Thumann schließt „Zwischenlösung“ nicht aus
BDI offen für Einstieg des Staates bei EADS

Der Streit darüber, wie der deutsche Anteil an dem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS gesichert werden kann, nimmt eine überraschende Wendung. Die deutsche Industrie ist offen für eine vorübergehende staatliche Beteiligung an EADS, obwohl der Einstieg zurzeit wenig attraktiv ist.

BRÜSSEL / BERLIN. Die deutsche Industrie ist offen für eine vorübergehende staatliche Beteiligung an dem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, um den deutschen Einfluss auf das industriepolitisch wichtige Unternehmen zu sichern. Es sei verständlich, wenn die Politik als „befristete Zwischenlösung“ eine Beteiligung der staatlichen KfW-Bankengruppe an EADS erwäge, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, dem Handelsblatt.

Damit nimmt der Streit darüber, wie der deutsche Anteil an EADS gesichert werden kann, eine überraschende Wendung. Industrievertreter hatten sich bisher stets vehement gegen einen Einstieg des Staates bei dem deutsch-französischen Gemeinschaftsunternehmen ausgesprochen, darunter der EADS-Co-Vorsitzende Thomas Enders. Anlass der Debatte sind die Pläne des EADS-Großaktionärs Daimler-Chrysler, seinen Anteil von 22,5 auf 15 Prozent zu verringern.

Thumann betonte, der BDI bevorzuge eine privatwirtschaftliche Lösung, sollte Daimler-Chrysler einen Teil seiner EADS-Beteiligung tatsächlich verkaufen wollen. „Am besten wäre es, wenn sich ein bis drei Großinvestoren oder eine Gruppe mittelständischer Unternehmen beteiligen, sagte der BDI-Präsident. „Angesichts der aktuellen Entwicklungen bei Airbus ist aber eine solche Suche nach privaten Investoren sicher nicht einfach“, erläuterte er sein Verständnis für einen vorübergehenden Einstieg der staatlichen KfW bei dem Mutterkonzern EADS.

Airbus drohen hohe Verluste und Regressforderungen, weil das neue Prestigeprodukt, der A 380, erst deutlich später als geplant ausgeliefert werden kann. Der Einstieg in die Airbus-Muttergesellschaft EADS ist deshalb zurzeit wenig attraktiv.

Die Bundesregierung bemüht sich dennoch intensiv um eine Lösung für das Aktienpaket, das Anteilseigner Daimler-Chrysler verkaufen möchte. Derzeit werden verschiedene Modelle durchgespielt. Als wahrscheinlichste Variante gilt der Einstieg der KfW. Die Bundesregierung hält außerdem nach privaten deutschen Investoren für den 7,5-Prozent-Anteil des Autokonzerns Ausschau. Es gebe derzeit „den Versuch, ein Konsortium zu bilden, dass dann zur Verfügung steht“, falls Daimler-Chrysler einen Teil seines Anteils rasch verkaufen sollte, sagte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU).

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