Terrorpropaganda im Netz
Kinder mit Kalaschnikows

Junge Menschen sind für islamistische Propaganda im Netz besonders empfänglich. Experten schlagen Alarm. Und die Politik fordert mehr Verantwortung seitens der Plattformen. Doch das ist gar nicht so einfach.

BerlinGrausame Hinrichtungen und Kinder mit Kalaschnikows – mit drastischen Bildern versuchen Islamisten über das Internet Kämpfer für den „Heiligen Krieg“ zu rekrutieren. Angesichts der Anschläge von Nizza, Würzburg und Ansbach will die Politik massiver gegen Propaganda im Netz vorgehen. Aber wie kann man die Hetze wirksam eindämmen? Mit welchen Strategien gehen die Dschihadisten vor? Und auf welche Kanäle verlagert sich der Islamismus im Internet?

Tatsache ist, dass Experten in den vergangenen Jahren eine klare Zunahme der Online-Hetze registrieren. „Es wird immer mehr und immer brutaler“, sagt Patrick Frankenberger von der länderübergreifenden Stelle jugendschutz.net. „Das hängt mit der Eskalation des Syrienkonflikts und dem Auftreten des Islamischen Staats und dessen Propaganda zusammen.“ Dieser setze auf harte Gewaltvideos, die es in dieser Form und vor allem in dieser Menge vorher nicht gegeben habe.

Der 36-Jährige ist Leiter des Projekts „Islamismus im Internet“. Mit seinem Team durchsucht er von Mainz aus deutschsprachige Seiten nach islamistischer Propaganda: Die Mittel – also die Bildsprache, die Symbolik oder das Narrative – seien weltweit sehr ähnlich, erklärt er. „Es geht immer um das gemeinsame Bündnis gegen Ungläubige.“

Eine zentrale Rolle spielen dem Experten zufolge Kinder. Sie würden einerseits als Opfer präsentiert, indem Bilder toter Kinder gezeigt werden. „Je grausamer, desto effektiver. Das schürt Rachegelüste und stachelt an.“ Auf der anderen Seite werden Kindersoldaten im militärischen Training gezeigt. „Damit wird demonstriert: Es wird ein lange Kampf, die nächste Generation steht bereit“, erklärt er.

Zudem steige der Druck auf ältere radikalisierte Jugendliche, die Jüngere kämpfen sähen und vermittelt bekämen: „Und ihr? Was sitzt ihr noch zu Hause rum?“ Extrem brutale Videos oder Bilder würden zwar auch viele abschrecken. „Aber wenn nur ein minimaler Prozentsatz der Rezipienten darauf anspringt, ist das schon extrem gefährlich.“

„Die Propaganda dschihadistischer Gruppen im Internet zeigt immer mehr Wirkung und kann zu spontanen Tathandlungen mit verheerenden Folgen führen“, warnte auch das Bundeskriminalamt. Angesichts des Attentats in Nizza mit 84 Totem, der Axt-Attacke eines Flüchtlings in der Nähe von Würzburg und dem Selbstmordattentat in Ansbach bekräftigten Politik und Ermittlungsbehörden erneut, massiver gegen die Propaganda im Netz vorgehen zu wollen.

„Ich finde es nicht zu viel verlangt, dass Hass-Mails, Anleitungen zum Bombenbauen und Ähnliches schneller aus dem Netz verschwinden“, erklärte Innenminister Thomas de Maizière bereits in der vergangenen Woche. Der Staat wolle keine Zensur üben. Die Bekämpfung und Vorbeugung von Straftaten müsse aber auch im Internet möglich sein.

Der CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl fordert, die Regierung müsse noch vor der Bundestagswahl aktiv zu werden, um zumindest die anonyme Beschaffung von Waffen und Rauschgift entscheidend zu erschweren, wie er den Zeitungen des Redaktions-Netzwerks Deutschland sagte. Der Münchner Amokläufer hatte sich eine Pistole im sogenannten Darknet besorgt, einem abgelegenen Teil des Netzes.

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