Test in acht Bundesländern
Erster Check für neue Gesundheitskarte

Im kommenden Jahr werden sich acht Bundesländer an der Erprobung der elektronischen Gesundheitskarte beteiligen, die 2006 die bisherige Krankenkassen-Chipkarte ersetzen soll. Die Tests sollen im Frühjahr starten.

HB BERLIN. Teilnehmen werden Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein, hieß es am Donnerstag in Regierungskreisen in Berlin. Die jeweiligen Untersuchungen finden allerdings in unterschiedlicher Größenordnung statt. Neben Mini-Tests mit wenigen Beteiligten - wie etwa in Flensburg - wird es auch Tests geben, in die wie im Raum Ingolstadt bis zu 100 000 Personen eingebunden sind.

Bei der Gesundheitskarte handelt es sich um die größte Informationsvernetzung im Gesundheitswesen weltweit. Bundesweit soll die neue Karte zum 1. Januar 2006 starten und ab diesem Zeitpunkt die mehr als 80 Mill. Patienten, 270 000 Ärzte, 77 000 Zahnärzte, 22 000 Apotheken, 2000 Krankenhäuser und mehr als 300 Krankenkassen miteinander vernetzen.

In Bayern wird vor allem der Raum Ingolstadt in die Testphase einbezogen, in Schleswig-Holstein wird es die Stadt Flensburg sein, in Nordrhein-Westfalen sind es die Städte Bochum und Essen. Beteiligt sind in Rheinland-Pfalz Trier, in Niedersachsen Wolfsburg sowie in Sachsen der Landkreis Löbau-Zittau. In Baden-Württemberg finden Versuche unter anderem in den Landkreisen Tübingen und Zollern-Alb sowie Heilbronn und im Rhein-Neckar-Kreis statt. Die Planungen vor Ort laufen bereits an.

Die Karte soll zunächst die Ausstellung eines elektronischen Rezepts ermöglichen und die bisherigen Standarddaten über den Patienten sowie den Zuzahlungsstatus enthalten. Für die Patienten freiwillig ist die Speicherung von Notfalldaten - etwa Allergien - sowie die Dokumentation eingenommener Arzneimittel. In den folgenden Jahren soll die Karte zu einer elektronischen Patientenakte weiterentwickelt werden, wodurch dann auch aktuelle Diagnosen, Impfungen und Röntgenbilder abgerufen werden könnten. In den einzelnen Pilotregionen werden jeweils unterschiedliche Funktionen erprobt - vom Notfallausweis, dem E-Rezept bis hin zum Zusammenspiel der einzelnen Beteiligten - aber teilweise auch aufwändige „Belastungstests“ durchgeführt.

Das Bundesgesundheitsministerium schätzt, dass mit Hilfe der Gesundheitskarte bis zu 10 000 Todesfälle pro Jahr vermieden werden können, die durch unbeabsichtigte Wechselwirkungen mehrerer Medikamente eintreten. Die Kosten zur Einführung der e-Card sind für den Bund mit 1,4 Mrd. € veranschlagt. Entgegen anders lautenden Berichten werde diese Summe auch eingehalten, verlautete aus Regierungskreisen.

Die Speicherung der Daten soll mit Ausnahme der Grundangaben, die direkt auf der Karte vermerkt werden, auf einer so genannten „Server-Farm“ geschehen. Hierbei handelt es sich um zehn bis 20 auf die gesamte Bundesrepublik verteilte Server, die sich gegenseitig jederzeit ersetzen können. Um Zugang zu den Daten zu erhalten, muss sich der Patient mit einer PIN-Nummer identifizieren. Außerdem benötigen Ärzte und Apotheker zur Erkennung der Daten spezielle Heilberufsausweise als zweiten Schlüssel. Auf der Oberfläche der Karte befindet sich ein Bild des Versicherten, um dem derzeit weit verbreiteten Missbrauch der Chipkarte einen Riegel vorzuschieben. Sicherheitstechnisch gilt das Projekt auch bei Datenschützern als unumstritten.

Zurzeit läuft unter Federführung dreier Fraunhofer-Institute ein Forschungs- und Entwicklungsprozess unter Beteiligung der Industrie, in dem die Details zu den technischen Komponenten geklärt werden. Allerdings werden alle benötigten High-Tech-Geräte bereits industriell gefertigt, so dass nicht mit Entwicklungsproblemen und Verzögerungen wie etwa bei der Lkw-Maut gerechnet wird. Die Forschungs- und Entwicklungsphase soll im März abgeschlossen werden.

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