Toll Collect mit Lieferproblemen
Verbände rechnen zum Mautstart mit Verkehrschaos

Die Verbände des Speditions- und Verkehrswesens haben vor einem Verkehrschaos zum Start der Lkw-Maut gewarnt. Bisher seien noch viel zu wenige Erfassungsgeräte (On-Board Units/OBUs) in die Fahrzeuge eingebaut worden, sagte der Präsident des Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL), Hermann Grewer.

HB MAGDEBURG. Hintergrund seien Lieferprobleme beim Betreiberkonsortium Toll Collect. „Selbst wenn im Dezember noch fleißig eingebaut würde, dürfte die Maut mit weniger als 300 000 verbauten OBUs starten“, sagte Grewer. Das sei viel zu wenig, um Verkehrsstaus rund um die Einbuchungsautomaten und an den Grenzen zu vermeiden.

Ursprünglich habe Toll Collect einen Stand von 500 000 eingebauten Geräten bis zum Jahreswechsel angestrebt, sagte Grewer. Laut einer Unternehmerbefragung des BGL konnten bis Ende September erst 59 Prozent der beim ersten Anlauf zur Maut-Einführung eingebauten Altgeräte ausgetauscht werden. Für fast drei Viertel dieser Verzögerungen seien Lieferprobleme verantwortlich. Außerdem müssten die Unternehmen durchschnittlich sechs Wochen warten, bis Toll Collect die OBUs zum Einbau in neue Fahrzeuge liefere.

Grewer forderte die Bundesregierung bei der Mitgliederversammlung seines Verbands auf, den Start der Maut so lange aufzuschieben, bis ein problemloser Betrieb gesichert sei. Andernfalls drohten Staus und Behinderungen des Verkehrs, weil sich hunderttausende Lkw-Fahrer von Hand an den Verrechnungsstellen an Tankstellen und Grenzübergängen in das System einbuchen müssten.

ADAC-Präsident Peter Meyer warnte vor den Folgen einer erneuten Verschiebung: „Es ist eine gesamtwirtschaftliche Aufgabe, dass der Termin dieses Mal eingehalten wird.“ Entscheidend sei, dass Toll Collect genug Berater an den Einbuchungsstationen bereitstelle, um ein „fürchterliches Verkehrschaos“ zu verhindern. Der Präsident des Deutschen Speditions- und Logistikverbandes (DSLV), Manfred Boes, sagte, eine erneute Verschiebung wäre „für die deutsche Wirtschaft eine Katastrophe“.

Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, kritisierte, der zusätzlichen Belastung des Güterkraftgewerbes durch die Maut stehe keine Entlastung gegenüber. Durch das Ausbleiben einer Einigung auf EU-weite Grundsätze zur Vereinheitlichung der Lkw-Maut würden zumindest vorübergehend Wettbewerbsnachteile für die deutsche Wirtschaft „zementiert“.

Übereinstimmend zeigten sich die Verbände überzeugt, die Fuhrunternehmen würden die Kosten der Maut an ihre Kunden weiterreichen. „Ich gehe davon aus, dass am Ende auch der Verbraucher für die Mehrbelastung aufkommen muss“, sagte VDA-Chef Gottschalk. Nach Einschätzung von DSLV-Präsident Boes sind selbst große Speditionen „nicht in der Lage, auch nur ansatzweise die Mehrbelastung durch die Maut selbst zu tragen.“

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