Terroralarm in Deutschland
Die Angst vor der nächsten Bombe bleibt

Ist die Terrorgefahr in Deutschland vorerst gebannt? Das Bundeskriminalamt sagt ja. Die Behörde sieht nach den Festnahmen im Zusammenhang mit den fehlgeschlagenen Kofferbomben-Anschlägen auf Regionalzüge derzeit keine akute Bedrohung. Allerdings gab es am Wochenende gleich mehrfach Bombenalarm. Zudem meldet eine Zeitung, es seien Hisbollah-Kämpfer nach Deutschland eingesickert.

HB BERLIN. „Die aktuellen Festnahmen haben dazu geführt, dass die Gefahrenspitze erst einmal gekappt ist“, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke der „Bild am Sonntag“. Derzeit gebe es keine Hinweise auf die Existenz einer weiteren Terrorzelle. Große Sorge bereite ihm jedoch, dass die Terrorgefahr in dem konkreten Fall erst spät erkannt worden sei. Weitere Festnahmen im Zusammenhang mit der mutmaßlichen Kieler Terrorzelle schloss Ziercke ebenso wie Generalbundesanwältin Monika Harms nicht aus.

Auf Antrag von Harms wurde am Samstag ein dritter Tatverdächtiger in Untersuchungshaft genommen. Der am Freitag in Konstanz festgenommene Syrer Fadi A.S. soll die Anschläge mit vorbereitet und den beiden anderen inhaftierten libanesischen Tatverdächtigen bei der Flucht aus Deutschland geholfen haben.

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft lebte der in einem Konstanzer Studentenwohnheim Festgenommene zuvor in Kiel, wo vor einer Woche der Libanese Youssef Mohamad El. H. als erster Tatverdächtiger festgenommen worden war. Zusammen mit diesem habe S. im Internet mit seinem Computer nach Anleitungen von Bomben recherchiert. Nach diesen Anleitungen seien die bei den missglückten Anschlägen verwendeten Spreng-Brandvorrichtungen zusammengebaut worden. Der Tatverdacht gegen S. ergebe sich im Wesentlichen aus Angaben des im Libanon einsitzenden Dschihad H., die durch Ermittlungen im Umfeld des ersten Tatverdächtigen bestätigt würden. Dschihad H. hat nach Angaben des libanesischen Behörden die Tatbeteiligung gestanden und Youssef Mohamad El H. als Verantwortlichen bezeichnet.

Verbindungen zu El-Kaida?

BKA-Chef Ziercke kommentierte Berichte über eine angebliche Verbindung der Festgenommenen zur Terrororganisation El-Kaida zurückhaltend. „Der Anti-Terror-Kampf hat El-Kaida schwer zugesetzt; sie hat nicht mehr die operative Kraft wie zu Zeiten des 11. September.“ El-Kaida sei aber dabei, neue Zellen aufzustellen. „Ob die Festgenommenen dazugehören, ist die ganz große Frage, die wir klären müssen“, sagte Ziercke. Auch Generalbundesanwältin Harms sagte, Hinweise auf eine Verbindung zu El-Kaida sollten mit Vorsicht bewertet werden. Es sei möglich, dass die Festgenommenen eine ähnliche Grundüberzeugung wie die Extremistenorganisation hätten. „Aber es können auch andere Verbindungen sein. Das ist noch nicht absehbar.“ Der libanesische Innenminister Ahmad Fatfat hatte erklärt, es gebe auf dem Computer des des Tatverdächtigen Dschihad H. Hinweise auf eine Verbindung zu dem Terrornetzwerk Osama bin Ladens.

Nach Darstellung des „Focus“ verdichten sich die Hinweise, dass der im Libanon einsitzende H. Kontakte zu El-Kaida hatte. Der Libanese solle im palästinensischen Flüchtlingslager Ayn al Hilwe in Sidon aufgewachsen sein. Das Camp soll ab 2003 Fluchtstätte für rund 200 Kämpfer und Führungsmitglieder der El-Kaida gewesen sein, berichtete das Magazin unter Berufung auf den libanesischen Geheimdienst und Berliner Sicherheitskreise.

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