Tod Fritz Zimmermanns
Kohls preußischer Charakterkopf

Bleifreies Benzin, Vermummungsverbot, Kronzeugenregelung: Mit Charakter und Härte hat der nun verstorbene Fritz Zimmermann die Politik geprägt. Erfolge sammelte er als Kohls Minister, hatte aber auch eine pikante Affäre.
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Berlin/MünchenFriedrich Zimmermann war ein Parteisoldat par excellence und sah sich gern als „bayerischer Preuße“. In der CSU durchlief er alle Stationen einer klassischen Karriere, war Hauptgeschäftsführer und Generalsekretär (1955-63), Schatzmeister (1963-67) und Partei-Vize (1979-89). Obendrein brachte es Zimmermann 1956 zum stellvertretenden Vorsitzenden der Jungen Union Deutschlands und zog ein Jahr später als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Landshut in den Bundestag ein.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat den früheren Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann als großen Politiker gewürdigt. „Fritz Zimmermann war ein echter politischer Charakterkopf und eine der markanten Persönlichkeiten in der deutschen Politik.“ Er habe bleibende Akzente vor allem in der Innenpolitik und der inneren Sicherheit gesetzt. „Leidenschaftliches Engagement in der Sache und große Herzlichkeit im persönlichen Umgang kennzeichneten den Menschen Fritz Zimmermann“, hieß es in der Mitteilung. Der CSU-Politiker war am Sonntag im Alter von 87 Jahren nach längerer Krankheit im österreichischen Filzmoos gestorben.

Einen Knick erlitt Zimmermanns Aufstieg, als er 1960 wegen Falscheides im Nachklapp der bayerischen Spielbanken-Affäre verurteilt wurde. Aufgrund eines medizinischen Gutachtens folgte später ein Freispruch, dennoch haftete an Zimmermann seither der ihm von der Presse verpasste Spitzname „Old Schwurhand“.

Wohl am stärksten war der Einfluss des gebürtigen Münchners aber als Chef der Bonner Landesgruppe (1976-82). In diese Zeit fiel auch der legendäre und später zurückgenommene Kreuther Beschluss, die Fraktionsgemeinschaft der CSU mit der CDU im Bundestag aufzukündigen. Zweimal gehörte Zimmermann dem Bonner Kabinett unter Kanzler Helmut Kohl (CDU) an: 1982 bis 1989 als Innen- und danach bis Anfang 1991 als Verkehrsminister.

Als Chef des Innenressorts setzte Zimmermann - trotz der Dauerkritik aus den Reihen der Opposition - bei der Inneren Sicherheit deutliche Akzente, etwa mit dem Vermummungsverbot und der Kronzeugenregelung. Auf dem Posten des Verkehrsministers brachte er die europäische Regelung für bleifreies Benzin und den Katalysator auf den Weg. Gleichzeitig kam er aber auch etwa mit seiner harten Haltung in der Asylpolitik stark unter Beschuss.

Gern hätte der Christsoziale weiter Politik gemacht, aber die Parteibasis stellte ihn 1989 nicht mehr auf. So kehrte er schließlich in seinen Beruf zurück: Der promovierte Jurist und Rechtsanwalt trat wieder in eine Kanzlei ein. Als Privatmann widmete sich Zimmermann dem Tennis- und dem Skisport sowie der Jagd. Seit 1988 war der Vater zweier Töchter zum dritten Mal verheiratet.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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