Thomas de Maizière
Ein Merkel-Vertrauter für die Bundeswehr

Nach 16 Monaten als Bundesinnenminister wechselt Thomas de Maizière das Ressort: Er wird Nachfolger des zurückgetretenen Verteidigungsministers. Für den Merkel-Vertrauten wäre dies eine neue Herausforderung.
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BerlinFinanzen, Justiz, Inneres: Thomas de Maizière hat schon einige Ministerämter auf Landes- und Bundesebene hinter sich. 

Nun übernimmt der CDU-Politiker und bisherige Bundesinnenminister das Verteidigungsressort von dem zurückgetretenen Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Für den Allrounder de Maizière dürfte das eine besondere Herausforderung sein. Ablehnen kam für ihn nicht in Frage: de Maizière ist mit Leib und Seele Preuße und Beamter, der um die Schwere und Größe von Aufgaben weiß. 

Der 57-Jährige gilt als enger Vertrauter von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Das erste Mal begegneten sie sich 1990, als Merkel noch Pressesprecherin des Demokratischen Aufbruchs war und de Maizière CDU-Sprecher in West-Berlin. De Maizière wurde Berater seines Cousins Lothar de Maizière, dem letzten DDR-Ministerpräsidenten. Merkel wurde Vize-DDR-Regierungssprecherin. Aus der täglichen Begegnung sei ein Verhältnis „tiefen Vertrauens“ erwachsen, sagte de Maizière einmal. 

In Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern durchlief der Sohn des früheren Bundeswehr-Generalinspekteurs Ulrich de Maizière einige Ministerämter. 2005 machte Merkel den gebürtigen Bonner zum Chef des Kanzleramtes. Dort spielte sich eine Arbeitsteilung ein: Merkel hielt die große Koalition zusammen. Ihre Vorbereitung auf Themen und die Koordinierung der Arbeit waren vor allem Sache von de Maizière. Der verheiratete Vater dreier Kinder ist promovierter Jurist. 

Mit seiner Verwaltungserfahrung war und ist er für Merkel ein Joker. De Maizière verkörpert preußische Tugenden wie Fleiß und Geradlinigkeit. Im Kanzleramt musste de Maizière alle Ressorts im Auge behalten. Nach der Bundestagswahl 2009 agierte de Maizière als Koalitions-Anbahner im Hintergrund. Viele gingen damals davon aus, dass Schäuble Innenminister bleiben würde. Doch Schäuble wechselte ins Finanzressort - und de Maizière trat dessen Nachfolge an, obwohl er selbst auch als Finanzminister im Gespräch gewesen war. 

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  • Merkels Geheimniskrämerei hat mich dazu gebracht, daß ich der in Wort, Schrift und Handlung nichts abnehmen kann, obwohl eine Frau als Kanzlerin schon ein verlockendes Angebot war.
    Und bei Thomas de Maizière denke ich automatisch an Günter Guillaume.
    Bei meinem Zweifel gehe ich von der Situation nach dem Mauerbau aus, wo uns über die ev. Kirche im Osten durch Freikäufe Stasi-Agenten geschickt wurden und diese wiederum Mitarbeiter anwarben. Interessant waren dabei Personen, die durch familiäre Beziehungen Zugang zu Staatsdienern hatten. Als Zentralfigur sehe ich Merkels Vater, den „Roten Kasner“.

    Thomas de Maizière macht den Eindruck eines sorgfältigen Beamten. Und so ist es erstaunlich, daß genau dieser ordentliche Mann nur wenige Monate nach dem Mauerfall, nach einer Zufallsbegegnung und einer einfachen Bitte hin, Merkel seinem Cousin Lothar de Maizière als persönliche Mitarbeiterin empfahl. Pressesprecher wird man nicht so mir nichts, dir nichts.
    Nach meinem Verständnis ist diese Angelegenheit super faul und eine Gefahr für die Meinungsfreiheit!
    Hans-Peter Friedrich könnte Merkel sehr hilfreich sein, denn: Wir haben keinen ewigen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft.

  • Will ich hoffen das so eine Misere wie bei der Polizei wird beim Bundeswehr nicht passieren.

  • Die ersten 100 Tage

    Die beiden "neuen" Minister bekommen hoffentlich von ihren "Feinden", aber hoffentlich auch von ihren "Freunden" die üblichen ersten 100 Tage um sich in ihren neuen Ämtern einzugewöhnen. Als Steuerzahler wünsche ich jedem Minister ein gutes Gelingen, weiss ich doch nur allzugut wer die Fehler von schlechten Ministern bezahlen darf: der gemeine Steuerzahler.

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