Tolerantes Breslau
Polen, wo es weltoffen ist

In Breslau herrscht Toleranz, kein traditionalistischer Dogmatismus. Das steht im Gegensatz zu dem Bild des Landes, das die Führung verbreitet, die damit das EU-Gipfeltreffen zum Scheitern bringen könnte. Breslau dagegen leistet bereits jetzt seinen Beitrag, damit Europa zusammenwächst.

BRESLAU. Ausgerechnet ein deutscher Polizeibeamter, ein raubeiniger Ermittler, der gelegentlich zu Rechthaberei und Arroganz neigt, steht im Mittelpunkt einer Reihe polnischer Kriminalromane: Kriminalrat Eberhard Mock fahndet nach Mördern und anderen Schurken in der Unterwelt der einst ostdeutschen Stadt Breslau, dem heutigen Wroclaw. Und ausgerechnet dieser Mann hat seinem Erfinder, den Autor Marek Krajewski, zu einem Star anspruchsvoller Unterhaltungsliteratur gemacht – vor allem in seiner Heimatstadt Breslau wird er für seine rechercheaufwendigen Bücher gefeiert.

Willkommen in dem anderen Polen, willkommen im niederschlesischen Breslau. Einer Stadt, die mit ihrer deutschen Vergangenheit äußerst souverän umgeht. Einer Stadt, in der die Menschen stolz sind auf die sorgsam restaurieren Baudenkmäler aus deutscher Zeit. Ja, man nutzt diese Souveränität sogar, um Breslau als weltoffenen Investitionsstandort zu propagieren.

Dies unterscheidet sich wohltuend vom Dogmatismus der nationalkonservativen polnischen Führung um die Brüder Kaczynski in Warschau, die traditionalistischen, antideutschen Denkmustern folgt. Sie sehen den Nachbarn Deutschland vor allem als Revisionisten der Geschichte, der sich vom Täter zum Opfer des Zweiten Weltkriegs wandeln will, und als feindliche Großmacht, die gemäß alter Tradition nach Hegemonie in Europa strebt. Mit dieser Sicht bringen die Politiker Europa gegen sich auf und die Einigung im europäischen Verfassungsstreit in Gefahr. Darum ringen die Staats- und Regierungschefs beim EU-Gipfeltreffen am heutigen Freitag.

Breslau leistet bereits jetzt seinen Beitrag, damit Europa zusammenwächst. Montagmorgen auf der Großbaustelle in der Innenstadt: Nach und nach trudeln die Baukolonnen ein – und nur die wenigsten hier kommen aus Polen. Die Natursteinleger stammen aus Bayern, die Techniker aus Thüringen und Brandenburg. „Fast alle unserer 200 Beschäftigen sind Deutsche und fahren natürlich am Wochenende nach Hause“, berichtet der polnische Baumanager Pawel Moras. Sein Deutsch ist fehlerfrei. Alle zusammen basteln am „Aqua Park“ der Stadt, Polens größtem und modernstem Erlebnisbad.

In Breslau arbeiten inzwischen aber auch Russen, Ukrainer und Weißrussen – teils illegal, teils mit Touristenvisa. Die koreanische LG-Gruppe, die nahe Breslau Bildschirme produziert, will asiatische Arbeiter einfliegen lassen.

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