Terror-Angst in Deutschland
Warten auf den großen Anschlag

Reisebewegungen deutscher Islamisten nach Syrien oder in den Irak alarmieren den Verfassungsschutz: Kehren die Kämpfer zurück, stellen sie ein unkalkulierbares Risiko dar. Ein Anschlag ist nur eine Frage der Zeit.
  • 36

BerlinIslamisten aus Deutschland, die in Konfliktgebiete gehen und kampferprobt zurückkehren, stellen für die Sicherheitsbehörden eine große Herausforderung dar. Das Thema hat durch die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS), die sowohl in Syrien als auch im Irak Gebiete kontrolliert und ein „Kalifat“ ausgerufen hat, deutlich an Brisanz gewonnen. Selbst die Bundesregierung ist in Alarmstimmung. „Diese Männer haben gelernt zu töten und zu hassen. Sie stellen eine Gefahr für unser Land dar“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maiziere der „Bild am Sonntag“.

Doch während de Maizieres britische Kollegin Theresa May schon neue Gesetze gegen radikale Islamisten ankündigte und die Bürger auf einen langen Kampf gegen eine „tödliche Extremistenideologie“ einstimmte, hat die deutsche Politik bisher kein Rezept gegen die Radikalisierung junger Muslime gefunden, die als „Gotteskrieger“ in arabische Krisenregionen ziehen. Dabei wächst die Angst vor Anschlägen, die diese Kämpfer auch in Deutschland verüben könnten.

Aus Sicht des Präsidenten des Bundesverfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, hat sich die Rückkehr von Syrienkämpfern inzwischen zu einem europäischen Problem entwickelt. „Wir müssen uns auf die Möglichkeit von Anschlägen in Europa einstellen“, sagte Maaßen auf Anfrage von Handelsblatt Online. „Diese Dimension stellt eine große Herausforderung für die Sicherheitsbehörden dar, bei der eine enge Kooperation unabdingbar ist.“

Der Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), André Schulz, sprach von einer abstrakten Gefährdung. „In Sicherheitskreisen fragt man sich eigentlich nicht mehr, ob ein Anschlag in Deutschland passieren wird, sondern wann“, sagte Schulz Handelsblatt Online.

Laut Maaßen ist der Strom der aus Deutschland nach Syrien ausreisenden Dschihadisten ungebrochen. „Wir wissen mittlerweile von über 400 Ausreisen“, sagte er. Aus BDK-Sicht dürfte die tatsächliche Anzahl aber „deutlich darüber“ liegen. „Einige von ihnen sind bei Kämpfen getötet worden, einige sind mittlerweile aber auch schon wieder zurück in Deutschland“, sagte Schulz. „Nicht alle der Rückkehrer haben Kampferfahrungen und zahlreiche sind stark traumatisiert.“

Chef-Geheimdienstler Maaßen sprach von etwa 25 Rückkehrern, die Kampferfahrung in Syrien gesammelt hätten. Es gebe aber derzeit keine Anhaltspunkte, dass diese Personen einen konkreten terroristischen Auftrag in Deutschland verfolgen.

Kommentare zu " Terror-Angst in Deutschland: Warten auf den großen Anschlag"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Für meine Begriffe wird und wurde aus bestimmten Herkunftsländern viel zu schnell eingebürgert. Jetzt sind viele zugleich Deutsche und dürfen erst einmal als solche einreisen. Abschieben kann man sie auch nicht mehr -sind ja Deutsche geworden- und nach hiesigen Gesetzen schnell und entsprechend angemessen bestrafen -nicht bei uns, vielleicht in den U.S.A., Russland oder auch anders wo? Hier wird es in den allermeisten Fällen zu keiner nennenswerten Bestrafung kommen! -Leider! Somit gehört Deutschland selbst mit zu den sogenannten "Schurkenstaaten". Wem wundert es da, wenn die Geheimdienste insbesondere der U.S.A. uns daher gleichermaßen observieren, wie auch die Herkunftsländer dieser eingebürgerten Deutschen? Eigentlich sehr schlau, man gehe nach Deutschland, lasse sich gut ausbilden, nehme die deutsche Staatsangehörigekeit an und dann lege man los! So und nicht anders entstand auch der besagte 11. September, wer sich noch erinnern kann. Viel mehr darf man leider nicht dazu sagen, ansonsten zählt man gleich zu rechts zu sein bzw. man bekommt seinen Kommentar nicht ins Forum...

  • Herr Zühlke, da können Leute wie Sie schreiben was Sie wollen. Es geht hier darum, ob Bestien, die sich an so etwas beteiligen, hier in aller Ruhe "heimkehren" können oder nicht. Und das hat für mich sehr wohl mit "Political" Correctness" und Bla Bla zu tun. Werfen Sie mal einen Blick ins englische Rotherham ....

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%