Terror-Ermittlungen
„Kofferbomber“-Tipp kam aus dem Libanon

Der militärische Nachrichtendienst des Libanon hat nach Angaben der Bundesanwaltschaft den entscheidenden Tipp geliefert, der zur Festnahme des mutmaßlichen Bahn-Bombenlegers führte. Einem Medienbericht zufolge verriet sich der Gesuchte beim Plaudern am Telefon.

HB BERLIN. Weitere Einzelheiten wollte die Bundesanwaltschaft nicht preisgeben. Das ARD-Hauptstadtstudio will erfahren haben, dass der Militärgeheimdienst DRAL ein Telefonat des 21-Jährigen mit seiner Familie im Libanon abhörte, nachdem der Youssef Mohamad E.H. ein Bild von sich im Fernsehen gesehen hatte. Die libanesischen Geheimen hätten daraufhin ihre deutschen Kollegen informiert.

Angehörige der Großfamilie des in Kiel festgenommenen mutmaßlichen Kofferbombers Youssef Mohamad E. H. unterhalten einem Zeitungsbericht zufolge außerdem Verbindungen zu der in Deutschland verbotenen islamistischen Organisation Hisb ut-Tahrir al Islami. Wie der Berliner „Tagesspiegel“ (Dienstagausgabe) unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise vorab berichtete, werden mehrere Mitglieder der Großfamilie als „problematisch“ eingestuft. Die Sicherheitsexperten halten es der Zeitung zufolge für denkbar, dass Youssef Mohamad E.H. von Hisb ut-Tahrir al Islami oder von Sympathisanten der Organisation in seiner Familie den Anstoß zur Radikalisierung bekam.

Youssef Mohamad E.H. war am Sonnabendmorgen auf dem Hauptbahnhof von Kiel festgenommen. Er wird verdächtigt, zusammen mit weiteren Mitgliedern einer terroristischen Vereinigung einen Anschlag auf zwei Regionalzüge in Dortmund und Koblenz versucht zu haben. Außerdem wird dem angehenden Studenten versuchter Mord in einer Vielzahl von Fällen mit gemeingefährlichen Mitteln vorgeworfen.

Der Verdächtige habe sich in der Nacht absetzen wollen und sei deshalb festgenommen worden, hatte die Bundesanwaltschaft erklärt. Seit Sonntag sitzt der Libanese, der vor dem fehlgeschlagenen Anschlag von einer Bahnhofs-Kamera gefilmt worden war, in Untersuchungshaft. Der Haftbefehl stützt sich nach Angaben von Generalbundesanwältin Monika Harms unter anderem auf Videoaufnahmen und DNA-Spuren, die dem Verdächtigen zugeordnet werden konnten.

Zur Fahndung nach den Komplizen hielten sich Justiz und Polizeibehörden am Montag bedeckt. Es gebe keinen neuen Stand, sagte Innenstaatssekretär August Hanning. Die Ermittler gingen weiter davon aus, dass die beiden Verdächtigen Hilfe von Hintermännern hatten. „Mein Eindruck ist, dass da schon mehrere mitgewirkt haben“, sagte der Innenstaatssekretär. Der Bau der beiden Kofferbomben habe einiges handwerkliches Geschick vorausgesetzt. Die Spuren wiesen zudem darauf hin, „dass es einen libanesischen Hintergrund gibt“.

Die Polizei sucht vor allem nach dem zweiten Verdächtigen, der am 31. Juli am Kölner Hauptbahnhof einen weiteren Koffer mit einer Bombe in einen Regionalexpress nach Dortmund deponierte. Auch er war auf dem Bahnsteig von Überwachungskameras gefilmt worden. Die Ermittler hatten am Freitag Videos und Fahndungsfotos der beiden Verdächtigen veröffentlicht.

Unterdessen wurden neue Details über den festgenommenen Youssef Mohamad E. H. bekannt. Der 21-Jährige hatte sein Studium der Mechatronik an der Fachhochschule Kiel offenbar noch nicht aufgenommen. Wie ein Hochschulsprecher mitteilte, ist kein Student mit diesem oder einem ähnlichen Namen aus dem Libanon oder einem anderen Land an der FH Kiel eingeschrieben.

Der 21-Jährige besuchte nach Auskunft des Kultusministeriums ein Studienkolleg, wo er am 7. Juli eine Sprachprüfung bestand, die zum Studium an der Fachhochschule berechtigt. Im vergangenen Jahr hatte er demnach so schlechte Noten, dass er das erste Semester an dem Kolleg wiederholen musste. Die Bundesanwaltschaft hatte zuvor berichtet, er sei seit Februar 2005 in Kiel gemeldet, wo er Mechatronik studiert habe.

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