Thomas de Maizière
Merkels Mann für die Zahlen

Mit einem Spezialauftrag geht der bisherige Kanzleramtschef Thomas de Maizière in die Koalitionsgespräche. In der Steuerungsgruppe Finanzen soll er mit FDP-Finanzexperte Solms die künftige Finanzpolitik aushandeln. Das nährt die Spekulationen in Berlin: Der 55-Jährige könnte der nächste Finanzminister werden.
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BERLIN. Seit einigen Tagen ist Thomas de Maizière (CDU) voll in seinem Element. In den Koalitionsgesprächen mit der FDP folgt eine Sitzung auf die andere. Der Kanzleramtschef jagt zwischen Kanzleramt, Bundestag und Landesvertretungen hin und her. Sein Spezialauftrag von Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel lautete, in der zentralen Steuerungsgruppe Finanzen über die Zahlen zu wachen. Auch am Dienstag sitzt er als "Herr der Zahlen" der Union mit dem FDP-Finanzexperten Hermann Otto Solms zusammen, um an einem neuen Sonderfonds für die Sozialkassen zu basteln.

In Berlin hat genau dieser Auftrag viele Spekulationen ausgelöst. Denn der 55-Jährige ist in den Koalitionsverhandlungen einer der engsten Vertrauten Merkels. Die Tatsache, dass ausgerechnet der Kanzleramtschef über den zentralen Bereich Finanzen wacht, hat ihn an die Spitze der möglichen Kandidaten für ein CDU-geführtes Finanzministerium gesetzt.

Der Spross aus einer hugenottischen, preußischen Soldatenfamilie gilt ohnehin als Allzweckwaffe der Kanzlerin. Das liegt nicht nur daran, dass er zu dem kleinen, meist protestantischen Kreis von Vertrauten Merkels gehört, die vor allem seine schnörkellose Art, Genauigkeit und absolute Loyalität schätzt. Es liegt auch an seiner breiten politischen Erfahrung. Denn im Freistaat Sachsen hatte de Maizière bereits als Innen-, Justiz- und als Finanzminister gearbeitet - "gedient", würde er selbst wohl sagen. Zuvor war er in Mecklenburg-Vorpommern Kultus-Staatssekretär.

Gerade dieses breite Themenwissen hat dem in Bonn geborenen Juristen die Abstimmungsarbeit als Kanzleramtschef enorm erleichtert - auch wenn sich seine Koordinierungsrolle im Rahmen der Großen Koalition oft mehr auf die Unionsseite und nicht den SPD-Koalitionspartner bezog. Jedenfalls gilt er als einer der wenigen, die für die Bundeskanzlerin als künftige Kabinettsmitglieder gesetzt sind - auf welchen Posten auch immer. Vor wenigen Tagen sprach sie ihm das wohl größte Lob aus, das eine Regierungschefin ihrem Cheforganisator erteilen kann: Ohne ihn hätte sie nicht erfolgreich sein können.

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