Ton der Weiterbildungsbranche wird schärfer
„Er sieht unsere Arbeit als Hindernis“

Rudolf Helfrich macht eine einfache Rechnung auf: Ein einmonatiger Trainingskurs für einen Arbeitslosen kostet 600 Euro. Mit 25 Mill. Euro könnte man folglich für 42 000 Menschen eine solche Maßnahme bezahlen.

DÜSSELDORF. „Eine bessere Imagekampagne kann ich mir kaum vorstellen“, sagt Helfrich, der Vorsitzender des Bundesverbandes der Träger beruflicher Bildung ist und zugleich Manager der von Verdi betriebenen Weiterbildungsorganisation DAA. Leider jedoch, merkt Helfrich an, hat die Bundesanstalt für Arbeit (BA) die 25 Millionen Euro anderweitig verplant: für jene Kampagne, die der Medienberater Bernd Schiphorst auf Grundlage eines umstrittenen Beratervertrags über 820 000 Euro erst noch entwickeln sollte.

Die Träger der beruflichen Weiterbildung sind nicht erst seit Beginn dieser Woche schlecht auf die BA und ihren seit nunmehr eineinhalb Jahren amtierenden Vorstandsvorsitzenden Florian Gerster zu sprechen. Das hat Gründe: Als Folge harter Kürzungen der BA erlebt die Weiterbildungsbranche zurzeit einen Umsatzeinbruch, verbunden mit drastischem Personalabbau – von geschätzten 100 000 fest angestellten Kräften seien noch 85 000 übrig, berichtet Helfrich. „Herr Gerster“, sagt er bitter, „sieht unsere Arbeit leider als Hindernis.“

In der Tat hat sich Gerster gleich zu Beginn mit der Weiterbildungsbranche angelegt – bestärkt freilich durch ein vernichtendes Urteil des Bundesrechnungshofs über die Effektivität der Maßnahmen. Während eine parteiübergreifende Koalition von Finanzpolitikern den harten Sparkurs auf diesem Feld zumindest bisher goutierte, schuf sich Gerster damit in der eigenen Organisation ein Problem: Der Weiterbildungsmarkt wird zu mehr als der Hälfte von Anbietern dominiert, die unmittelbar Gewerkschaften oder Arbeitgeberverbänden zuzurechnen sind. Und deren Vertreter sitzen zugleich im 21 Mitglieder zählenden BA-Verwaltungsrat, um den Vorstand um Gerster zu überwachen – schlechte Voraussetzungen für Harmonie.

Zwar kann der Verwaltungsrat den BA-Haushalt beeinflussen. Für den Sparkurs bei der Weiterbildung nutzt der Vorstand jedoch seit Jahresanfang ein Kriterium, das solchem Einfluss weitgehend entzogen ist: Die Arbeitsämter sind angewiesen, nur noch solche Maßnahmen zu fördern, die mindestens 70 % der Teilnehmer in feste Jobs bringen. Folge: Die theoretisch für Weiterbildung verfügbaren Etatmittel, werden in diesem Jahr voraussichtlich nicht einmal ausgeschöpft. Ausgerechnet in strukturell schwachen Regionen, so im Osten, müssten die Angebote wegen der besonderen Probleme am Arbeitsmarkt zurückgefahren werden, klagt die Branche. „Es ist überfällig, dass der Vorstand eine praktikablere Regelung vorgibt“, stimmt Herbert Loebe, Geschäftsführer des Bildungswerks der bayerischen Wirtschaft, mit Helfrich überein.



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