frei zu wählen“. Da beteiligen sich deutsche Politiker an einem blutigen Putsch und stürzen einen demokratisch gewählten Präsidenten, machen sich mit faschistischen Nationalsozialisten gemein, die mit Gewalt gegen das ukrainische Volk vorgehen, und diese Leute sprechen von freien Wahlen?
    Ich frage mich ob man Merkel und Konsorten nicht wieder als Nazis bezeichnen kann. Klingt zwar hart, aber ihrer Argumentation mit Schröder zur Folge, ist es das Gleiche.

  • Ich vermute das Schröder seinen Geburtstag dazu benutzt zu vermitteln, offiziell geht das natürlich alles nicht, weil wir der US Administration Rechenschaft abliefern müssen und da in Deutschland jeder abgehört werden kann muss das so passieren. Das Putin sich nicht mehr mit Steinmeier zu einen Treffen einlässt, das kann ich sehr gut verstehen, schließlich hat Steinmeier sein versprechen in der Ukraine zwei Stunden später gebrochen.
    Schröder ist der einzige Politiker der noch vermitteln kann.
    Ich persohnich würde nur zu Putins Geburtstag gehen wenn er mich einladen würde...!

  • Eine Freundschaft muss in guten und in schlechten Zeiten zusammen halten. Auch wenn ich absolut kein Schröder Fan bin, muss man ihm diesen Grundsatz zu Gute halten. Bei sehr vielen Politikern fehlt auf Grund der Machtinteressen jeder Grundsatz, wenn man sich anschaut wie oft und schnell sie ihre "Freunde" wechseln wenn es von höherer Stelle befohlen wird. Das "OSZE Märchen" hingegen langweilt schon nach den offiziellen und inoffiziellen Berichten.

  • und was ist mit der Freundschaft Merkel zur ukrainischen Oiligarchin Timoschenko?

  • Sind es nun Spione oder nicht?
    Ansonsten ist diesem ganze Diskussion nur weitere anti- russische Propaganda.

  • Ja, Herr Mißfelder ist nicht tragbar. Wieder mal zeigt er sein wahres Gesicht. Erst die Hüftgelenke für die Alten, nun Schröders Geburtstagsfeier, die Nähe Putins. Christlich? Sozial? Was hat der bei der CDU zu suchen? Das was ihm fehlt, wird er im Leben nicht mehr lernen.

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