Torsten Albig
Vom Fußballer zum Spitzenkandidaten

„Mein Lieblingsland“ lautet der Wahlslogan des SPD-Spitzenkandidaten Torsten Albig in Kiel. Sein Werdegang ist allerdings spektakulärer als erwartet: So spielte Albig einst sogar als Fußballer für Arminia Bielefeld.
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KielAuf der Karriereleiter ist Torsten Albig nie lange stehengeblieben. Sein Amtsantritt als Oberbürgermeister in Kiel 2009 nach einem überraschend klaren Wahlsieg lag nur 15 Monate zurück, als er im September 2010 seine Bewerbung um die Spitzenkandidatur der SPD zur schleswig-holsteinische Landtagswahl verkündete. In einem Mitgliederentscheid bezwang der frühere Sprecher der Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine, Hans Eichel und Peer Steinbrück deutlich den polarisierenden Landes- und Fraktionsvorsitzenden Ralf Stegner.

Am 6. Mai will Albig nun die Landtagswahl gewinnen und Regierungschef werden - an der Spitze einer Koalition mit den Grünen. Darauf steuert er mit viel Selbstbewusstsein zu. Als Ziel nennt der Jurist öffentlich 40 Prozent. Ob er wirklich daran glaubt, weiß er selbst am besten. In Umfragen liegt die SPD um die 32 Prozent. Dass manch einer Albig für arrogant hält, nimmt der 48-Jährige hin. „Das beschreibt eine zutreffende Wesensart von mir“, sagt er sogar.

Der kahlköpfige Brillenträger geht freundlich auf Menschen zu, bei kritischen Fragen kann er aber unwirsch reagieren. Sein Auftreten hat etwas Pastorales: „Sie können mich in einen Gottesdienst stellen, und die Leute würden ganz zufrieden rausgehen.“ Im Wahlkampf arbeitet Albig an der Landesvater-Rolle - sein Slogan für Schleswig-Holstein: „Mein Lieblingsland“.

Der Anhänger der Handballmannschaft THW Kiel und der Fußballer von Arminia Bielefeld hat mehrfach bewiesen, dass er sich durchsetzen kann. 2009 besiegte er bei der Kieler OB-Wahl die CDU-Amtsinhaberin Angelika Volquartz und zeigte, dass er auch in bürgerlichen Kreisen wählbar ist. Dass er nach seinem Triumph im SPD-Mitgliederentscheid den Rivalen Stegner mit ins Boot holte, überraschte viele und verärgerte manche. Inzwischen gilt das als kluger Schachzug. „Er ist viel stärker Partei als ich“, sagt Albig über den starken Mann in der Nord-SPD. Stegner polarisiert, Albig eint.

Der Jurist wirkt verbindlich, doch bei politischen Aussagen wird ihm öfter vorgeworfen, sich nicht festzulegen. Trifft er konkrete Aussagen - wie mit der Ankündigung, den Kommunen 120 Millionen Euro im Jahr wiederzugeben - weckt er Klärungsbedarf. Albig ist Pragmatiker, sagt aber, er sei von Rot-Grün überzeugt. Der Mann, der die Weltbühne der Finanzpolitik kennt, weiß als OB und Ex-Kämmerer genauso gut Bescheid über die Finanzierung von Kitas oder Schulsanierungen.

Der in Bremen geborene Albig hat einen Sohn und eine Tochter. Groß geworden in Ostholstein, hat er in Bielefeld Abitur gemacht und Jura studiert. In seiner beruflichen Laufbahn war er auch mal Konzernsprecher der Dresdner Bank in Frankfurt am Main. Später lockte die Bundespolitik in Berlin. Zieht es ihn in die Hauptstadt zurück, etwa nach der Bundestagswahl 2013? Der Reiz halte sich in Grenzen, sagte Albig einige Wochen vor der Landtagswahl. „Selbst wenn mich tausend fragen, ich möchte in der Staatskanzlei sein.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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