Testergebnis eines Kindes steht noch aus
Keine Polonium-Belastung bei Hamburger Familie

In der Giftmordaffäre um den russischen Ex-Spion Alexander Litwinenko können drei betroffene Hamburger aufatmen: Bei der Ex-Frau von Litwienkos-Kontaktmann Dmitri Kowtun, ihrem neuen Lebensgefährten und einem ihrer beiden Kinder seien keine Rückstände der radioaktiven Substanz Polonium 210 nachweisbar.

dpa HAMBURG/LONDON. Das teilten die Hamburger Gesundheitsbehörde, das Bundesamt für Strahlenschutz und die Polizei mit. Keine der Proben, die unter klinisch kontrollierten Bedingungen entnommen wurden, hätten einen Hinweis auf eine Aufnahme von Polonium im Zusammenhang mit den unter anderem in der Wohnung der Frau gefundenen Kontaminationen ergeben, hieß es.

Auch für das zweite Kleinkind würden keine erhöhten Polonium-Werte erwartet. Diese Messergebnisse würden in der kommenden Woche vorliegen, da „die Analyse von Urin aus Windelmaterial mehr Zeit“ benötige, teilten die Behörden mit. Auch zwei Urinproben von Personen aus dem Bekanntenkreis der Familie hätten keinen Hinweis darauf ergeben, dass diese Polonium aufgenommen hätten.

Unterdessen sind nach Angaben der Polizei die Untersuchungen der Zentralen Unterstützungsgruppe des Bundes in Haselau (Kreis Pinneberg) abgeschlossen. Auch dort waren auf einem Anwesen, das der früheren Schwiegermutter Kowtuns gehört, Polonium-Spuren nachgewiesen worden. Eine Polizeisprecherin wies darauf hin, dass eine Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung und die Einsatzkräfte in Hamburg und Schleswig-Holstein ausgeschlossen werden könne.

Kowtun sagte dem Nachrichtenmagazin „Focus“, er sei selbst Leidtragender der Polonium-Affäre. Der russische Geheimdienst stecke „100-prozentig“ nicht dahinter. „Mit einer solchen Show Litwinenko umzubringen, ist doch Blödsinn““, sagte der frühere Offizier der sowjetischen Armee. Das Kanzleramt hat nach „Focus“-Informationen die deutschen Sicherheitsbehörden angewiesen, zum Hamburger Polonium-Fall keine Protokolle anzulegen. Die Regierung nehme damit Rücksicht auf das deutsch-russische Verhältnis. „Der Fall wird von uns wie eine heiße Kartoffel angefasst“, sagte ein hoher Regierungsbeamter.

Nach Medienberichten verfolgt die britische Polizei inzwischen eine neue Spur nach Moskau. Wie der Sender BBC berichtete, hat ein anderer russischer Ex-Spion bei einer Befragung durch Scotland Yard ausgesagt, Litwinenko sei ermordet worden, weil er für eine britische Firma ein belastendes Geheimdossier über eine „hohe Kreml-Figur“ zusammengestellt habe. Scotland Yard verfüge nach Angaben des Zeugen über eine Kopie des von Litwinenko angefertigten achtseitigen Dossiers. Der Focus berichtete, den Karlsruher Ermittlern lägen Auswertungen von Abhörprotokollen der britischen Polizei vor. Aus ihnen ergäben sich Hinweise, dass das Giftopfer Litwinenko den russischen Oligarchen Boris Beresowski erpresst haben könnte.

Kowtun hatte sich am 1. November in London mit Litwinenko getroffen. Am gleichen Tag war Litwinenko mit Polonium vergiftet worden. Der Ex-Spion starb drei Wochen später. Auf dem Weg nach London hatte Kowtun Station in Hamburg gemacht, wo er auch in der Wohnung seiner Ex-Frau übernachtet hatte. Der russische Geschäftsmann soll derzeit in Moskau in einer Spezialklinik wegen einer Strahlenvergiftung behandelt werden.

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