Tierseuche
Bundesländer bunkern zuwenig Vogelgrippe-Impfstoff

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Reinhard Kurth, hat eine Grundgesetzänderung vorgeschlagen, um die Bevölkerung besser gegen die Folgen der Vogelgrippe zu schützen zu können.

HB BERLIN. Weil die Bundesländer nicht in ausreichendem Maße virushemmende Medikamente beschafft hätten, müsse der Bund mehr Verantwortung übernehmen, forderte Kurth am Donnerstag im ZDF. "Dazu müsste letztlich sogar das Grundgesetz geändert werden, da müssen die Länder mitspielen".

"Die Länder haben sich noch nicht ausreichend vorbereitet. Die Gefahr wird unterschätzt", sagte Kurth der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Es müsse bedacht werden, dass einer Pandemie Zehntausende von Menschen in Deutschland zum Opfer fallen könnten und die gesamte Wirtschaft zum Stillstand kommen könnte.

Die Bundesländer hätten bislang nur für zehn Prozent der Bevölkerung virenhemmende Medikamente bestellt, so der Seuchenexperte. Sein Institut empfehle aber, Vorräte für mindestens 20 Prozent der Bevölkerung anzulegen. Das Robert-Koch-Institut ist dem Bundesgesundheitsministerium unterstellt.

Die Gefahr einer Influenza-Epedemie bewertete Kurth als ernst. "Die Gefahr einer Pandemie ist real, und das Risiko derzeit so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr." Unter Pandemie versteht man den länderübergreifenden oder sogar weltweiten Ausbruch einer Krankheit. Im Gegensatz zur Epidemie ist eine Pandemie weder zeitlich noch örtlich beschränkt.

In Asien sind an der Vogelgrippe bislang mehr als 50 Menschen gestorben. Die Vogelgrippe hatte sich in den vergangenen Tagen nach Westen ausgebreitet. Eine Expertenrunde unter Leitung des Verbraucherschutzministeriums sollte am Donnerstag über Vorsichtsmaßnahmen in Deutschland beraten.

Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) sagte im ZDF, die Regierung gehe vom schlimmsten Fall aus, "obwohl wir noch gar nicht den Beweis haben, dass das für den Menschen gefährliche Virus im Ural angekommen ist." Deshalb würden Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Noch wisse man nicht, um welchen Virus es sich bei dem Massensterben von Vögeln im russischen Ural handele.

Die Bundesregierung hatte am Mittwoch die Vorsichtsmaßnahmen erhöht. Der in Bundespolizei umbenannte Bundesgrenzschutz soll das Einschleppen der Vogelgrippe bei der Einreise nach Deutschland verhindern und bei Verdachtsmomenten Einreisende isolieren. Die in Asien grassierende Seuche hatte sich in den vergangenen Tagen weiter nach Westen ausgebreitet. Es wird befürchtet, dass das Virus inzwischen den Ural überwunden hat. Der russische Gebirgszug trennt Europa von Asien.

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