Thomas de Maizière
Der Aufstieg des Merkel-Flüsterers

Bundesinnenminister Thomas de Maizière wird als neuer Finanzminister gehandelt. Loyal gegenüber seinen Chefs und anständig zu seinen Untergebenen ist er eher an konkreter Problemlösung denn an martialischer Selbstdarstellung interessiert.
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In den zwei wichtigsten Gefilden der deutschen Politik kennt sich Thomas de Maizière (CDU) bestens aus: bei den Finanzen und bei Angela Merkel. Kein Wunder also, dass es der Bundesinnenminister und langjährige Vertraute der Kanzlerin war, der in diesem Mai den erkrankten Finanzminister Wolfgang Schäuble beim Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel vertreten "durfte". Laut Geschäftsordnung wäre Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) an der Reihe gewesen, Schäuble beim großen Showdown zu vertreten.

Damals sorgte Merkels Wahl für Aufregung. Dabei kam ihr Vertrauensbonus für den Parteifreund nicht ganz so überraschend. Immerhin hatte de Maizière nicht nur in Sachsen bereits erfolgreich als Finanzminister gearbeitet, sondern auch in den Koalitionsverhandlungen für die Union die zentrale Arbeitsgruppe Steuern und Finanzen geleitet. Heute aber wird der Stellvertreterjob in Brüssel für viele zum Indiz dafür, dass de Maizière als Nachfolger für Schäuble längst bereitsteht.

Konkurrenz hätte er dabei keine zu befürchten: Kein anderer Konservativer oder Liberaler wird derzeit überhaupt als möglicher Nachfolger des gesundheitlich angeschlagenen und politisch weidwunden Schäuble gehandelt. Und de Maizière tut auch heute das, was er stets tut. Er wiegelt ab, er winkt ab, und er lässt überall verbreiten, "da sei nichts dran". Vom Personalchef bis zum Mitarbeiter auf dem Flur: Niemand entdeckt die leisesten Anzeichen dafür, dass im Innenministerium bald das große Bedauern über einen möglichen Weggang des allenthalben geschätzten Ministers ausbrechen könnte.

Alles andere als Zurückhaltung wäre bei dem Sohn des ersten Generalinspekteurs der Bundeswehr, Ulrich de Maizière, auch verwunderlich. Beim gebürtigen Bonner mit politischen Wurzeln in Sachsen - dort war er Leiter der Staatskanzlei, dann Finanzminister und hätte wohl auch Ministerpräsident werden können - verläuft alles immer auf die sanfte Tour. "Stark ist nicht, wer lauthals etwas fordert, stark ist, wer leise etwas durchsetzt", räumte er schon beim Amtsantritt mit dem demonstrativen Sheriff-Gehabe seiner Vorgänger auf. Das "ganz große Kino", das viele Politiker, besonders aber Innenminister zur Hebung der eigenen Bedeutsamkeit inszenieren, war seine Sache bisher nie - und wird es wohl auch nimmer werden.

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  • ...und Frau Merkel nebulös. Wer da nicht mitspielt hat schlechte Karten.
    Die biografie des Herrn de Maiziere ist glatt, wenn da nicht die frühe (1990)Parteinahme für Merkel aus dem Hause Kasner wäre. Was hat den so ordentlich erscheinenden de Maiziere bewogen, eine "unbekannte" FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda und offenkundige iM, Tarnname iM Erika, für eine wesentliche Schaltstelle in der Politik zu empfehlen? Geht die persönliche bekanntschaft auf den mehrtägigen bRD-besuch Merkels im Jahr 1986 zurück?
    Über 3.000 inoffizielle Mitarbeiter der Stasi tummelten sich zur Maueröffnung in der bRD. im Jahr 1990 gab es zwei Attentate auf deutsche Spitzenpolitiker. Und erstaunlicherweise gibt es bei den Stasiakten ein großes Loch, wo gar keins sein dürfte. Peter-Michael Diestel, ehemals DDR-innenminister unter Lothar de Maiziere (iM Czerni) und damaliger Herr "aller" Stasiakten, ist ein besonderer Kenner der Materie. Er meint, die wirklich wichtigen Akten wurden rechtzeitig ausgeräumt. Wofür? Wer sind die Aufsteiger?

    Haben so viele Spitzenpolitiker geschmissen, um nicht noch als geistesverwirrt abgestempelt zu werden?
    Hier kann man nur allerhöchste Vorsicht empfehlen.
    Vielleicht sollte Schäuble selbst seinen Nachfolger bestimmen.

  • Sollte es Menschen geben, die mehr über iM Erika erfahren wollen. Hier der Link zu ihrer Vergangenheit: http://brd-schwindel.com/ist-angela-merkel-stasi-mitarbeiter-gewesen/

  • Jawohl de Maizières der Mann mit dem wirren blick wird unsere Finanzen schon in Unordnung bringen. Ein Feigenblatt für die schlechte Politik von iM Erika. Herr de Maizières wollten Sie so tief sinken oder hatten Sie keine andere Wahl? Hat iM Erika ihnen befohlen das Amt anzunehmen? Für diese inoffizielle Mitarbeiterin im ehemaligen SED-Staat würde ich keinen Finger krumm machen. Dann lieber Hartz4.

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