Telefonbefragung der Bundesagentur für Arbeit fördert Mängel in der Statistik zutage
Tausende Arbeitslose suchen keinen Job

Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) weist eine zu hohe Zahl von Arbeitslosen aus und könnte möglicherweise um mehrere zehntausend Menschen nach unten korrigiert werden. Das ergibt sich aus einer Telefonbefragung der BA unter Langzeitarbeitslosen.

str BERLIN. Laut BA ergab sich bei 9 000 der insgesamt 180 000 befragten Empfänger von Arbeitslosengeld II (ALG II), dass sie dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung standen. Das ist etwa bei allein erziehenden Müttern oder bei Ein-Euro-Jobbern der Fall. Das Ergebnis entspricht einer Quote von fünf Prozent. Insgesamt beziehen 2,8 Millionen Menschen ALG II. Überträgt man die Quote von fünf Prozent auf diese Zahl, lässt sich daraus eine Zahl von 140 000 ALG-II-Empfängern ableiten, die aus der Statistik gestrichen werden könnten.

Die Befragung kam außerdem zu dem Ergebnis, dass bei 16 Prozent der ALG-II-Empfänger „Klärungs- oder Änderungsbedarf“ besteht. Dieser Personenkreis werde nun zu Gesprächen eingeladen, so die BA. Rechnet man auch diesen Wert auf die Gesamtzahl der Langzeitarbeitslosen hoch, ergibt sich rein rechnerisch zusätzlich eine Zahl von knapp 450 000 Langzeitarbeitslosen, die möglicherweise aus der Statistik fallen könnten.

Die BA warnte jedoch davor, das Ergebnis der Befragung auf die Gesamtzahl der ALG-II-Empfänger hochzurechnen. Die Befragung der 180 000 Langzeitarbeitslosen sei nicht repräsentativ, sagte eine BA-Sprecherin. Zudem sei die Befragung nicht darauf ausgerichtet gewesen, Langzeitarbeitslose aus der Statistik zu streichen. Vielmehr sei es in erster Linie darum gegangen, Informationen über die Arbeitslosen zu vervollständigen: „Wir wollen die Unterlagen in Ordnung bringen. Das ist die Voraussetzung für eine gute Beratung.“

Die Einführung des ALG II zum Jahreswechsel hatte bei der BA für erheblichen Arbeitsaufwand gesorgt. Nicht immer konnten alle Informationen über die Jobsuchenden ordnungsgemäß erfasst werden. Die Telefonaktion sollte dazu beitragen, diese Defizite auszugleichen.

An der Erhebung hatten 200 der 360 Arbeitsgemeinschaften teilgenommen, die die Jobcenter betreiben. Die restlichen 160 Arbeitsgemeinschaften sollen folgen. Allerdings ist nicht an eine Telefonbefragung aller ALG-II-Empfänger gedacht. Vielmehr werden nur Langzeitarbeitslose befragt, die über acht Wochen keinen Kontakt zu ihrem Jobcenter hatten.

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