Terrorangst in Deutschland
Angstmache hilft nicht

Was bedeuten die Anschläge von Paris für die Flüchtlingskrise in Deutschland? Kurz nach den Bomben fordern Söder und Co. schon Konsequenzen hierzulande. Das ist der falsche Weg. Ein Kommentar.

Man mache sich doch nichts vor: Natürlich sind die Flüchtlingsbewegungen nach Europa eine einzigartige Versuchung für Terroristen, Halsabschneider und Mörder, ihre Leute in die verhassten, weil angeblich so dekadenten Staaten Europas zu schleusen. Auch diese Art illegaler Schleusertätigkeit wird nicht so einfach von der Hand zu weisen sein, wie vielleicht sogar schon die in Paris gefundenen Fingerabdrücke belegen könnten.

Umso vorsichtiger, umsichtiger und vernünftiger sind bisher sämtliche Einlassung von obersten Geheimdienstlern wie auch von Strafverfolgern. Aus ihren kundigen Mündern kommt eine erfahrungsgesättigte Erkenntnis: Es gibt weitaus einfachere, weitaus unbeschwerlichere und auch weitaus unbehelligtere und vor allem: sicherere Wege, auf denen Dschihadisten und Terroristen ihren Weg nach Europa finden können. Bisher war es auch nicht bekannt, dass Terroristen mit Vorliebe ihr Konterfei von europäischen Grenzern ablichten, sich freiwillig die Fingerabdrücke abnehmen und sich auch stundenlang befragen lassen – unbewaffnet, sozusagen wehrlos dem Teufel Europa und seinen Strafverfolgern ausgeliefert.

Es ist also absurd, hier einen Zusammenhang zwischen Flüchtlingen vor den Dschihadisten und den Dschihadisten selbst zu konstruieren, wie es unter anderem der bayerische Finanzminister Söder (CSU) getan hat.

Es ist demnach auch politisch verantwortungslos und irrwitzig, wenn konservative Politiker nunmehr den Terroranschlag zum Anlass nehmen, die Flüchtlinge mit dem Hinweis zu stigmatisieren und denunzieren, sie seien alle potenzielle Gefährder.

Das ist ein bisschen so wie zu Zeiten der deutschen jüdischen Flüchtlinge, die gerade mal ihr Leben in Deutschland durch Flucht retten konnten, nur um dann in Frankreich oder Portugal als Gefährder aus dem Nazireich als Gefangene zu enden, die nicht in wenigen Fällen wieder an ihre Häscher und Mörder zurückgeschickt wurden. In den Tod also.

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