Terrorgefahr in Europa

Das Spiel mit der Angst

Erst New York, dann London, nun Paris – und als nächstes womöglich Berlin? Im Westen wächst die Angst vor dem Terror. Dabei werden Europäer nur selten Opfer eines Anschlags. Alles nur Hysterie also? Ein Kommentar.
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Auch bei den Deutschen wächst die Terrorangst. Quelle: dpa
Nach den Attentaten von Paris

Auch bei den Deutschen wächst die Terrorangst.

(Foto: dpa)

Ist man paranoid, wenn man auf dem Bahnsteig steht und plötzlich zusammenzuckt: Verflucht, wie will man hier einen Terroranschlag verhindern? Wen will man hier kontrollieren? Wie dieser Bedrohung entfliehen? Die Mehrheit der Deutschen plagen solche Gedanken. Sie befürchten Terroranschläge, hat eine Untersuchung herausgefunden.

Nein, man ist nicht paranoid, wenn man solche Befürchtungen hat. Die Bilder und die Nachrichten, die wir jeden Tag wie ein Schwamm aufsaugen sind voller Gewalt, Terrorismus, Anschläge, Erschießungen, Entführungen. Das Angstkapital ist im vergangenen Jahr gewaltig gestiegen.

Nicht paranoid und schon gar nicht zu verübeln sind solche Gedanken. Wohl aber sind sie übertrieben. Die Bilder von Kriminalität in unseren Köpfen – Kriminologen kennen dieses Phänomen seit langem - entsprechen nicht der Realität der tatsächlichen Bedrohung, da sie eher vom Gefühl denn von der Ratio geleitet sind.

Rüdiger Scheidges ist Handelsblatt-Korrespondent in Berlin.

Rüdiger Scheidges ist Handelsblatt-Korrespondent in Berlin.

Ein simples Beispiel: Alle wissen, dass die Chancen, in einen bösen Unfall verwickelt zu werden, millionenfach höher liegt als Opfer eines Terroranschlags zu werden. Und alle wissen, dass es aus allerlei Gründen bisher in Deutschland keine vergleichbaren Attentate wie in Frankreich, Belgien, Großbritannien, Spanien oder in Skandinavien gegeben hat. Dennoch befürchtet eine Mehrheit der Deutschen einen vergleichbaren Horror in Deutschland weit mehr als Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden. Warum nur? Doch Paranoia?

Viele Nachrichten, die uns ins Wohnzimmer kommen, machen uns kirre, auch wenn sie von weit her kommen und uns eigentlich nicht betreffen Es ist aber gerade das Singuläre und deshalb Spektakuläre der Anschläge, der Bruch mit der Normalität, das uns einschüchtert. Aber es ist auch die oft ebenso spektakuläre mediale Aufbereitung, die solche Ereignisse tagelang und immer wieder tief in unser Unterbewusstsein und dann das Bewusstsein einbrennt. Dessen können wir uns nicht erwehren.

Dennoch wäre gerade die Abwehr übertriebener und soufflierter Ängste das höchste Gebot der Stunde. Denn diese konkrete Angst und diese generelle Furcht sind genau das Ziel dieser Art von asymmetrischer Kriegsführung der Terroristen gegen westliche Gesellschaften. Auf dem Feld des Krieges haben sie bisher keine Chance gesehen, auf dem Terrain der bürgerlichen und zivilen Gesellschaft sehr wohl. Angst macht krank, gebiert Monster. Und davor ist auch die Politik nicht gefeit.

Denn viel zu leichtfertig, bedacht oder unbedacht, schüren Politiker diese Angst. Ihre oft losen Reden über die „abstrakt hohe Bedrohung“, unter der sich keiner etwas vorstellen kann; ihre heiklen Vorsichtsmaßnahmen wie das Räumen ganzer Stadien und Absperren ganzer Stadtviertel, ihr Vermengen von Terroristen mit Flüchtlingen, die prophylaktische Forderung nach dem Einsatz der Bundeswehr im Innern, die Aufrüstung von Polizisten mit Sturmgewehren, alles das suggeriert höchste, akuter Gefahr. Das Horrorszenario der Bedrohung von außen weckt Horrorszenarien der Bedrohung von innen. Jeder vernünftige Mensch muss doch denken: Was, so hoch ist die Bedrohung?

Fakten haben wenig Chancen gegen Angst
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24 Kommentare zu "Terrorgefahr in Europa: Das Spiel mit der Angst"

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  • Wie an der illegalen Einwanderung erkennbar ist, ist die Anstalt in einen Haus namens Kanzleramt.

  • Angst macht krank, gebiert Monster. "
    Genau und das beschleunigt in der nach Merkel-Zeit den Bürgerkrieg. Mit etwas Glück begrenzt auf ein paar Städte zum Zwecke des Erkenntnisgewinn für den darauf folgenden starken Mann.

  • Man sollte sich mehr und mehr mit den Thesen des Prof. Dr. Dr. Heinsohn von der Uni Bremen über den 'Youth Bulge' u.a. auseinadersetzen.

    Allerdings ist das für mich keine Theses mehr, sondern leicht und verständlich seit der Flüchtlingskrise bei uns vor der Haustür in Containern von der Kath. Kirche untergebracht leicht zu verstehen und Realität geworden.

    Wie sagte er in einem Fernsehinterview sinngemäß. Wer das alles weiß und im Jahre 2030 noch in Europa sich aufhält, ist selbst schuld.

  • Es werden keine Kirchen mehr gebaut. Die katholische und evangelische Kirche ruft zu Spenden für muslimische Flüchtlinge auf. Da bleibt für Gotteshäuser nicht mehr viel über.
    In den Printmedien jeder Kleinstgemeinde lesen Sie Lobeshümnen über die wunderschönen neuen Moscheen... geschrieben von Pfarrern!!!

    Vielleicht sollte man als Warenproduzent auch dazu übergehen in seinen Prospekten die Vorteile des Wettbewerbsproduktes hervorzuheben....
    Sind denn alle Deutschen der Anstalt nahe? Das fragt man sich wirklich als im Ausland lebender ehemaliger Deutscher.

  • Die Verringerung der Lebenserwartung durch Terroranschläge geht, selbst in Ländern wie Afghanistan statistisch gegen Null.

    Die Verringerung der Lebenserwartung durch abnehmenden Wohlstand ist hingegen sehr gut messbar! Schlecht genährt, mit H4 unterstützte Menschen sterben hingegen oftmals schon im Alter von nur 50 Jahren.

    Daher sollten sich die Deutschen eher Sorgen um ihren abnehmenden Wohlstand als um eine mögliche, theoretische Anschlagsgefahr machen.

  • Wer weiß, wann in Deutschland die letzte Kirche gebaut wurde?

  • Aus http://www.focus.de/politik/deutschland/gastebeitrag-von-necla-kelec-fluechtlinge-muessen-sich-aendern-wenn-sie-in-dieser-gesellschaft-ankommen-wollen_id_4977927.html:
    (…) Allmählich wird klar, dass mit den Zuwanderern auch die ethnischen, religiösen und kulturellen Konflikte aus diesen Regionen ins Land kommen.

    Es sind zu Zweidrittel junge Männer unter 30, die die beschwerliche Flucht nach Europa auf sich genommen haben. Sie sind die Scouts für ihre Frauen und Kinder, die darauf warten, auch hierher zu kommen.

    Sozialisiert wurden sie in einem islamischen Land, in dem seit Jahren Krieg herrscht: in Afghanistan seit über dreißig Jahren, im Irak seit über zehn und in Syrien seit fast fünf Jahren. Ihre Sozialisation und kulturelle Prägung ist von Gewalt, der Unterwerfung der Frauen durch die Männer, des einzelnen unter die religiöse Gemeinschaft, die Familie, den Clan geprägt.

    Einige sind sicher auch vor diesen Plagen geflohen. Aber alle kommen mit einer kulturellen Prägung hierher, die sich von dem libertären Freiheitsbegriff unserer Zivilgesellschaft fundamental unterscheidet. (…) Sie müssen lernen, die eigene Freiheit und die der anderen zu respektieren. Sie müssen Gewohnheiten ablegen, sich ändern, wenn sie in dieser Gesellschaft ankommen wollen.

    Das bedeutet aber auch, dass die aufnehmende Gesellschaft (…) auch im Zusammenleben Grenzen aufzeigt: Keine Gewalt, keine Diskriminierung Andersgläubiger, KEINE Frauenapartheid (m.E. wichtigster Punkt!!!)
    (…)

    Wir müssen auch strikt darauf achten, dass die Moscheevereine diese Menschen nicht - unter dem Deckmantel der Hilfe - in ihren alten Mustern des konservativen Islam bestätigen. Wer eine Gesellschaft in Gläubige und Ungläubige teilt, wer nicht kritisch mit dem Gewaltpotential des Islam wie aller Religionen umgeht, der hat im Integrationsplan nichts zu suchen.

    Mit den Islamverbänden, die sich als Missionare von der Türkei, aus Kuwait, Katar und Saudi-Arabien finanzieren lassen, macht man den Bock zum Gärtner.

  • Welches Land der Erde ist so Dumm, vorsätzliche Betrüger (weggeworfene Papiere), Falschpassnutzer etc. einzuladen und seine Sozialsysteme unterwandern zu lassen ? Wir laden das Problem ein, und wundern uns über Terrorgefahr !!! Noch Generationen werden die alte kinderlose Frau verfluchen.

  • Zwei Drittel der Befragten rechnen in 2016 mit einem Anschlag in Deutschland? Solche Sorgen wundern mich nicht, wenn man bedenkt, dass zigtausende Flüchtlinge in Deutschland ohne Registrierung unterwegs sind, von denen niemand weiß, woher sie kommen, wie sie heißen, wie sie aussehen, wo sie wohnen, von was sie leben, was sie vorhaben. Da kann die Polizei noch so viele und noch so ausgefeilte Sicherheitskonzepte entwerfen - sie gehen allesamt ins Leere, wenn ein unbekanntes Kontingent von Menschen nicht amtlich erfasst ist.

  • Wenn die islamistischen Terroristen es schaffen, eine Gesellschaft in Angst zu versetzen, dann haben sie in ihrer abgrundtief bösartigen Logik bereits gewonnen.
    Vor allem, weil dann die Bürger dieser Gesellschaften immer weniger bereit sind, ihre Freiheit zu verteidigen und sich leichtfertig in die "schützenden" Arme des tatsächlich "kältesten aller kalten Ungeheuer" (Nietzsche) zu werfen, nämlich des Staates.
    Die Folge ist dann jedoch über kurz oder lang ein Terror- und Überwachungsstaat, in dem sukzessive die Freiheitsrechte geopfert werden. Dabei wusste bereits Benjamin Franklin als einer der Väter der amerikanischen Verfassung: "WER DIE FREIHEIT AUFGIBT UM SICHERHEIT ZU GEWINNEN, DER WIRD AM ENDE BEIDES VERLIEREN."
    Nun haben die Amerikaner "dank" des Patriot Acts nur mehr Rest-Freiheiten - und die Franzosen und die meisten anderen Europäer werden im Zweifelsfalle auch nicht viel schlauer sein.
    Am bewundernswertesten haben hier noch die Norweger nach den Breivik-Attentaten reagiert, die ihre Freiheit eben nicht für trügerische Sicherheit abgegeben haben.
    Wohlgemerkt: als ERSTES hat hier der Staat grob fahrlässig gehandelt (und hier insbesondere die deutsche Regierung) durch ihre irrsinnige Flüchtlingspolitik und dem de facto-Außerkraftsetzen des Schengen-Abkommens: bei Privatpersonen würde man hier von organisierten Schleusern reden. Es spricht Bände, wenn nun selbst ernstzunehmede Warnungen aus Israel kommen, die selbstverständlich in den Propagandanachrichten unterschlagen werden.
    Erst schafft der Staat also Probleme, die im Zweifelsfalle dann natürlich aber seine Bürger mit Einschränkungen ihrer Freiheit auszubaden haben.

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