Thüringen
Althaus: Allein auf weiter Flur

Noch am Mittwochabend schien alles klar: Die Kanzlerin stellte sich hinter Thüringens Ministerpräsidenten Dieter Althaus, weist Rücktrittsforderungen der SPD zurück. Am Donnerstag dann die faustdicke Überraschung: Althaus geht freiwillig und macht so den Weg für eine Große Koalition frei. Vorangegangen war ein Tag voller Kuriositäten.

BERLIN. Noch am Mittwochabend scheint bei der CDU die Schlachtordnung klar zu sein. Auch Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel stellt sich hinter Thüringens Ministerpräsidenten Dieter Althaus: Es sei "allgemeiner Brauch", dass sich Parteien nicht in Personaldebatten anderer Parteien einmischten, weist Merkel die SPD-Rücktrittsforderungen gegen Althaus brüsk zurück. Die Sozialdemokraten scheinen trotz herber Verluste der CDU bei der Landtagswahl am vergangenen Sonntag in der "Thüringen-Falle" gefangen zu sein: Entweder sie wählen einen Politiker der Linkspartei zum Ministerpräsidenten - oder aber sie müssen für eine Große Koalition doch Althaus als Chef akzeptieren.

Doch am Donnerstagmorgen wirft Althaus die gesamte Strategie plötzlich über den Haufen. Morgens um neun betritt er die Staatskanzlei in Erfurt, berät sich dort mit Mitarbeitern. Dann geht alles sehr schnell. Der Kanzlerin schickt Althaus einen handschriftlichen Brief mit Erklärungen und Dank nach Berlin. Dann wird ein Rücktritts-Statement aufgesetzt. Als es um 10.57 Uhr versandt wird, hat Althaus die Regierungszentrale bereits wieder verlassen. An den Gremiensitzungen seiner Partei nimmt er nicht mehr teil. Er zieht sich zurück in seine Heimat, nach Heiligenstadt.

Während selbst Althaus-Vertraute wie der CDU-Fraktionschef Mike Mohning oder Sozialministerin Christine Lieberknecht rätseln, wie es zu der Entwicklung kommen konnte, verweisen andere Unionisten auf die Fraktionssitzung am Mittwochabend. Dort soll Althaus nach einem Streit aus der Fraktion gestürmt sein - ohne allerdings zu erklären, er werde den Bettel hinwerfen. Allerdings hat der thüringische Ministerpräsident bereits zu diesem Zeitpunkt das feste Gefühl, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis immer mehr Parteifreunde von ihm abrücken. Selbst die demonstrative Solidaritätsadresse der Kanzlerin ändert daran nichts.

Dass Merkel am Donnerstag trotz des Briefs erst verspätet von Althaus' Rücktritt erfährt, ist an diesem Tag nur eine von vielen Kuriositäten. Denn die Kanzlerin weilt gar nicht in Berlin, sondern in Tuttlingen auf der Feier zum 60. Geburtstag von CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder. Hier beginnt sie mit ihrem Krisenmanagement, dankt Althaus bei einem Auftritt in Freiburg. Alles soll sich normal anhören. Dabei verliert Merkel mit dem Thüringer einen ihrer wichtigsten Vertrauten.

Schnell wird die neue Parole ausgerufen: Der Schritt sei bei aller Tragik für die Person letztlich gut für die Union, weil die SPD nun noch stärker unter Druck gesetzt werden könne, eine Große Koalition einzugehen, heißt es plötzlich in Berlin und Erfurt. "Jetzt ist der Weg frei für die Sozialdemokraten, in ernsthafte Gespräche mit der CDU zur Bildung einer Regierung einzutreten", betont Merkel. Für sie ist als Symbol wichtig, dass die Union erneut den Ministerpräsidentenposten besetzt.

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