"The Economist"
Lobeshymnen auf „Muskelprotz Deutschland“

Das britische Wirtschaftsmagazin dürfte über jeden Zweifel erhaben sein, es sei hart im Urteil und objektiv in der Sache. Doch nun loben die Londoner Journalisten Deutschland über den grünen Klee - den Kanzler wird's freuen. Kritik muss ausgerechnet die Opposition einstecken.

HB LONDON/BERLIN. Der einflussreiche "Economist" begeistert sich in seiner neuesten Ausgabe für "Deutschlands überraschende Wirtschaft". Als Symbol für die deutsche Stärke prangt auf dem Titelblatt der Bundesadler, der die Arme spannt und seine Muskeln spielen lässt. "Deutschland ist superwettbewerbsfähig", lautet das Urteil des renommierten Magazins. Angloamerikanische Ökonomen halten das Potenzial der deutschen Wirtschaft für unterschätzt.

Tatsächlich haben die Reformen der vergangenen Jahre den Standort attraktiver gemacht. Lange Zeit war Deutschland der teuerste Wirtschaftsplatz Europas. Seit Ende 90er Jahre sind die Lohnstückkosten aber um zehn Prozent gefallen, weil die Löhne kaum noch stiegen. "Deutschland hat im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien und Großbritannien aufgeholt und einen Wettbewerbsvorteil erzielt“, sagt der Chefvolkswirt der amerikanischen Citigroup, Jürgen Michels.

"In Deutschland ist man betriebsblind"

Für ausländische Unternehmen gehört Deutschland zu den attraktivsten Standorten der Welt. Nach einer Umfrage des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young unter 670 ausländischen Firmen belegt Deutschland in diesem Jahr den fünften Platz in der Welt. In Europa erfreue sich nur Polen größerer Beliebtheit als "Germany".

Gute Noten erteilten die Investoren der Infrastruktur, der Ausbildung von Arbeitskräften und der Rechtssicherheit. "Viele Vorteile werden in Deutschland als selbstverständlich betrachtet. Da ist man betriebsblind", sagt Peter Englisch von Ernst & Young.

Einen großen Vorteil hat nach Expertenansicht in den vergangenen Jahren die Lohnzurückhaltung gebracht. Die umstrittenen Hartz-IV-Reformen brachten den Arbeitsmarkt in Schwung. Die Arbeitnehmer plagt die Angst vor Jobverlust. "Das hat die Verhandlungsposition der Firmen bei neuen Tarifabschlüssen gestärkt und die Macht der Gewerkschaften geschmälert", schreibt der "Economist". Die Dax-Unternehmen konnten ihre Bilanzen sanieren, und der über Jahre kränkelnde Bankensektor habe seine Kosten unter Kontrolle gebracht.

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