Terror-Warnung
Gabriel schürt Angst vor Kernkraftwerken

Womöglich wünschen sich die ersten Manager der Atomwirtschaft inzwischen den grünen Bundesumweltminister Jürgen Trittin zurück - angesichts dessen, was Nachfolger Sigmar Gabriel (SPD) verficht: Nun hat Gabriel ein neues Fass aufgemacht, um sein Projekt „Alte Meiler schneller vom Netz“ voranzutreiben.

str/HB BERLIN. Gabriel warnte am Donnerstag vor Terroranschlägen auf deutsche Atommeiler. „Es gibt Kernkraftwerke, die aus unserer Sicht nur schwach oder gar nicht gegen terroristische Anschläge geschützt sind“, erklärte der Minister Gabriel auf seiner Sommerreise. Er verknüpfte zudem das zwischen SPD und Union umstrittene Thema der inneren Sicherheit mit seinem Plädoyer für kürzere Laufzeiten alter Kraftwerke. „Wenn Herr Schäuble auf Terrorgefahr hinweist, dann sollte die Union auch über das Risiko von Terroranschlägen auf Kernkraftwerke nachdenken.“

Welche Kraftwerke besonders betroffen seien, sagte Gabriel nicht. Er sagte aber: „Wenn die terroristische Bedrohung in Deutschland tatsächlich so groß ist, macht es keinen Sinn die Laufzeit gerade von den Reaktoren zu verlängern, die gegen Flugzeugabstürze am wenigsten gesichert sind.“

Experten zählen dazu vor allem die AKWs Brunsbüttel, Phillipsburg I, Isar I und Biblis A. Die Betonhülle von Biblis A ist beispielsweise nur 60 Zentimeter stark. Bereits nach den Anschlägen 2001 war darüber gestritten worden, ob abstürzende Flugzeuge die Hülle durchschlagen könnten. Für Gabriel kommt das Sicherheits-Argument gelegen, weil es sich um ältere Kraftwerke handelt. Nach den Pannen in den Kraftwerken in Krümmel und Brunsbüttel hatte der Umweltminister für eine verkürzte Restlaufzeit älterer Meiler plädiert.

Der Bundesumweltminister forderte auch neue Sicherheitsmaßnahmen für Atomkraftwerke. Unter anderem solle geprüft werden, ob Videoaufzeichnungen in den Schaltzentralen Kommunikationsprobleme vermindern könnten. „Es ist sinnvoller, in die Schaltzentralen der Atommeiler als in die Schlafzimmer der Bundesbürger zu schauen“, sagte Gabriel im Hinblick auf geplante Sicherheitsgesetze von Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Heftige Kritik erntete Gabriel vom schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Die Äußerungen des SPD-Politikers seien „nur noch peinlich und populistisch“, erklärte Peter Harry Carstensen (CDU). „Wer so wild um sich schlägt und meint, eine Verbindung zwischen der Diskussion um die Kernenergie und der Inneren Sicherheit herstellen zu müssen, zeigt, dass ihm nicht an sachlicher Diskussion sondern nur an politischem Krawall gelegen ist“, sagte Carstensen.

Unterdessen meldete das schleswig-holsteinische Sozialministerium neue Auffälligkeiten aus dem heruntergefahrenen AKW Brunsbüttel. Bei Dübelplatten, mit denen Rohrleitungen am Bauwerk befestigt werden, seien zu große Bohrungen entdeckt worden, hieß es. Betreiber Vattenfall habe mit Arbeiten an den mangelhaften Platten begonnen und überprüfe weitere. Der Reaktor bleibe solange vom Netz getrennt, erklärte die Atomaufsicht. Brunsbüttel war am Mittwochmorgen zum dritten Mal innerhalb von drei Wochen unplanmäßig heruntergefahren worden, weil Auffälligkeiten in Ölleitungen mit einem Ölwechsel behoben werden mussten.

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