Thüringen
Genossen im Grabenkampf – die Urwahl als Störfall

Die SPD in Thüringen bestimmt am Sonntag ihren Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2009 – Die Bundespartei ist alarmiert, denn bei der Entscheidung zwischen Christoph Matschie und Richard Dewes geht es auch um den Umgang mit der Linkspartei.

ERFURT. Die zehnjährige Luisa-Kristin reicht den Gästen rote Rosen – doch was die Sehnsucht der Basis nach Harmonie symbolisiert, wirkt fehl am Platz. Der hohe Besuch im „Volkshaus“ ist weniger ein Glücks- als ein Störfall. Thüringens SPD steht vor der Zerreißprobe. Und weil das so ist, reden Christoph Matschie und Richard Dewes nicht miteinander, sondern übereinander. Und jeder von sich. Gern auch vor anderen. So wie an diesem Tag in Sömmerda, einem Städtchen nördlich von Erfurt.

„Wir wollen nicht nur Höflichkeiten austauschen“, sagt Jörg Hopfe vom hiesigen Ortsverein. Eins ist klar: Die Basis will dem SPD-Landesvorsitzenden und seinem Herausforderer, Ex-Parteichef Dewes, auf den Zahn fühlen. Einer von beiden soll die Partei schließlich in den Landtagswahlkampf führen. Am Sonntag entscheiden die Mitglieder in einer Urwahl über den Spitzenkandidaten – und so über die Strategie für 2009. Berlin ist alarmiert.

Denn mit dem Kandidaten verbindet sich eine Frage von enormer Tragweite – nicht nur für die Sozialdemokratie, sondern für die Parteienlandschaft in Deutschland: Soll die SPD einen Ministerpräsidenten der Linkspartei mittragen? In Thüringen könnte sich die Frage erstmals stellen, darauf deuten Umfragen hin.

Während die CDU unter ihrem Ministerpräsidenten Dieter Althaus derzeit zwischen 30 und 40 Prozent der Wählerstimmen pendelt, ihren komfortablen Vorsprung bei der Landtagswahl 2009 also zu verlieren droht, könnten es Linkspartei und SPD auf die Hälfte der Wählerstimmen bringen. Der Schönheitsfehler: Die Linke liegt deutlich vor den Sozialdemokraten. Das Amt des Regierungschefs fiele also an sie – und die SPD hielte als Juniorpartner den Steigbügel für Bodo Ramelow, den Spitzenkandidaten der Linken. Der Bundestagsabgeordnete und Fraktionsvize holte für seine Partei in Thüringen schon 2004 satte 26,1 Prozent. Wird sich die „alte Tante“ also mit der Rolle des Ramelowschen Stallburschen begnügen?

SPD-Landeschef Matschie sagt Nein: „Ich setzte auf Sieg, nicht auf Platz. Alles andere ist eine Verliererdiskussion. Und die führe ich nicht.“ Im Volkshaus von Sömmerda gibt sich der 46-Jährige kämpferisch, breitbeinig gestikulierend, entspannt souverän. Bis Sonntag wird er 20 solcher Duelle hinter sich haben. Seine Rhetorik ist eingeschliffen: Wechselstimmung erzeugen, Kante zeigen. Eine Kooperation mit der Linken? Nur unter sozialdemokratischer Dominanz, wenn es nicht anders geht: „Die SPD kann Wechselwähler von der CDU anziehen. Das hat Hessen gezeigt. Wenn wir mit der Linken liebäugeln, gewinnen wir diese Wähler nicht.“

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