Thüringens CDU
Wahlkampf mit einem Phantom

Thüringens CDU will mit Dieter Althaus im Sommer die Landtagswahlen gewinnen und kann über den Gesundheitszustand des Ministerpräsidenten doch nur rätseln.

WERTHER/ ERFURT. Der Patient nutzt das Internet und führt kürzere Telefonate. Er macht Spaziergänge, auch außerhalb der Klinik. Mit der Konzentration klappt es "langsam, aber kontinuierlich besser". Zweifel daran, dass er in die Politik zurückwill, lässt er keine. Noch vor der Sommerpause soll es so weit sein.

Wenn Joachim Liepert über Dieter Althaus referiert, blickt das politische Thüringen nach Allensbach am Bodensee - dem Ort, an dem sich der Ministerpräsident nach seinem Skiunfall vom Neujahrstag in einer Rehaklinik erholt. Und wenn seine Ärzte, wie gestern, über Fortschritte sprechen, dann geht es nicht nur um die Genesung eines Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma, sondern um die Zukunft eines prominenten Politikers im Superwahljahr.

Trotz der guten Nachrichten von Dienstag bleiben bei den Beobachtern im fernen Erfurt daher Fragen: Wie lange muss Althaus sich schonen? Und, wichtiger: Wie belastbar wird er nach seiner Rückkehr sein?

Es sind Fragen, die Unruhe verraten. Unruhe, die sich speist aus Bildern wie dem des gebrechlichen Althaus am Arm seiner Frau in der Fußgängerzone von Konstanz. Unsicherheit, die herrührt aus Sätzen wie dem, mit dem der Arzt vergangene Woche den Zustand seines Patienten beschrieb. "Er spricht mit mir über Politik, wenn ich das Thema aktiv anspreche. Herrn Althaus' Gesundheitszustand ist im Moment aber nicht so, dass er auf Politik fokussiert ist und dieses von sich aus betreibt."

Glaubt man Mike Mohring, verlaufen Heilungsprozess und Wahlkampfplanung synchron. "Ich weiß von Dieter Althaus, dass er wieder in die Politik zurückkehren will", sagt er. Der 37-jährige Fraktionschef steht am Rednerpult in einem für Karneval geschmückten Saal in Werther, einem Weiler an der Autobahn nach Leipzig. Mohring steht dort, wo eigentlich Althaus auftreten müsste, und referiert über das Programm, mit dem der Patient vom Bodensee nach der Landtagswahl regieren soll. Die Basis, Kommunalpolitiker und Kreisräte, hört zu.

Mohring ist in diesen Tagen so etwas wie Althaus' Statthalter in Thüringens CDU, sein holzgetäfeltes Büro im alten Landtagsgebäude die Zentrale einer Art Übergangstriumvirats. Dem gehören neben ihm noch Wahlkampfmanager Andreas Minschke und die stellvertretende Ministerpräsidentin Birgit Dietzel an.

In Werther, in einem Gasthof im "Hotel zur Hoffnung", hetzt er durch das Programm. Mittelstandsfördergesetz, Landes-Bafög, Lehrerausbildung - an fast jeden Punkt klebt er den Namen "Dieter Althaus" wie ein Gütesiegel.

Das verbreitet Zuversicht, doch wie Althaus, der gläubige Katholik, den Tod der 41-jährigen Slowakin verkraftet, die bei dem Zusammenstoß an einer Pistenkreuzung im Skigebiet Riesneralm ums Leben kam, weiß keiner wirklich. Seine Freunde sagen, er habe schwer daran zu tragen. Doch der politische Kalender richtet sich nicht nach den Therapiefortschritten am Bodensee. Im Juni finden Kommunalwahlen statt, Ende August wird in Thüringen der Landtag gewählt.

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