Thierse fühlt sich missverstanden
„Kohl ließ seine Frau im Dunkeln sitzen“

Unionspolitiker sind entsetzt über Äußerungen von SPD-Politiker und Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse. Dieser hatte die Entscheidung von Franz Müntefering verteidigen wollen, sich aus familiären Gründen aus der Koalition zurück zu ziehen – und dabei Altkanzler Helmut Kohl angegriffen.

HB BERLIN. „Das war gar keine Kritik an Helmut Kohl. Ich habe längst an Helmut Kohl einen Brief geschrieben und dies klargestellt und auch mein Bedauern ausgedrückt, wenn dieser Eindruck einer Kritik entstanden ist“, sagte Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse Das Zitat in der „Leipziger Volkszeitung“ sei eine verkürzte und nicht autorisierte Fassung eines Gesprächs gewesen, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag dem Sender N24.

Nachdem Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) seinen Rücktritt erklärt hatte, um sich um seine erkrankte Ehefrau zu kümmern, hatte Thierse laut „Leipziger Volkszeitung“ gesagt: „Seine Frau im Dunkeln in Ludwigshafen sitzen zu lassen, wie es Helmut Kohl gemacht hat, ist kein Ideal.“

Er habe damit versucht zu beschreiben, dass es in dem schwierigen, spannungsreichen Verhältnis zwischen Politik und Familie, öffentlichem und privatem Leben keine idealen Lösungen gebe. Und wie man sich entscheide, werde es sofort wiederum politisch und meistens hämisch kommentiert, sagte Thierse.

Die Äußerung hatte heftige Empörung ausgelöst. Politiker aus CDU und CSU forderten am Donnerstag eine Entschuldigung und teilweise sogar den Rücktritt des SPD-Politikers.

Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) sprach in der in Hannover erscheinenden „Neuen Presse“ von einer „dümmlichen Äußerung“ und forderte innerhalb von 24 Stunden eine Entschuldigung Thierses. Andernfalls müsse der SPD-Politiker zurücktreten. CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer sagte der „Passauer Neuen Presse“, es sei „geschmacklos, wie Herr Thierse versucht, aus persönlichen Schicksalen politisches Kapital zu schlagen“.

Hannelore Kohl, die Frau des früheren Bundeskanzlers, hatte bereits während dessen Amtszeit unter einer Lichtallergie gelitten und sich 2001 das Leben genommen.

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